Georgische Armee hält sich weiter zurück
Russischer Außenminister versucht in Tiflis zu vermitteln

Tausende Demonstranten haben in der Nacht vor dem besetzten Parlament in Tiflis ausgeharrt. Die Armee hält sich zurück. Seit Sonntagmorgen vermittelt Russlands Außenminister Iwanow im Streit zwischen Opposition und Präsident.

HB BERLIN. In den Machtkampf zwischen der georgischen Opposition und Präsident Eduard Schewardnadse hat sich nun Russland eingeschaltet. Am Sonntagmorgen traf der russische Außenminister Igor Iwanow Vertreter der Schewardnadse-Gegner.

Oppositionsführer Michail Saakaschwili begrüßte Russlands Initiative. «Ich denke, Russland wird eine konstruktive Rolle spielen», sagte er nach dem rund zweistündigen Gespräch mit Iwanow. Er habe dem russischen Außenminister seine Forderung nach einem neuen Präsidenten und einem neuen Parlament übermittelt. Iwanow werde diese bei seinem Treffen mit Schewardnadse am Vormittag an den Präsidenten weiterleiten.

Sowohl Russland als auch die USA haben aus Furcht vor einer weiteren Destabilisierung der Kaukasusregion beide Seiten aufgerufen, Gewalt und Blutvergießen zu vermeiden.

Auch Schewardnadse mahnte von seinem Haus aus eine friedliche Lösung an. Er rief beide Seiten zum Dialog auf. «Für uns ist es wichtig, dass alles im Rahmen der Verfassung und der Rechtmäßigkeit ist», sagte Schewardnadse laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Interfax.

Tausende Demonstranten blieben die Nacht über vor dem Parlament, nachdem Oppositionsführer Michail Saakaschwili sie aufgerufen hatte, ihren Sieg zu verteidigen. Die georgische Armee will nicht mit Waffengewalt gegen die demonstrierenden Regierungsgegner vorgehen. Schewardnadse habe den Streitkräften keine entsprechende Anweisung erteilt, sagte Verteidigungsminister David Tewsadse am Sonntag im georgischen Fernsehen.

Nach wochenlangen Protesten der Opposition gegen die nach ihrer Ansicht gefälschten Ergebnisse der Parlamentswahl vom 2. November hatten Demonstranten am Samstag das Parlament gestürmt und Schewardnadse vertrieben. Zur Übergangspräsidentin bis zu Neuwahlen ernannten sie die bisherige Parlamentspräsidentin Nino Burdschnadse.

Die Proteste verliefen weitgehend friedlich: In Anlehnung an die «samtene Revolution» 1989 in Prag ermahnten die Oppositionsführer ihre Anhänger immer wieder zur Gewaltfreiheit.

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