Gericht: Verschwörung nicht angeführt
Islamistenführer in Indonesien zu Haftstrafe verurteilt

Der mutmaßliche Anführer der radikal-islamischen Gruppe Jemaah Islamiyah, Abu Bakar Ba'asyir, ist wegen Beteiligung am Hochverrat in Indonesien zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Der 65 Jahre alte Prediger sei zwar an Umsturzplänen gegen die Regierung beteiligt gewesen, habe die Verschwörung aber nicht angeführt, sagte der Vorsitzende Richter Mohammad Saleh am Dienstag.

Reuters JAKARTA. Die Richter in Jakarta sahen es aber nicht als erwiesen an, dass der 65-Jährige an führender Position beim Versuch eines Regierungssturzes beteiligt und ein Anführer der radikal-islamischen Gruppe Jemaah Islamiah war. Die Organisation, die Verbindungen zur El Kaida des Moslem-Extremisten Osama bin Laden haben soll, wird für die Anschläge auf der Ferieninsel Bali 2002 verantwortlich gemacht. Südostasien-Experten sprachen von einem zu milden Urteil, das insbesondere in den USA auf Unverständnis stoßen werde. Die Staatsanwaltschaft hatte 15 Jahre gefordert. Bashir hat stets alle Anschuldigungen zurückgewiesen und kündigte Berufung an.

„Obwohl der Landesverrat bewiesen wurde, gab es nicht genug Beweise dafür, dass Abu Bakar Bashir ein Anführer bei dem Versuch war, die rechtmäßige Regierung zu stürzen“, sagte der Vorsitzende Richter Muhammad Saleh bei der Begründung des Urteils. „Das Gericht ist zudem der Ansicht, dass nicht nachgewiesen werden konnte, dass Bashir Anführer der Jemaah Islamiah ist.“ Allerdings habe der Angeklagte von Taten der Gruppe gewusst und etwa die militärische Ausbildung einiger Mitglieder auf den südlichen Philippinen und in Afghanistan ausdrücklich gebilligt.

Die radikale Jemaah Islamiah wird unter anderem für die Bombenanschläge auf Bali verantwortlich gemacht, bei denen im vergangenen Oktober mehr als 200 überwiegend ausländische Touristen getötet worden waren. Wegen der Bali-Anschläge stand Bashir jedoch nicht vor Gericht. Die Hauptverdächtigen im Bali-Verfahren hatten aber erklärt, Schüler Bashirs zu sein.

Bashir, der mit weißer Mütze, einem schwarzen Jackett und einem Sarong vor Gericht erschien, kündigte umgehend Berufung an und forderte seine Anhänger auf, Ruhe zu bewahren. „Ich bitte Euch, ruhig zu bleiben, und achtet auf Provokateure aus Amerika“, sagte er nach der Urteilsverkündung. Seine Anhänger riefen: „Gott ist der Größte.“ Sein Verteidiger äußerte sich überzeugt, dass im Berufungsverfahren deutlich werde, dass Bashir „wirklich nicht schuldig ist“. Bashir hatte vor der Urteilsverkündung an seine im Gerichtssaal erschienen Anhänger gewandt erklärt: „Glaubt mir, wir werden gewinnen, solange wir Gottes Gesetz aufrechterhalten.“ Der Prozess gegen ihn sei von „Feinden des Islam“ angezettelt worden.

Bashir nannte bin Laden den waren Krieger des Islam

Bin Laden einmal als den wahren Krieger des Islam bezeichnet hatte, eine führende Rolle in der Jemaah Islamiah. Der Anklage zufolge hat er zwischen 1993 und 2001 versucht, mit seiner Organisation die indonesische Regierung zu stürzen. Doch Bashir hat diese Anschuldigungen immer zurückgewiesen und erklärt, eine Gruppe namens Jemaah Islamiah gebe es gar nicht. Während des Prozesses blätterte er häufig gedankenversunken im Koran und zeigte damit demonstrativ sein Desinteresse an dem Verfahren. In einem Gespräch mit Reuters hat er sich einmal als einen einfachen islamischen Lehrer bezeichnet.

Bei einigen politischen Analysten stieß das Urteil auf Kritik. Sicherheitsexperte Ken Conboy nannte es ziemlich milde. Da Bashir voraussichtlich wegen guter Führung vorzeitig entlassen werde, sei das Urteil eher ein „symbolischer Klaps auf die Finger“ als eine echte Ohrfeige. Der Prozess gelte als Lackmus-Test für die Bereitschaft Indonesiens gegen mutmaßliche Moslem-Extremisten vorzugehen. Terrorismus-Experte Zachary Abuza vom Simmons College in den USA kündigte an: „Die Amerikaner werden ziemlich verärgert reagieren.“ Die US-Regierung werde sich nun wohl eine Auslieferung des mutmaßlichen Drahtziehers der Bali-Anschläge und des Bombenanschlags auf ein Hotel in Jakarta, Hambali, an Indonesien genau überlegen. Hambali war Mitte August in Thailand gefasst worden und befindet sich derzeit in US-Gewahrsam.

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