"Genua ist eine belagerte Stadt"
Bush kommt mit klaren Vorstellungen nach Genua

Unmittelbar vor dem G-8-Gipfel in Genua hat US-Präsident George Bush noch einmal seine umstrittene Umweltpolitik und seine Raketenpläne bekräftigt. Bei seinem Besuch in London unterstrich er am Donnerstag seine Entschlossenheit, unbeirrt die amerikanischen Interessen zu vertreten.

dpa GENUA/ROM/LONDON. Die Außenminister der acht führenden Industrienationen (G 8) setzten sich gleichzeitig am Donnerstag bei einem Vorbereitungstreffen in Rom für die Entsendung internationaler Beobachter in die Palästinensergebiete und die zügige Umsetzung des Mitchell-Plans für den Nahen Osten ein. Unterdessen wurde die italienische Hafenstadt Genua angesichts befürchteter gewaltsamer Ausschreitungen von Globalisierungsgegnern zu einer "Festung" ausgebaut.

Am Freitag sollten in Genua die Beratungen der Führungspolitiker aus den G-8-Staaten über die Hauptthemen Nahost, Raketenabwehr, die Weltwirtschaftslage und Armut in der Dritten Welt beginnen. Schon zum Auftakt des dreitägigen Gipfels wollten militante Globalisierungs- Gegner eine ersten Ansturm auf den Sicherheitskordon um den Tagungsort starten. 100 000 Demonstranten werden erwartet. Über 15 000 Polizisten und Soldaten sind im Einsatz. Zur Ankunft der Staatsgäste haben italienische Militärs am Flughafen Genua Luftabwehrraketen aufgestellt.

Globalisierungs-Gegner drohen mit dem Einsatz chemischer und biologischer Waffen aus der Luft. Aus Angst vor der Gewalt ähnlich wie beim jüngsten EU-Gipfel in Göteborg haben viele Einwohner Genuas ihre Stadt verlassen. Die allermeisten Geschäfte, Restaurants und Büros im Zentrum sind geschlossen, die Schaufenster verbarrikadiert. "Genua ist eine belagerte Stadt", schrieben italienische Zeitungen.

Die Schweiz ließ am Donnerstag nach langen Kontrollen an der Grenze bei Basel rund 400 deutsche Globalisierungsgegner einreisen. Sechs Personen wurde von den deutschen Grenzbeamten die Ausreise verweigert. Sie waren wegen gewalttätiger Demonstrationen aktenkundig.

Bereits am Donnerstag traf der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi in Genua ein. G-8-Teilnehmerstaaten sind die USA, Kanada, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Japan sowie Russland. Am Freitag, wenn über die Armut in der Dritten Welt gesprochen wird, stoßen die Präsidenten aus sechs Entwicklungsländern dazu. Die politischen Führer aus Nigeria, Südafrika, Algerien, Mali, El Salvator und Bangladesch werden von UN- Generalsekretär Kofi Annan begleitet. Unter anderem will der Gipfel einen Gesundheitsfonds zum Kampf gegen Aids, Malaria und Tuberkulose beschließen. Es geht auch um Schuldenerlass.

Bei der Außenministertagung in Rom unterstützten zum ersten Mal auch die USA die Entsendung internationaler Beobachter. Israel blieb jedoch bei seiner strikten Ablehnung. Das Büro von Ministerpräsident Ariel Scharon teilte in Jerusalem mit, die Regierung sei gegen eine Beobachtergruppe. Palästinenserpräsident Jassir Arafat, der seit langem die Beobachter fordert, zeigte sich zufrieden. Es sei ein "chritt in die richtige Richtung", ließ er erklären.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%