Geopolitische Veränderungen in Nahost
Nahost-„Schurkenstaaten“ suchen Nähe zu US-Verbündeten

Die geopolitische Landkarte im Nahen Osten verändert sich. Gleich drei der so genannten „Schurkenstaaten“ – Iran, Syrien und Libyen – suchen eine indirekte Annäherung an die USA.

HB TEL AVIV. Intensive diplomatische Aktivitäten in ehemals verfeindeten Ländern sind erste Zeichen für neue Annäherungen. So will Teheran wieder diplomatischen Beziehungen zu Ägypten aufnehmen, Syriens Präsident Assad besuchte die Türkei und Libyen hat sogar Kontakt mit Israel aufgenommen. Die in Tripolis, Teheran und Damaskus beobachteten Avancen haben ein gemeinsames Ziel: die Beziehungen zu den engsten US-Verbündeten in der Region neu zu gestalten.

Der libysche Revolutionsführer Muammar Gaddafi könnte sogar diplomatische Beziehungen zu Israel anstreben, meint Israels Ex-Gesundheitsminister Ephraim Sneh, der zu Jahresbeginn am Rande einer Konferenz den Sohn Gaddafis traf. Libyen habe eine „strategische Entscheidung“ getroffen, so Sneh gegenüber dem israelischen Rundfunk, „und Gaddafi ist nicht für kleinkarierte Schritte bekannt.“ Ein israelischer Diplomat soll bei einem Geheimtreffen mit einem arabischen Politiker Möglichkeiten eines Botschafteraustausches erörtert haben, auch wenn das libysche Informationsministerium gestern betonte, es gebe keine direkten Kontakte zu Israel. Im Dezember hatte Gaddafi überraschend Libyens Verzicht auf Massenvernichtungswaffen angekündigt.

Auch Teheran beginnt sich gegenüber den USA zumindest indirekt zu öffnen. Nach einer mehr als 20-jährigen Unterbrechung will der Gottesstaat die diplomatischen Beziehungen zu Ägypten wieder aufnehmen. Um die Absicht zu unterstreichen, hat Teheran die an den Sadat-Mörder erinnernde Chaled- Islambuli-Straße bereits umbenannt. Jetzt soll auch Ägypten ein symbolisches Zeichen setzen und den in einer Kairoer Moschee begrabenen Leichnam des Schah entfernen, fordert Teheran. Die Mullahs hatten die Beziehungen zu Kairo aus Protest gegen die Unterzeichnung des israelisch-ägyptischen Friedensvertrages 1980 abgebrochen. Derzeit bestehen in beiden Ländern lediglich gegenseitige Interessenvertretungen. Als weiteres Zeichen des Entgegenkommens will Iran Kontrollen der internationalen Atomenergieagentur IAEA zulassen.

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