Georgien-Krise
Merkels Ritt über den Kaukasus

Berlin will Moskau in der Georgien-Krise seine imperialistische Politik nicht durchgehen lassen. Und so bietet Kanzlerin Angela Merkel dem Kreml Paroli und stärkt Tiflis bei ihrem Besuch am Sonntag den Rücken – wenn auch nur ein bisschen. Denn Deutschland muss schließlich auch die eigenen Interessen im Auge behalten.

TIFLIS. Bei so viel Überschwang musste selbst die Kanzlerin bremsen: Die Lorbeeren könne Michail Saakaschwili „jedem geben, der jetzt noch zu Ihnen kommt“, sagte Angela Merkel, nachdem Georgiens Präsident die deutsche Regierungschefin bei ihrem Besuch in Tiflis am Sonntagnachmittag als „sehr mutige Staatsfrau“ mit Lob überhäuft hatte. Merkel, so schwärmte Saakaschwili, ebne dem geschlagenen Kaukasus-Land den Weg in die Nato-Allianz. Die Kanzlerin wehrte das sichtlich zufrieden ab mit den Worten: „Ich war aktiv dabei, aber ich war nicht die Einzige.“

Nur versteckt und erst recht ohne Merkel namentlich zu nennen, hatte Saakaschwili nach dem Gespräch am Sonntag alle kritisiert, die durch das Verzögern des georgischen Nato-Aufnahmewunsches auf dem Gipfel im April in Bukarest die Russen erst zum Angriff auf seine Heimat ermuntert hätten.

Nun wird Merkel, die bisherige Bremserin einer Nato-Mitgliedschaft der Ukraine und Georgiens, so politisch umarmt vom 40-jährigen Charmeur aus dem Kaukasus, dass alte Gräben zugeschüttet werden. Denn Saakaschwili weiß: Er wird noch viele Fürsprecher brauchen. Die Verhandlungen über die abtrünnigen Regionen Südossetien und Abchasien und vor allem über Russlands Abzug aus Georgien werden hart. Und die Kanzlerin soll dabei an seiner Seite stehen.

Doch: Vermitteln? Zwischen Russland und Georgien? Gott bewahre. Zwar verbringt die Kanzlerin große Teile des Wochenendes in der Kriegsregion. Den Freitag bei den Russen im Seebad Sotschi, den Sonntag in Georgien. Der Termin am Freitag mit Russlands Präsident Dmitrij Medwedjew ist lange geplant, also nutzt die Kanzlerin das Treffen, um Tacheles zu reden. Nach einem ruhigen Samstag in Berlin stellt sie sich Sonntag dann hinter Saakaschwili, ein bisschen wenigstens. „Für Schuldzuweisungen ist jetzt keine Zeit“, vermeidet Merkel hier wie dort jede klare Parteinahme.

In Tiflis konzentriert sich die Kanzlerin auf Krisenmanagement, lehnt die „ewige Ursachenforschung“ ab. Sie macht klarer als je zuvor, „dass Georgien und die Ukraine Nato-Mitglieder werden, wenn sie es wollen“. Unklar sei nur der Zeitplan. Den Rückzug der Russen bezeichnet sie als vordringlich. Der Kreml könne sich nicht damit rausreden, so lange bleiben zu müssen, bis Stabilität herrsche, betont die Kanzlerin.

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