Gescheiterter Attentatsversuch
USA erhöhen die Flugsicherheit

Der vereitelte Anschlag eines angeblichen El-Kaida-Sympathisanten auf einen Transatlantikflug stellt die bisherigen geheimdienstlichen Antiterrormaßnahmen infrage. Das Ereignis dürfte zu Diskussionen über den Einsatz neuer Sicherheitstechniken an Flughäfen führen. Ein interessantes Detail: Der Attentäter war den US-Behörden bekannt.
  • 0

NEW YORK. Die fehlgeschlagene Terrorattacke eines Nigerianers auf ein US-Flugzeug am ersten Weihnachtstag hat Zweifel an den Sicherheitsmaßnahmen auf Flughäfen und den Vorfeldermittlungen der amerikanischen Behörden geweckt. „Die Regierung kannte ihn und hatte eine Akte über ihn“, sagte der zur Opposition gehörende Abgeordnete Peter King nach einer Sondersitzung des Sicherheitsausschusses des US-Parlaments. Die Frage sei, warum er nicht auf einer Flugverbotsliste gestanden habe. Erwartet wird nun nicht nur eine politische Debatte über die seit den Anschlägen vom 11. September 2001 bereits verstärkten geheimdienstlichen Antiterrormaßnahmen, sondern auch über den Einsatz neuer Sicherheitstechniken an Flughäfen.

Der 23-jährige Nigerianer Umar Farouk Abdulmutallab hatte am Freitag kurz vor der Landung einer aus Amsterdam kommenden Maschine in Detroit versucht, einen Sprengsatz zu zünden. Augenzeugenberichten zufolge setzte er sich und die Umgebung im Gang des Flugzeugs dabei in Brand, wurde aber von Passagieren überwältigt. Die Besatzung löschte das Feuer, die Maschine landete sicher. Der Attentäter erklärte später, er habe den Sprengsatz im Jemen von Vertretern der Terrororganisation El Kaida erhalten. Er wurde gestern wegen eines versuchten Anschlags auf ein Flugzeug angeklagt.

Ad-hoc-Maßnahmen führen zu Verspätungen im Luftverkehr

Die US-Behörden ordneten unmittelbar nach dem Ereignis schärfere Sicherheitsbestimmungen für Transatlantikflüge an, die in einigen Fällen zu massiven Verspätungen im Luftverkehr führten. Die Lufthansa-Verbindungen in die USA funktionierten nach Aussagen eines Sprechers am Wochenende aber normal. Man habe auf die neuen Anforderungen der US-Behörden mit erhöhtem Personaleinsatz reagiert, sagte er. Es sei allerdings empfehlenswert, nun drei statt bislang zwei Stunden vor Abflug anzureisen. Zudem solle man so wenig Handgepäck wie möglich mitnehmen. Aus Sicherheitsgründen wollte er nur einen Teil der neuen Bestimmungen nennen. So müssen Passagiere in der letzten Stunde des Fluges auf ihren Sitzen bleiben und dürfen nur in Begleitung auf Toilette gehen. Medienberichten zufolge haben einige Fluglinien die Informationssysteme abgeschaltet, die über die Position der Maschine auf der Strecke Auskunft geben.

Der Attentäter hatte sich vor der Landung am Freitag 20 Minuten lang auf der Toilette eingesperrt und dabei vermutlich den Anschlag vorbereitet. Unklar ist bislang, wie er die offenbar flüssigen Explosivstoffe an Bord bringen konnte. Im Handgepäck sind seit langem lediglich 100 Milliliter Flüssigkeit erlaubt. Sollte er sie am Körper getragen haben, wären sie durch bislang übliche Metalldetektoren nicht auffindbar gewesen. Eine Sprecherin des Amsterdamer Flughafens Schiphol, von dem die Maschine gestartet war, sprach sich für den Einsatz der bislang umstrittenen Ganzkörperscanner aus. Diese erlauben dem Sicherheitspersonal, durch die Kleidung der Fluggäste zu schauen. Kritiker sehen damit die Intimspähre der Passagiere verletzt.

Vater warnte Behörden vor dem Attentäter

Der Vater des Attentäters, ein prominenter und wohlhabender Banker in Nigeria, hatte die US-Behörden vor seinem Sohn gewarnt. Nach Auslandsreisen habe er eine „Radikalisierung“ bei ihm beobachtet. Möglicherweise sei sein Sohn auch im Jemen gewesen, sagte er. Der heute 23-Jährige hatte nach bisherigen Erkenntnissen von 2005 bis Mitte 2008 in London studiert und in dieser Zeit ein Einreisevisum für die USA erhalten. Offenbar fand die vom Vater beobachtete Radikalisierung erst danach statt.

Abdulmutallab war in den vergangenen Jahren mindestens einmal in die USA gereist. Nach Informationen der Nachrichtenagentur AP führte ihn die US-Antiterrorbehörde NCC auf einer Liste mit Menschen, denen Kontakte zu Terrorgruppen nachgesagt werden. Wer auf dieser Liste steht, darf aber in die USA einreisen. Eine Flugverbotsliste wird gesondert geführt.

Kommentare zu " Gescheiterter Attentatsversuch: USA erhöhen die Flugsicherheit"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%