Gericht ahndet Bombenanschläge mit 202 Toten
Der "Lächelnde Bomber" wurde zum Tode verurteilt

Zehn Monate nach den Bombenanschlägen auf der indonesischen Ferieninsel Bali mit 202 Toten ist am Montag einer der auptverdächtigen zum Tode verurteilt worden. Der als „Lächelnder Bomber“ bekannt gewordene radikale Moslem Amrozi drehte sich nach der Urteilsverkündung zu den im Gerichtssaal sitzenden Überlebenden und Angehörigen der Opfer Anschläge um und streckte grinsend beide Daumen in die Höhe.

Reuters BALI. Diese fielen sich in die Arme und brachen in Tränen aus. Einige Angehörige kündigten jedoch genau wie Amrozis Anwalt an, das Urteil anfechten zu wollen. Sie argumentierten, Amrozi könne sonst zum Märtyrer für alle radikalen Moslems werden. Das Urteil erging nur zwei Tage nachdem ein Selbstmordattentäter eine Autobombe vor einem Luxus-Hotel in der Hauptstadt Jakarta zündete und mindestens zehn Menschen tötete.

„Das Gericht hat den Angeklagten Amrozi für schuldig befunden, eine terroristische Straftat verübt zu haben“, begründete der Oberste Richter I Made Karna das Todesurteil. Er habe die Anschläge geplant, organisiert und letztlich auch bei der Tat mitgeholfen. Karna sprach von „Taten jenseits der Grenzen der Humanität“. Fast die Hälfte der Opfer der Bombenexplosionen in einer Diskothek auf Bali waren australische Touristen. Auch mehrere Deutsche wurden getötet.

Als das Urteil verkündet wurde, rief der 40-jährige Mechaniker Amrozi zwei Mal laut: „Allahu Akbar“ (Gott ist der Größte). Als er von der Polizei später aus dem Gerichtsgebäude geführt wurde, hob er triumphierend die Fäuste. Amrozis Minivan war nach Einschätzung des Gerichts für die Anschläge genutzt worden. Er galt auch als Sprengstoff-Beschaffer und war in den Medien Indonesiens als der „Lächelnde Bomber“ bezeichnet worden, da er sich bereits bei der Festnahme mit einem strahlenden Grinsen gezeigt hatte. Auch während des Prozesses hatte er durch sein Auftreten und seine Aussagen von sich Reden gemacht. „In meinem Herzen fühle ich etwas Stolz. Den Weißen geschah es Recht“, hatte er am 12. Juni zu den Anschlägen gesagt. Vor der Urteilsverkündung am Donnerstag rief er: „Brennen, brennen sollen die Juden.“

"Ich glaube an Auge für Auge"

Das Urteil traf auf gemischte Reaktionen unter den anwesenden Opfern und Angehörigen. „Der Gerechtigkeit ist genüge getan worden“, sagte Peter Hughes, dessen Narben von den Brandanschlägen in seinem Gesicht noch immer deutlich sichtbar sind. „Es ist gut, dass er tatsächlich die Todesstrafe erhalten hat.“ Dagegen sagte Brian Deegan, der seinen Sohn Josh verloren hatte, das Strafmaß sei ein Fehler. „Ich glaube, es wird ihn zum Märtyrer machen.“ Britische Angehörige von Opfern der Anschläge kündigten an, das Urteil aus diesem Grunde anfechten zu wollen.

„Dies heizt den Fundamentalismus weiter an“, sagte Susanna Miller, deren Bruder zu den Todesopfern zählte. Ein Spieler des australischen Rugby-Clubs Coogee Dolphins, von dem sechs Spieler in Bali getötet wurden, sagte: „Er hat so viele Leben beendet, und ich glaube an (das Prinzip) „Auge für Auge'.“ Der australische Ministerpräsident John Howard sagte in Sydney, er hoffe, dass das Urteil den Angehörigen der Opfer eine Art Trost spende.

Vollstreckung durch Erschießen

Amrozis Anwalt erklärte, sein Mandant habe nichts gegen Australier. „Seine Ziele waren Amerikaner und Juden. Es tut ihm für diejenigen leid, die nicht sein Ziel waren“, fügte er hinzu. In Indonesien werden Todesurteile durch Erschießungskommandos vollstreckt.

Wie andere Bali-Verdächtige war Amrozi von Abu Bakar Bashir beeinflusst worden, dem mutmaßlichen Anführer der radikalen Moslem-Gruppe Jemaah Islamiah (JI). Bashir ist im Zusammenhang mit den Anschlägen nicht angeklagt worden. Dagegen stehen zwei von Amrozis Brüdern auch wegen der Bali-Anschläge vor Gericht.

Die JI hat sich einem Zeitungsbericht zufolge zu dem Anschlag auf das Luxus-Hotel in Jakarta am Dienstag bekannt. Die Gruppe soll Verbindungen zur El Kaida des radikalen Islamisten Osama bin Laden haben, den die USA für die Anschläge am 11. September 2001 verantwortlich machen.

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