Geschäfte der deutschen Unternehmen laufen gut: Die Wirtschaft boomt – aber nicht für alle

Geschäfte der deutschen Unternehmen laufen gut
Die Wirtschaft boomt – aber nicht für alle

Die „Flower of the East“ (Blume des Ostens) soll auf Kish erblühen – in der Freihandelszone auf der kleinen iranischen Insel im Persischen Golf. Hinter dem blumigen Namen steckt das größte Tourismusprojekt, das in Iran seit der Revolution angeschoben wurde. Rund 1,7 Mrd. Euro will die deutsch-europäische Investorengruppe bis 2007 in Sieben-Sterne-Bungalows und Hotelanlagen verbauen.

DÜSSELDORF. Als Vorbild dienen die berühmten Resorts in Dubai wie das Hotel Burj-al-Arab – das teuerste der Welt – oder die künstliche Insel „Palm Tree“, wo Superreiche in Gold, Luxus und türkisfarbenem Wasser schwelgen können.

Für den Bau der 238 Hektar Land umfassenden Anlage auf Kish zeichnet eine deutsche Firma verantwortlich: die Stuttgarter Projektentwicklung Drees & Sommer. Die Idee stammt von der deutsch-iranischen Unternehmerfamilie Alanbeighi, die maßgeblich die Geschäfte der in Duisburg und Zürich ansässigen Hansa-Gruppe leitet und einer der Hauptgeldgeber für das Tourismusprojekt ist. In Iran ist die Gruppe bereits mit einer dreistelligen Millioneninvestition im Petrochemiegeschäft vertreten. „Wir versuchen vor allem, deutsche Unternehmen zu beteiligen“, sagt Jochen Fischer, Sprecher der Projektgesellschaft „Flower of the East“.

Das Geschäft mit dem Mullah- Staat läuft aus deutscher Sicht immer besser, die Ausfuhren stiegen seit 1995 um knapp 24 %. „Der Iran ist vor allem finanziell sehr liquide“, weiß Jochen Münker, Nah- und Mittelostexperte beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Das Land verfügt heute über Devisenreserven von 15,3 Mrd. $ und hat die Auslandsverschuldung drastisch gesenkt.

Deutschland ist das Lieferland Nummer eins für Iran – vor allem Maschinen, Elektrotechnik und Kraftfahrzeuge. Nach neuen Gesetzen, die Auslandsinvestitionen erleichtern, sowie einer Steuerreform haben einige deutsche Unternehmen beschlossen, sich in Firmen einzukaufen. So wie Henkel: Der Düsseldorfer Konzern ist bei einem der größten Waschmittelhersteller des Landes eingestiegen.

Wirtschaftlich hat sich in Iran in den vergangenen Jahren einiges verändert. Für das laufende und das nächste Haushaltsjahr rechnet eine aktuelle Studie der Allianz-Group mit einem Wirtschaftswachstum von bis zu 7 %. Die Regierung fördert den Nicht-Öl-Sektor, und dessen Anteil am Export wächst von Jahr zu Jahr. Doch die Anstrengungen für die Liberalisierung der Wirtschaft können viele Probleme nicht überdecken: Nur eine kleine Oberschicht erntet die Früchte, das Wirtschaftswachstum hat den Durchschnittsiraner noch nicht erreicht. Der muss sich vor allem in den großen Städten meist mit mehreren Jobs durchschlagen. Außerdem sind die liberalen Inseln in der Wirtschaft noch recht klein: Die persische Ökonomie steht unter der Fuchtel von Behörden sowie der mächtigen religiösen Stiftungen.

Wie in den klassischen spätkommunistischen Systemen belasten überdimensionierte Staatsbetriebe die Wirtschaft. Neben deren Reform muss die Regierung den privaten Bankensektor weiter ausbauen, die Inflation von derzeit 15 % in den Griff bekommen und die Arbeitslosigkeit bekämpfen. Die Gefahr, dass unter einem konservativen Parlament die Wirtschaftsreformen auf der Strecke bleiben könnten, sehen Beobachter in Teheran aber nicht.

Obwohl einige Hardliner sich vehement gegen die Anwesenheit ausländischer Investoren wenden, rechnen Teheraner Industriekreise eher mit dem Gegenteil: „Wenn die Konservativen das Volk ruhig halten wollen, müssen sie schnell zeigen, dass sie die wirtschaftlichen Probleme lösen können“, sagt ein Beobachter. Damit in Zukunft möglichst viele Iraner in den Genuss der „Blume des Ostens“ kommen können.

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