Generalsekretär Annan berät mit US-Verwalter Bremer staatlichen Wiederaufbau des Landes
Washington drängt Uno zur Rückkehr in den Irak

In der New Yorker Uno-Zentrale diskutieren Kofi Annan, der US-Zivilverwalter in Bagdad, Paul Bremer, und Mitglieder des irakischen Regierungsrats über die Zukunft der Uno im Zweistromland.

GENF. US-Präsident George W. Bush sollte es wissen. Die Mitglieder des irakischen Regierungsrates wissen es. Und Uno-Generalsekretär Kofi Annan sagt es: „Die Vereinten Nationen haben reiche Erfahrungen beim Aufbau staatlich-politischer Strukturen.“ Nur: Im Irak muss sich die Weltorganisation mit der Rolle des Zaungasts begnügen. Das könnte sich mit dem heutigen Tag ändern. In der New Yorker Uno-Zentrale diskutieren Kofi Annan, der US-Zivilverwalter in Bagdad, Paul Bremer, und Mitglieder des irakischen Regierungsrats über die Zukunft der Uno im Zweistromland. Später treffen Annan und die Iraker den Sicherheitsrat.

Bei den Runden dürfte jene Macht ein starkes Uno-Engagement bei der Errichtung einer Demokratie im Irak fordern, die noch vor kurzem die Weltorganisation hatte links liegen lassen: die USA. Diplomaten betonen, dass die Bush-Administration die ungeliebte Uno quasi einbinden muss. „Einerseits verleiht ein Uno-Einsatz dem Transfer der Souveränität und dem Staatsaufbau die dringend benötigte Legitimierung im Irak selbst und in der Welt“, sagt ein westlicher Vertreter. „Und die USA haben begriffen, dass die Uno die nötige Expertise hat.“ In Ost-Timor etwa wurde unter dem Uno-Banner der Übergang vom Chaos zur Unabhängigkeit organisiert.

Das Können der Uno will sich die US-Regierung schon bald zu Nutze machen: Anfang Juli soll ein irakischer Nationalrat formell die staatlichen Befugnisse von den US-Besatzern übernehmen; die Uno könnte als Beobachter dem Wechsel das Gütesiegel der Völkergemeinschaft verleihen. Und für 2005 sind freie und allgemeine Wahlen in der ehemaligen Diktatur geplant; die Vereinten Nationen könnten die Organisation des Urnengangs mit übernehmen.

Ob die Amerikaner ihren Zeitplan durchsetzen können, ist jedoch zweifelhaft. Seit Wochen stehen sie unter dem Druck des einflussreichsten schiitischen Führers im Irak, Großayatollah Ali el Husseini el Sistani, der mit einem Boykott einer Übergangsregierung seitens seiner Bevölkerungsmehrheit droht. Bremer signalisierte am Wochenende nach Gesprächen im Weißen Haus bereits Kompromissbereitschaft: Zwar sei die von den Schiiten geforderte Parlamentswahl vor der geplanten Einsetzung einer Übergangsregierung am 1. Juli nicht machbar. Man denke aber über Teilwahlen und Versammlungen als Kompromiss nach.

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