Generalstreik
Europaweite Proteste und Streiks gegen Sparpolitik

In vielen EU-Krisenländern fahren die Regierungen – notgedrungen – einen scharfen Sparkurs. Vielen ihrer Bürger geht es immer schlechter. Diese gehen heute europaweit auf die Straße.
  • 13

Madrid/BrüsselAus Protest gegen die Sparpolitik ihrer Regierungen haben am Mittwoch Millionen Arbeitnehmer in mehreren EU-Krisenländern die Arbeit niedergelegt. In Spanien und Portugal begannen landesweite, 24-stündige Generalstreiks. Beschäftigte in Italien und Griechenland waren zu mehrstündigen Arbeitsniederlegungen aufgerufen. In Belgien legte ein 24-stündiger Streik der Bahnmitarbeiter schon am Morgen den Zugverkehr weitgehend lahm. Die Fluggesellschaften sagten viele Spanien- und Portugal-Flüge ab. Zu dem „Solidaritätstag“ hatte der Europäische Gewerkschaftsbund aufgerufen.

Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Michael Sommer, prangerte die Sparpolitik als falsches Mittel gegen die Krise an. Die Euro-Krisenländer würden „kaputtgespart“, kritisierte er im Deutschlandradio Kultur. „Wir wollen die richtigen Maßnahmen gegen die Krise. (...) Das heißt, dass man gegen die Krise investiert und nicht in die Krise weiter hineinspart.“ Auch die Reformen, die viele Länder angestoßen haben, bewertete Sommer kritisch: „Diese Krise bekämpfen wir nicht mit dem Abbau von Arbeitnehmerrechten und mit der Verlängerung der Lebensarbeitszeit und der Verschlechterung bei den Mindestlöhnen.“

Bahnreisenden wurde empfohlen, Belgien zu meiden. Beschäftigte des Bahnbetreibers SNCB begannen schon am Dienstagabend einen 24-stündigen Streik. Aus Frankreich kommende Reisende mussten in der Nacht in Lille in Busse umsteigen, um nach Brüssel zu gelangen. Der Ausstand sollte vor allem die Wallonie im Süden des Landes treffen - Auswirkungen werde es aber auch in Brüssel und in Flandern geben, hieß es.

Der Hochgeschwindigkeitszug Thalys werde nicht zwischen Deutschland und Belgien verkehren, teilte der Betreiber mit. Auf den anderen Routen nach Frankreich und den Niederlanden seien Verspätungen möglich. Der Eurostar-Zug durch den Kanaltunnel nach London soll hingegen wie üblich verkehren.

Wegen der Streiks in Spanien und Portugal sagten die Fluggesellschaften eine Reihe Flügen ab. Die großen spanischen Linien strichen etwa die Hälfte der geplanten Verbindungen. Auch im internationalen Flugverkehr könnte es zu Störungen kommen. In Spanien wurde für die Bahnen, U-Bahnen und Busse ein Mindestbetrieb vereinbart, der in jedem Fall aufrechterhalten werden soll.

Auch in anderen EU-Ländern hatten die Gewerkschaften zu Protestaktionen aufgerufen. So sollen in Griechenland ab 12.00 Uhr Ortszeit (11.00 MEZ) die Staatsbediensteten für drei Stunden die Arbeit niederlegen. Die Schulen und die Ministerien werden während des Ausstands geschlossen bleiben. Zudem wollen die Journalisten während der dreistündigen Arbeitsniederlegung im Radio und Fernsehen nur Nachrichten senden, die den europaweiten Aktionstag betreffen. Um die Mittagszeit ist eine Demonstration im Zentrum Athens geplant. Auswirkungen im Flug- und im für Griechenland wichtigen Fährverkehr wird es nach Angaben der Gewerkschaften nicht geben.

 
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Generalstreik: Europaweite Proteste und Streiks gegen Sparpolitik"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Der Zinseszins hat keine Schuld das ist richtig, der Markt wiederspiegelt nur die Unfähigkeit unserer Politiker. Europa wurde auf einen großen Schwindel aufgebaut, weis sogar das Qualitätsfernsehen zu berichten:

    http://www.ardmediathek.de/wdr-fernsehen/die-story/der-grosse-euro-schwindel-wenn-jeder-jeden-taeuscht?documentId=12356928

  • @Zarathustr - Operatives Geld system, keinen Zins mehr! ??

    Das ist natürlich keine Lösung. Das auch Banken an Ungleichgewichten mitschuldig sind ist klar, aber die Hauptschuld, und das will leider niemand zugeben, tragen die Verantwortlichen, die Politiker der verschuldeten Staaten, Deutschland inklusive. Eine exzessive Ausgabenpolitik in den vergangenen 40-50 Jahren führte uns an den Rand der Finanzkatastrophe. Wenn Sie jetzt naiv keinen Zins mehr fordern, dann geschieht genau das, was wir schon fast beobachten können. Das Volk wird über Inflation enteignet. Die Lebensleistung jeden Einzelnen wird von den gierigen Staaten und ihren korrupten Politikern nach extraorbitanter Besteuerung, Geldverschwendung und Geldeinsacken auch noch durch Inflation und 0-Verzinsung eingehamstert. Die von Ihnen vorgeschlagene Lösung führt in die Hölle auch noch mit dem zweiten Bein. Die einzig nachhaltige Lösung besteht aus der Möglichkeit die Unverantwortlichen (Staaten oder Banken) pleite gehen zu lassen. Ihnen die Möglichkeit weiterer Kreditaufnahme zu sperren. Es ist zwar schmerzhaft, aber nicht schmerzhafter, als unendliche Qual. Diese demagogische und zynische Bezeichnung "Schlüpfen unters Rettungsschirm" bezeichnet eine Methode, wie sich unverantwortliche Politiker und Geldverschwender retten können, nicht das Volk, nicht die Wirtschaft, nicht der Staat.

  • In vielen EU-Krisenländern fahren die Regierungen – notgedrungen – einen scharfen Sparkurs.

    Der von oben aufgesetzte Sparkurs wäre nicht notwendig und dient nur zur Rettung des Schuldzinsgeldsystems, welches aber nicht zu retten ist.

    Das daraus enstehende Chaos ist gewollt. Hier soll als "Lösung" eine faschistische Finanzdiktatur errichtet werden.

    Die einzig wirkliche Lösung ist der Plan B der Wissensmanufaktur.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%