"Gerechter und fairer Prozess"
Haftrichter erwartet Saddam Hussein am Donnerstag

Zwei Tage nach der Machtübergabe an die irakische Übergangsregierung in Bagdad soll Ex-Präsident Saddam Hussein am Mittwoch der irakischen Justiz überstellt werden.

HB BAGDAD. Am Donnerstag würden dann Saddam und bis zu elf weitere führende Vertreter der einst regierenden Baath-Partei von einem irakischen Richter angeklagt, sagte Ministerpräsident Ijad Allawi am Dienstag. Mit einem Prozess sei jedoch erst in einigen Monaten zu rechnen. Für Sadams Bewachung blieben zunächst weiter US-Soldaten zuständig, sagte Allawi.

Die Mitglieder des ehemaligen Regimes sollen vor dem im Januar geschaffenen Sondergericht wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Völkermordes und Kriegsverbrechen zur Rechenschaft gezogen werden. Ein Jurist des Sondergerichts sagte, Saddam werde unter anderem angeklagt wegen des Einsatzes von Giftgas gegen die kurdische Bevölkerung in der Stadt Halabdscha im Jahr 1988, wegen des Krieges gegen den Iran 1980 bis 1988 und wegen der Invasion in Kuwait 1990.

Der französische Anwalt Emmanuel Ludot, einer der 20 von Saddams Frau engagierten Juristen, sagte, Saddam werde kein Gericht und keinen Richter akzeptieren. „Das wird ein Rache-Gericht, eine Begleichung alter Rechnungen“, sagte der Anwalt in einem Gespräch mit dem Radiosender France Info. Jeder Richter dieses Gerichts werde unter dem Druck stehen, Saddam schuldig zu sprechen.

Saddam und die übrigen elf sollen so lange von US-Soldaten bewacht werden, bis die irakischen Sicherheitskräfte in der Lage sind, ihn sicher zu verwahren. „Wir wollen sicher gehen, dass Saddam lebt, wenn er vor Gericht gestellt werden soll. Wir wollen, dass er bei seiner Verhandlung anwesend ist“, sagte ein Sprecher der ehemaligen US-Zivilverwaltung. Am Montag hatte die Übergangsregierung Allawis zwei Tage früher als geplant formell die Macht von der US-geführten Besatzungskoalition übernommen.

Saddam war von den US-Truppen als Kriegsgefangener inhaftiert worden, nachdem diese ihn im Dezember nahe seiner Heimatstadt Tikrit in einem Erdloch versteckt gefunden hatten. Die Iraker werfen ihm vor, während des 35-jährigen Regimes seiner Baath-Partei Folter und Ermordung von tausenden ihrer Landsleute befohlen zu haben.

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