General Madschid im Porträt
"Chemie-Ali" zog eine Blutspur durch den Irak

Hassan Ali el Madschid war mit Ex-Präsident Saddam Hussein nicht nur familär verbandelt, beide Männer verband auch der Hang zu exzessiver Gewalt und Brutalität.

HB/dpa BAGDAD. Seinen Spitznamen Chemie- Ali bekam der 65-Jährige für den berüchtigten Giftgaseinsatz gegen die kurdische Kleinstadt Halabscha im August 1988, bei dem mehr als 5000 Menschen qualvoll starben. Auch bei der Ausschaltung von Oppositionellen, bei der Niederschlagung des Schiitenaufstandes von 1991 oder beim Überfall auf Kuwait 1990 marschierte General Madschid ganz vorn mit. Für Saddam war Madschid Cousin, Vertrauter und der Mann für's Grobe in Personalunion.

Trotz fehlender Schulbildung und ohne große militärische Ausbildung gelangte Madschid an der Seite Saddams bis an die Spitze des Regimes und wurde sogar zum General befördert. Madschid gehört wie Saddam dem Bu-Nasir-Stamm an, der aus Tikrit kommt und die Macht im Irak an sich riss.

Während seiner Amtszeit als Gouverneur im nördlichen Kurdistan (1987 bis 1989) setzte die irakischen Armee Nervengas ein. Während der siebenmonatigen Besatzung von Kuwait vor dem ersten Golfkrieg 1991 machte Saddam seinen Cousin zum Gouverneur des als 19. Provinz des Iraks annektierten Golfstaates. Madschid machte mit brutalen Razzien und Plünderungen von sich reden. Als sich im Frühjahr 1991 die Schiiten im Südirak erhoben, war Madschid wieder zur Stelle. Der Volksaufstand wurde blutig niedergeschlagen. Tausende Schiiten wurden hingerichtet.

Nach der Niederlage im Golfkrieg setzte Saddam vor allem auf seine Familie und machte Madschid von 1991 bis 1995 zum Innen- und Verteidigungsminister. Madschids Stern begann zu sinken, als er sich mit Saddams gewalttätigem Sohn Udai überwarf. Zwar durfte er keine öffentlichen Ämter mehr bekleiden, zog aber als einflussreiches Mitglied der Baath-Partei im Hintergrund die Strippen.

1995 stellte Madschid bei Saddam seine unbedingte Treue unter Beweis und ging in der eigenen Familie über Leichen. Hussein Kamil, sein Neffe und zugleich Ehemann von Saddams Tochter Raghad, war im August 1995 nach Jordanien geflüchtet. Mit der Aussicht auf Straffreiheit lockte ihn die Familie 1996 nach Bagdad zurück. Dort wartete Onkel Hassan Ali mit einem Exekutionskommando auf den ehemaligen Minister für Militärindustrie. Nachdem Hussein Kamil tot war, soll der Onkel noch mit seinem Schuh auf das Gesicht getreten haben - die größte Verletzung der Ehre eines Toten.

Ende der 90er Jahre fiel immer wieder der Name Madschids, wenn es brutale Aktionen gegen Regimegegner oder Abtrünnige von Staatschef Saddam Hussein gab. Er selbst soll zwei Angehöriger einer Spezialeinheit wegen angeblichen Geheimnisverrats in aller Öffentlichkeit mit dem Schwert geköpft haben.

Als der Einmarsch der alliierten Truppen in diesem Frühjahr unmittelbar bevorstand, ernannte ihn Saddam zum Oberbefehlshaber über den Südirak. Während des Krieges war dann schon voreilig der Tod Madschids bei einem gezielten Bombenangriff gemeldet worden.

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