Geschäfte mit Irak
Bagdad wirbt um Unternehmen

Am Mittwoch wird Iraks Präsident Nuri el Maliki dem bedeutendsten Handelspartner seines Landes einen Besuch abstatten und US-Präsident Obama im Weißen Haus treffen. Trotz angespannter Sicherheitslage wächst das Interesse an Geschäften mit Irak. Auch die deutsch-irakischen Beziehungen bieten Chancen – doch es gibt Sand im Getriebe.

DUBAI. Wenn Iraks Ministerpräsident Nuri el Maliki am Mittwoch das Weiße Haus betritt, hat er Grund zu lächeln. Der erste wichtige Sicherheitstest nach dem Abzug der US-Truppen aus den großen Städten Iraks Ende Juni verlief weitgehend reibungslos. Am Wochenende versammelten sich Millionen Menschen am Imam-Mussa-Al-Kadhim-Schrein im Norden Bagdads, der in den vergangenen Jahren immer wieder von blutigen Anschlägen erschüttert wurde. Dieses Mal gab es keine gravierenden Zwischenfälle. Doch wie stabil ist die Ruhe?

US-Präsident Barack Obama wird seinen Gast fragen, wie die irakischen Sicherheitskräfte die Situation bis zu den nationalen Wahlen im Januar 2010 in den Griff bekommen wollen. Aber auch der Irak stellt Forderungen: „Wir brauchen mehr amerikanische Waffensysteme und Hubschrauber“, sagt ein Vertrauter Malikis dem Handelsblatt.

Neue Mega-Aufträge für Unternehmen dürften in Washington allerdings kaum verkündet werden. Die jüngste Ausschreibung zur Entwicklung von irakischen Ölfeldern erwies sich als Flop. Zudem ist die Sicherheitslage nach wie vor angespannt. Derzeit gibt es im Irak durchschnittlich 120 bis 130 Anschläge pro Woche, etwa 80 bis 120 Menschen sterben dabei. Das ist zwar ein Rückgang von rund 80 Prozent gegenüber der Lage vor zwei Jahren. „Aber die Restgewalt bleibt hoch“, betont ein Beobachter in Bagdad.

Für den Irak ist Amerika der bedeutendste Handelspartner vor der Türkei und China. 2008 betrug das Gesamtvolumen 17 Milliarden Euro, wobei der Löwenanteil auf Ölexporte in die USA fiel. Der Mischkonzern General Electric ergatterte im vergangenen Jahr einen 3,6 Milliarden Euro schweren Auftrag zur Lieferung von Kraftwerksgeneratoren. Für Siemens fiel eine Order von 1,5 Milliarden Euro ab.

Trotz der Sicherheitsrisiken ist das internationale Interesse am Irak-Geschäft hoch, auch in Deutschland. „Wir registrieren seit einem Jahr eine verstärkte Nachfrage“, betont Felix Neugart, Referatsleiter Nahost beim DIHK in Berlin. Die Kammer koordiniert in Bagdad seit Januar ein Verbindungsbüro, das deutschen Unternehmen bei der Suche nach lokalen Partnern unter die Arme greifen soll. Und immerhin zeigt sich ein erster Silberstreif über dem Export-Himmel. So stiegen die deutschen Ausfuhren in den Irak von Januar bis April auf 150 Millionen Euro – ein Plus von 40 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Wirtschaftsfachleute hoffen nun, dass 2009 die Marke von 500 Millionen Euro geknackt wird. Im Rekordjahr 1982 belief sich das Exportvolumen auf knapp vier Milliarden Euro.

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