Gerangel um EZB-Posten
Deutscher Hase, französischer Igel

Beim Poker um den Posten des EZB-Chefvolkswirtes wähnte sich Deutschland bereits auf der Siegerstraße, da zog Frankreich seinen Joker. Wenn es um Top-Jobs geht, sind die Franzosen gewiefter – und erfolgreicher.
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DüsseldorfWenn Deutschland und Frankreich um internationale Top-Jobs streiten, ist es ein bisschen so wie in den Märchen von dem Hasen und dem Igel: Der eine läuft und rackert sich ab, um ans Ziel zu kommen, der andere nutzt seinen Verstand und eine List.

Eindrucksvoll beobachten lässt sich dass zurzeit bei dem Gerangel darum, wer den künftigen Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB) stellen darf. Bislang war die prestigeträchtige Funktion stets in deutscher Hand. Bei der Gründung der EZB hatte der Ökonomieprofessor Otmar Issing den Posten besetzt, auf ihn folgte der einstige Finanzstaatssekretär Jürgen Stark. Als dieser im September seinen Rücktritt ankündigte, war man in Berlin wie selbstverständlich davon ausgegangen, dass Jörg Asmussen, der deutsche Kandidat für die Nachfolge im EZB-Direktorium, automatisch auch den Posten des Chefvolkswirtes bekommt.

Doch wie sich jetzt zeigt, haben die Deutschen dabei die Rechnung ohne die Franzosen gemacht, die ebenfalls nach dem prestigeträchtigen Amt gieren und sich geschickt in Stellung gebracht haben: Da seit dem Abschied des ehemaligen EZB-Chefs Jean-Claude Trichet kein französischer Vertreter mehr im Direktorium sitzt, darf Paris einen Nachfolger für den Anfang Januar ausscheidenden Italiener Lorenzo Bini Smaghi entsenden. Der hatte sich zwar bislang um die internationalen und europäischen Beziehungen der Notenbank gekümmert, doch das hielt die französische Regierung nicht davon ab, mit Benoît Coeuré einen anerkannten Ökonomen für die Nachfolge zu nominieren. Die Absicht dahinter ist klar: Der hochqualifizierte Chefvolkswirt des französischen Finanzministeriums soll Asmussen den Posten bei der EZB streitig machen.

Das raffinierte französische Manöver bringt die Bundesregierung in eine Zwickmühle: Zwar will sie Asmussen unbedingt als Chefvolkswirt durchsetzen, andererseits scheut sie die öffentliche Konfrontation mit Frankreich. Zudem haben die Politiker offiziell gar nicht darüber zu entscheiden, wer welchen Posten im EZB-Direktorium bekommt. Denn das sechsköpfige Gremium entscheidet über seine Geschäftsverteilung selbst, und formal ist der Bereich „Volkswirtschaft“ ein Geschäftsbereich unter vielen. „Die Entscheidung über die Zuständigkeiten ist Sache des Direktoriums und wird intern gefällt“, sagte ein EZB-Sprecher Handelsblatt Online.

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Kommentare zu " Gerangel um EZB-Posten: Deutscher Hase, französischer Igel"

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  • @hade
    .....was sind wir doch für Idioten..... -
    Richtig! Wir bezahlen doch nur für unsere eigene Dummheit.
    Und wenn wir nichts begreifen, dann zahlen wir bis in alle Ewigkeit- oder bis zum erlösenden Untergang.
    Dann können wir nur noch beten: Herr ,erlöse uns von dem Übel EU , denn unser ist das Land und die Unabhängigkeit in Ewigkeit, amen!

  • Wie kann man sich nur um so einen Posten streiten.
    Ein Zeichen, allen geht es um immer mehr Ansehen, Macht, Einfluss. Dabei sind sie doch- die Favoriten - ohnenhin schon alle auf wichtigen, hochdotierten Posten, verdienen prächtig-Tausende -5 stellige Euros, was wollen sie denn noch mehr. Alles Machtsüchtige, unterscheiden sich nicht von anderen Süchtigen.
    Das Geltungsbedüfnis muß enorm groß sein, fast schon krankhaft.

  • Klar ist, dass die ungebremsten Staatsverschuldungen unter Bruch der Verträge von Lissabon und Maastrich ursächlich für die EURO-Krise sind. Nur, was nützt die Erkenntnis jetzt beim Sanieren, wenn allein Vertreter der herausragenden Schuldnerstaaten die Schlüsselstellungen besetzen, wie bei der EZB? Es wird allerhöchste Zeit, dass Deutschland alle Zahlungen einstellt, wenn nicht die Zahlenden, sondern die Nehmenden das Sagen haben werden. Deutschland ist in allen Europa-Gremien von seiner Bedeutung her unterrepräsentiert. Das Beispiel Malta passt sehr gut, auch Luxemburg, kleiner als der Landkreis Düsseldorf-Mettmann! Aber mit Assmusen schickt Deutschland keinen Stabilitätsgaranten in die EZB. Er hat die Lockerung der Finanzregelungen für Banken forciert, als AR-Mitglied die IKB nicht vor dem Ruin bewahrt, 8,5 Mrd. € Bundeshilfe besorgt, 15 Monate später die IKB für schlanke 250 Mio € verkaufen helfen. Wenn das nichts ist! Die besten Leute verlassen freiwillig Berlin. Ein guter Kommentar-Vorschlag weiter oben: SPD-Assmusen zur EZB, danach tritt Deutschland aus der EURO-Zone aus. Muss dann sowieso nicht mehr zahlen.

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