Generalstreik

Gewerkschafter wollen Italien lahmlegen

24 Milliarden Euro will Italiens Ministerpräsident Mario Monti einsparen, um das Vertrauen der Märkte zurückzugewinnen. Doch der Widerstand im eigenen Land wächst. Heute kommt es zum Generalstreik.
13 Kommentare
Anti-Banken-Proteste in Rom. Quelle: dpa

Anti-Banken-Proteste in Rom.

(Foto: dpa)

RomIn Italien halten die Gewerkschaften an dem für den heutigen Montag ausgerufenen Generalstreik fest. Nach Gesprächen mit Ministerpräsident Mario Monti sagte die Generalsekretärin des größten Gewerkschaftsbundes CGIL, Susanna Camusso, dass der Streik wie geplant stattfinde, da Monti nur eine „allgemeine“ Bereitschaft signalisiert habe, die Forderungen der Gewerkschaften zu prüfen.

Der Vorsitzende der Gewerkschaft CISL, Raffaele Bonanni, sagte, die Gewerkschaften seien mit Monti zwar einer Meinung, dass Italien mit einer „schweren“ Krise konfrontiert sei. Doch die Sparmaßnahmen müssten ausgewogener sein, erklärte er.

Monti hatte sich am Sonntagabend in Rom mit den Chefs der drei großen Gewerkschaften CGIL, CISL und UIL getroffen. Bei dem informellen Treffen warb der Regierungschef für das Spar- und Reformpaket, das Monti bis Weihnachten durchs Parlament bringen will.

Die Gewerkschaften leisten heftigen Widerstand gegen die Milliarden-Maßnahmen, vor allem gegen eine geplante Rentenreform und die Wiedereinführung einer Immobiliensteuer. Die Arbeitnehmervertreter verlangen von dem Ministerpräsidenten, die Hauptlast seines Maßnahmenbündels gerechter zu verteilen. Ihrer Meinung nach sind vor allem Arbeiter und Rentner von den Sparmaßnahmen betroffen.

Basisdaten Italien

Quelle: Information Research

Ministerpräsident Monti, der 68-jährige Nachfolger des umstrittenen Silvio Berlusconi, hatte vor einer Woche im Schnellverfahren ein 24 Milliarden Euro großes Sparpaket auf den Weg gebracht, um das hoch verschuldete Italien aus dem Visier der Finanzmärkte zu bringen. EU, USA und nicht zuletzt die Finanzmärkte reagierten in den vergangenen Tagen positiv auf Montis Pläne.

Italien hat nach Griechenland den höchsten Schuldenstand der Eurozone, gemessen an der Wirtschaftsleistung, und sitzt auf einem Schuldenberg von circa 1,9 Billionen Euro.

  • dpa
  • dapd
Startseite

Mehr zu: Generalstreik - Gewerkschafter wollen Italien lahmlegen

13 Kommentare zu "Generalstreik: Gewerkschafter wollen Italien lahmlegen"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Genau diese Einstellung (Ideologie?) ist den Ländern mit 100% Beschäftigung auf die Füße gefallen.

    Ein wenig Zusammenhang: Wenn die Arbeitsbevölkerung wandert, gleichen sich Disharmonien aus.

  • ich finds gut, dass die italiener streiken. die können ja nix für die misere, nennen doch selbst auch staatanleihen ihr eigen. das ganze übel kommt ja von übersee und die amis wollen es nun vertuschen, indem sie immer von der eurokrise reden. staatschulden hin oder her. die wären sicherlich nicht so prekär, wenn es damals keine finanzkrise gegeben hätte und goldmann sachs, wir wissen ja alle, was das für halunken sind, haben ja griechenland zu den euroticks beraten. für mich sollte der europäische gerichtshof angerufen werden und gs verklagt werden auf die summe der jetzigen staatsschulden von den piigs.
    nur mal ein beispiel, warum die italiener streiken. die benzinpreise expodieren gerade dort ins unermessliche dank der technokraten (übrigens auch alles gs-anhänger). Bald gibts Bürgerkrieg. dann rasieren wir denen mal ordentlich die hälse.

