Gemietet für 50 Jahre
Kauf der Prager Botschaft gescheitert

Jahrelang war über den Kauf der Prager Botschaft, dem Ort von Genschers Balkonrede von 1989, verhandelt worden. Nun finden Außenminister Steinmeier und sein tschechischer Kollege Zaoralek eine andere Lösung.
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Prag25 Jahre nach der berühmten Genscher-Rede auf dem Balkon der Prager Botschaft sind die Berliner Pläne für den Kauf des Gebäudes gescheitert. Deutschland habe das Palais Lobkowicz deshalb für die nächsten 50 Jahre weiter gemietet, sagte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) am Mittwoch in Prag. „Das gibt uns auf beiden Seiten Sicherheit“, sagte er nach einem Gespräch mit seinem tschechischen Kollegen Lubomir Zaoralek. Offizielle Angaben darüber, warum sich beide Seiten nicht einig wurden, gab es nicht. Allerdings war der Verkauf des Kulturdenkmales in Tschechien umstritten.

Seit mehreren Jahren war erfolglos über einen Kauf des Palais durch Berlin verhandelt worden. Der damalige Außenminister Hans-Dietrich Genscher hatte rund 4000 DDR-Flüchtlingen auf dem Gelände der Botschaft am 30. September 1989 ihre Ausreise verkündet. Steinmeier erinnerte daran: „Dieser emotionale Moment der großen Freude wird für die Deutschen für immer mit Prag verbunden sein.“

Ein Thema war in Prag auch die aktuelle Entscheidung der Bundesregierung, den 20. Juni zum Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung zu machen. „Ich will hier gerne deutlich machen, dass wir dieses Gedenken ausdrücklich im Zusammenhang von Aussöhnung, Verständigung und Zukunft sehen“, sagte Steinmeier.

Die Vertreibung von rund drei Millionen Deutschen aus der Tschechoslowakei nach dem Zweiten Weltkrieg hatte in der Vergangenheit die Beziehungen zwischen Prag und Berlin belastet. Zaoralek erklärte, er verstehe die Flüchtlingsproblematik heute als eine globale Herausforderung. „Wir sehen das in der Ukraine, im Irak und in Syrien“, sagte der Sozialdemokrat.


Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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