Gericht in Nordkorea
US-Bürger zu Zwangsarbeit verurteilt

Der Amerikaner Matthew Miller soll bei seiner Einreise in Nordkorea sein Visum zerrissen haben. Ein Gericht verurteilt ihn jetzt zu Zwangsarbeit. Nordkorea hält noch zwei weitere US-Bürger fest.
  • 0

PjöngjangDie Verurteilung eines weiteren US-Bürgers in Nordkorea sorgt für neuen Der Amerikaner Matthew Miller soll bei seiner Einreise in Nordkorea sein Visum zerrissen haben. Ein Gericht verurteilt ihn jetzt zu Zwangsarbeit. Nordkorea hält zwei weitere US-Bürger fest.

Miller habe sich feindselig gegen die Volksrepublik verhalten, als er im April als Tourist getarnt eingereist sei, berichteten die Staatsmedien. Einen Tag zuvor hatte das kommunistische Regime auf die internationalen Vorwürfe gravierender Menschenrechtsverletzungen mit einem Lobbericht über seine eigene Menschenrechtspolitik reagiert.

Was Miller konkret vorgeworfen wird, wurde nicht mitgeteilt. Er soll bei seiner Einreise als Tourist auf dem Flughafen sein Visum zerrissen und dabei laut ausgerufen haben, dass er Asyl beantragen wolle. Nordkorea hält zwei weitere Amerikaner fest. Dem Regime wird vorgeworfen, schon oftmals inhaftierte US-Bürger als Druckmittel benutzt zu haben.

Anfang September hatten Miller und seine ebenfalls in Nordkorea gefangenen Landsleute Kenneth Bae und Jeffrey Fowle bei Interviews, die das Regime US-Medien gewährt hatte, ihre Regierung um Hilfe gebeten. Es wird erwartet, dass dem als Tourist eingereisten Fowle (56) wegen angeblich feindseliger Handlungen demnächst ebenfalls der Prozess gemacht wird. Fowle hatte nach japanischen Medienberichten im Mai eine Bibel in seinem Hotelzimmer zurückgelassen.

Den 45 Jahre alten Missionar Kenneth Bae hatte im vergangenen Jahr ein Gericht wegen angeblicher Umsturzversuche zu 15 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Er arbeite sechs Tage die Woche acht Stunden in einem Arbeitslager, sagte Bae in dem Interview.

In dem vom nordkoreanischen Verband für Menschenrechtsstudien veröffentlichten Bericht über die Politik Pjöngjangs werden den USA und anderen „feindseligen Kräften“ vorgeworfen, Lügen zur Menschenrechtslage in Nordkorea zu verbreiten und sich in die inneren Angelegenheiten einzumischen. Nordkorea „hält daran fest, dass Menschenrechte staatliche Souveränität sind“, heißt es darin.

In dem Bericht wird durchweg ein positives Bild der Lage im Land gezeichnet, in dem „die Volksmassen echte Menschenrechte genießen“. Ein Ziel der Veröffentlichung sei auch, mit den „Vorurteilen und Missverständnissen“ hinsichtlich der Lage in Nordkorea aufzuräumen.

Die Veröffentlichung erfolgte gut sechs Monate nach der Vorstellung des Berichts einer UN-Kommission zur Untersuchung der Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Nordkorea. Darin hieß es, Nordkorea sei ein totalitärer Staat, in dem als politisch unzuverlässig eingestufte Menschen systematisch ermordet oder als Arbeitssklaven missbraucht würden.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Gericht in Nordkorea: US-Bürger zu Zwangsarbeit verurteilt"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%