Gerd Billen
„Es darf keine weitere Zersplitterung der Finanzaufsicht geben“

Beim G20-Gipfel setzt sich der Weltverbraucherverband "Consumer International" für eine stärkere Aufsicht von Finanzprodukten ein. Im Handelsblatt-Interview spricht der Chef der deutschen Verbraucherzentrale, Gerd Billen, über eine globale Finanzaufsicht - und die Notwendigkeit von Produktinformationen für Verbraucher.
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Handelsblatt: Herr Billen, die G20-Staaten streiten heftig über die Geldpolitik. Haben Sie Hoffnung, dass der von Ihnen geforderte Verbraucherschutz bei Finanzprodukten überhaupt noch eine Rolle spielen wird?

Gerd Billen: Wir setzen uns dafür ein, eine Expertengruppe direkt bei der G20-Gruppe anzusiedeln. Sie soll sich anschauen, wo die globalen Probleme sind und welche Regulierung nötig ist. Es geht um eine Bestandsaufnahme, wie die Verbraucher in den unterschiedlichen Märkten informiert werden und wo welche Regeln gelten. Es kann nicht sein, dass Produkte in einem Markt verboten werden und dann in einem anderen Markt auftauchen und die Verbraucher dort diese hochriskanten Produkte kaufen müssen. Wir müssen verhindern, dass Anbieter die Märkte und Konsumenten aufsuchen, die am verwundbarsten sind.

Ein hehres Ziel, das sie da weltweit installieren wollen.

Die Bundeskanzlerin hat mir zugesagt, diese Initiative politisch beim Gipfel zu unterstützen. Wir hoffen, dass das Thema auf die Tagesordnung kommt und dann unter dem Vorsitz Frankreichs im kommenden Jahr umgesetzt wird.

In Deutschland steht eine Reform der Finanzaufsicht noch aus.

Es wird in der Tat langsam peinlich, wenn die USA, wenn die EU und andere den Verbraucherschutz bei Finanzprodukten institutionalisieren, während hierzulande nichts passiert. Es ist wie mit einer Schallplatte, die immer an derselben Stellen hängen bleibt: Die Koalition kann sich nicht darüber einigen, wie die Finanzaufsicht künftig gestaltet wird und welche Rolle die Bundesbank dabei spielt. Ich bin da leidenschaftslos. Hauptsache ist, dass es jemand tut.

Wie sollte die Aufsicht aussehen?

Wir brauchen Verbraucherinformationen über die Produkte. Produkte, deren Risiko nicht überschaubar ist, sollten Berater nicht mehr empfehlen dürfen. Deswegen benötigen wir eine Kontrolle der Beratungsgespräche. Es ist gut, dass im Anlegerschutzgesetz vorgesehen ist, dass Berater eine anständige Ausbildung brauchen. Es reicht aber nicht aus, einmal im Jahr ein Testat vorzulegen. Die BaFin braucht einen gesetzlichen Auftrag, die Aufsicht im Sinne der Verbraucher auszuweiten. Das Personal fänden wir problemlos bei der Bundesbank, die mehr als üppig ausgestattet ist. Es darf keine weitere Zersplitterung der Finanzaufsicht geben. Wir brauchen eine Zentralisierung.

Haben Sie noch Hoffnung, dass bald etwas passiert?

Die Bundeskanzlerin hat mir zugesagt, dass die Reform der Bankenaufsicht im ersten Halbjahr 2011 kommen soll.

Dr. Daniel Delhaes
Daniel Delhaes
Handelsblatt / Korrespondent

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