Generationswechsel auf Spaniens Thron
Neuer König mit Mammutaufgabe

Mit der Abdankung König Juan Carlos' könnte in Spanien möglich werden, was bisher zu scheitern drohte: ein stärker föderalistischer Staat. Doch vielleicht erwarten die Spanier zu viel von ihrem zukünftigen König Felipe.
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MadridAuch am Tag eins nach der für alle überraschenden Ankündigung von König Juan Carlos, das Zepter an seinen Sohn Felipe zu übergeben, gibt es in Spanien kein anderes Thema. In allen Medien und auf der Straße wird diskutiert, warum der König jetzt zurücktrat, wie lange es dauern wird bis Kronprinz Felipe und seine Frau Letizia zu Felipe VI. und Königin Letizia gekrönt werden.

Die Klatschpresse rätselt, was für ein Kleid die grazile, attraktive Frau an der Seite des künftigen Königs bei der Krönung tragen wird. Und die ernsthafteren Talk-Runden oder Interviews drehen sich um die Frage, was der 46-Jährige Felipe, nach Meinung seines Vater und auch vieler Spanier der am besten vorbereitete und ausgebildete Kronprinz aller Zeiten, in Spanien verändern wird und kann.

Die Erwartungen sind hoch, der Wunsch nach Veränderung groß in Spanien, im Jahr eins nach der Krise, die noch immer in einer bedrückend hohen Arbeitslosigkeit von noch immer fast 26 Prozent – Tendenz nur quälend langsam fallend. In einem Land, das hilflos zusieht, wie die Regierung mit ihrem Konfrontationskurs die Unabhängigkeitsbestrebungen in der wirtschaftlich wichtigen Region Katalonien immer stärker und konkreter werden lässt.

In einem Land, wo die gesamte Politik und auch die Monarchie in den letzten Jahren zunehmend an Respekt und Ansehen verloren hat, nachdem der Palast die Machenschaften des königlichen Schwiegersohnes Iñaki Urdangarin über Jahre zu verdecken versuchte, den ehemaligen Handballer auf einen lukrativen Posten ins Ausland abschob, anstatt wie bei jedem anderen spanischen Bürger die Justiz walten zu lassen. Der König selbst reiste auf dem Höhepunkt der Krise mit seiner mutmaßlichen Geliebten zur Elefantenjagd nach Botswana, kurz nachdem er behauptet hatte, dass ihm die hohe Arbeitslosigkeit in Spanien schlaflose Nächte bereitet. Das Volk erfuhr davon nur, weil sich Juan Carlos bei dem Ausflug die königliche Hüfte brach.

„Musste Don Juan Carlos im Spanien des Jahres 1975 eine moderne parlamentarische Monarchie erfinden, so ist es jetzt die Aufgabe von Don Felipe diese parlamentarische Monarchie neu zu erfinden”, heißt es im Leitartikel der konservativen Zeitung El Mundo. Gar nicht so wenige würden die Monarchie sogar am liebsten gleich ganz abschaffen. Am Montag, nachdem der König seine Abdankung angekündigt hatte, gab es massive Demonstrationen in vielen spanischen Städten, die ein Ende der Monarchie, oder zumindest für eine Volksbefragung zu diesem Thema fordern. Zu den Kundgebungen hatten die Linksparteien Izquierda Unida, Podemos und Equo aufgerufen, die zusammengenommen bei der Europawahl in Spanien auf immerhin knapp 20 Prozent kamen.

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