German Gref
Russischer Ex-Minister leitet jetzt eine Bank

Der Ende September im Zuge der Übertragung der Regierungsgeschäfte auf Wiktor Subkow überraschend aus dem Amt des Wirtschaftsministers geschiedene German Gref bleibt nicht lange arbeitslos: Regierungskreise in Moskau bestätigten Berichte, dass Gref an die Spitze der von der Zentralbank kontrollierten Sberbank rückt.

mbr MOSKAU. Der Russlanddeutsche Gref wäre damit Herr über das an der Börse mit 90,4 Mrd. Dollar bewerteten größten Geldhauses Mittel- und Osteuropas. Er würde den ebenfalls mit großer Affinität zu Deutschland ausgestatteten Andrej Kasmin ablösen.

Internationale Investoren begrüßten eine Berufung Grefs. Sie sehen ihn willkommenen Garanten von Stabilität – gerade in einer Situation, in der die Liquiditätskrise auf den Finanzmärkten auch heftig auf die osteuropäischen Märkte bis Russland und Kasachstan durchschlagen könnte. „Die Ernennung eines gut gebildeten, energischen, charismatischen und Wirtschaftsliberalen wird von Investoren begrüßt“, schreibt die Ratingagentur Standard & Poor’s.

Allerdings äußerten Konkurrenten auch Kritik: „Die Entscheidung ist überraschend, denn Gref ist kein Banker“, sagte Oleg Wjugin von der MDM-Bank. Allerdings war Gref bisher als Wirtschaftsminister schon Aufsichtsratsmitglied der Sberbank.

Grefs, der als liberaler Reformmotor des Regierung galt, war Ende September nach gut sieben Jahren aus dem Kabinett ausgeschieden war. Zur Begründung hieß es, er wolle in die Wirtschaft wechseln. Allerdings wurde Grefs Ministerium nach seinem Abgang vollkommen verstümmelt: Statt wirtschaftspolitische Weichenstellungen vorzubereiten, darf die Behörde nun fast nur noch Strategiepapiere produzieren. Gref war zuvor mehrfach mit scharfer Kritik am anhaltenden Verstaatlichungskurs in Russland aufgefallen.

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