  • Das einfachste Mittel für Ihre Forderung "Abbau des Leistungsbilanzdefizits": Wiedereinführung der Lira bzw. der D-Mark. Was Sie vergessen: Es gibt nicht nur ein Leistungsbilanzdefizit, sondern auch noch ein massives Kapitalbilanzdefizit: Italiener u.a. bringen ihr Geld nach Deutschland, da das Vertrauen in das Staats- und Gesellschaftssystem Italiens verloren ist und viele mit der Auflösung des Euros rechnen. Es besteht dmit die ernsthafte Gefahr, daß sich z.B. der italienische Staatsverband auflöst (Padanien!). Das hat übrigens nichts mit Deutschland, sondern viel mit Italien selbst und seinen verrückten, unfähigen Parteien und Gewerkschaften zu tun! Sie sind wirklich ein "Super-Ökonom", daß Sie das nicht erkennen (wollen)! Der Euro war und ist eine Schnapsidee von unverbesserlichen Träumern, die vorzugsweise in politischen Parteien Deutschlands anzutreffen sind.

  • @ Juma, Rene,
    Wo ein Willen ist, ist auch ein Weg!
    Fakt ist dass wir (EU) in Spanien und Portugal eine Jugendarbeitslosigkeit von 40% haben, in Italien 28% Tendenz steigend, von Griechenland ganz zu schweigen. Junge, gut ausgebildete Europäer verlassen massenweise das Alte Kontinent und suchen ihr Glück in die weite Ferne. Das halte ich nicht für eine gute Entwicklung für Europa. Ich denke doch das die USA uns wieder helfen sollten, bevor ein neuer Duce, Caudillo oder, noch schlimmer, Führer uns beglücken.

  • Die Geschichte lehrt täglich, sie findet nur keine Schüler.

    "AMI-Comeback" ist einer der Nicht-Schüler. Restriktionen, Verbote, Kontrollen, Einschränkungen...So sind die Länder ja erst in die Negativspirale geraten.

  • Na klar. Tolle Gegenkraft, die selbst keine eigenen Vorschläge einbringt außer der Plattitüde: wir sparen nicht.

    Ich weiss ja nicht, wo sie arbeiten, aber von Sklaverei zu sprechen, erscheint mir schon sehr befremdlich.

  • Es ist beschämend, dass die Gewerkschaften - vor allem die südeuropäischen - ihre Rolle in der Gesellschaft scheinbar nur noch darin sehen, alles lahmzulegen.

    Wenn eine Gewerkschaft mehr wert sein will als ein 100%- Totalausfall, dann gehört da deutlich mehr zu, nämlich gesellschaftliches Engagement mit eigenen Vorschlägen, wie man aus der Schuldenspirale herauszukommen gedenkt.

    Solche Gewerkschaften braucht kein Land!

  • Planwirtschaft ist bereits gescheitert.

  • 3 einfache Möglichkeiten, aber ohne Garantie, de ich keine Ahnung von Wirtschaft habe.
    1. Überschuss wird von der EZB verwaltet bis abgebaut.
    2. Erhöhte MwSt. auf Produkte aus Überschussländer.
    3. Überschussländer bekommen von der EU keine Subventionen.
    Auch eine Mischung der 3 Möglichkeiten möglich.
    Wo ein Willen ist, ist auch ein Weg!

  • Im streiken haben die Italiener Übung und vor allem Gewerkschaften die auf der Seite "aller" Arbeiter und Angestellten sind.Das sind funktionierende Gegenkräfte in
    Krisenzeiten.In Deutschland dagegen hat man viel Energie
    darauf verbraucht aus Arbeitern moderne Sklaven zu machen.Das wird sich bald rächen.
    Auf die eine oder andere Weise.Das aber nachhaltig und
    "alternativlos".

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%