Gerüchte
Chinas neuer starker Mann verschwunden

Erst vertröstet er US-Außenministerin Clinton, dann versetzt er die Regierungschefs von Singapur und Dänemark: Chinas Präsidentschaftsanwärter Xi Jinping. Das Volk ist beunruhigt - wilde Gerüchte machen die Runde.
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Wo ist der Mann, der China ab kommendem März führen soll? Vergangene Woche hat Vizepräsident Xi Jinping einen Termin mit US-Außenministerin Hillary Clinton abgesagt, diese Woche hat er die Regierungschefs von Singapur und Dänemark versetzt. Die chinesische Netzgemeinde wartet in so einem Fall nicht lange und produziert Gerüchte. Von einem Autounfall ist die Rede und von einem Mordanschlag politischer Gegner. Gestern Abend machte dann die Version die Runde, Xi sei an Krebs erkrankt.

Die politischen Gepflogenheiten Chinas laden zu Spekulationen und Gerüchten ein - denn der Gesundheitszustand der dortigen Führungskaste ist Staatsgeheimnis. Statt einfach eine Pressemitteilung zum Zustand wichtiger Politiker herauszugeben, lässt die Kommunistische Partei die Öffentlichkeit rätseln. Das war schon in den 70er-Jahren so, als außerhalb der Mauern des Elite-Wohnviertels der Regierung keiner so genau wusste, wie es Machthaber Mao Zedong eigentlich ging.

Die Gerüchteküche liegt mit ihren Vermutungen oft daneben. Im Juli vergangenen Jahres hieß es eine ganze Weile, der immer noch mächtige Ex-Präsident Jiang Zemin sei verstorben. Erst als Jiang vor die Kameras ging, verstummten die Gerüchte. Ein Jahr zuvor lief die Mär um, Notenbankpräsident Zhou Xiaochuan habe sich ins Ausland abgesetzt, weil hohe Verluste auf US-Staatsanleihen angefallen seien. Auch Zhou beeilte sich daraufhin, durch einen öffentlichen Auftritt klarzumachen, dass er treu zu seinem Amt steht.

Die Gerüchte über Xi haben am Wochenende angefangen - doch ein klärendes Wort ist am Montag ausgeblieben. Dadurch erhielt die Vermutung Nahrung, er könne sich zur Behandlung einer Krankheit im Militärhospital 301 befinden, einem exklusiven Krankenhaus für die Topführung. Die Öffentlichkeit wartet nun gespannt darauf, ob Xi sich am heutigen Dienstag zeigt. Wenn nicht, könnte beim Ausbleiben einer weiteren Erklärung erhebliche Unruhe entstehen.

China kennt bekanntlich keine demokratischen Wahlen. Die allein regierende KP einigt sich gegen Ende der Amtszeit eines Präsidenten auf verschlungenen Prozessen auf einen Nachfolger. Xi ist dieser Mann. Er soll im Herbst erst zum Chef der KP bestimmt werden und dann turnusgemäß im kommenden März als Staatsvorsitzender die Macht übernehmen. Auch wenn er wie seine Vorgänger vor allem auf den Machterhalt der Partei hinarbeiten will: Xi gilt als reformorientiert, weltoffen, pragmatisch, wirtschaftsnah und tüchtig.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking

Kommentare zu " Gerüchte: Chinas neuer starker Mann verschwunden"

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  • Gilt als wirtschaftsnah, pragmatisch und reformorientiert? Bei wem? Bei dem Autor oder in China? Wirtschaftsnah auf jeden Fall, schliesslich hat er 300 Mio Euro im Ausland. Reformorientiert, ja er reformiert zur Zeit Bo Xilai seinen alten Schulfreund und verfolgt ihn nicht? Pragmatisch? Klar, schliesslich hat er bereits vor Jahren gelernt seinen Kopf zu retten als Lai Changxing verfolgt worden ist. Er hatte schliesslich Angst, dass Lai Changxing auspackt, aus diesem Grunde hat man auch versprochen, dass lai Changxing nicht zum Tode veruteilt wird. Wer hat den hier die Fakten nachverfolgt?

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