_

Gesetz gegen die Gier: EU will Manager-Boni begrenzen

Die Europäische Kommission bereitet offenbar eine Initiative zur Begrenzung von Bonuszahlungen an Manager vor. Kommissionspräsident José Manuel Barroso begründete dies mit falschen Anreizen: Erfolgsabhängige Boni würde Manager zu hohen Risiken verleiten. Auch die Finanzmärkte sollen nach dem Willen der EU gebändigt werden. Schützenhilfe erhält Barroso dabei von Kanzlerin Merkel.

EU-Kommissionspräsidenten José Manuel Barroso will Bonus-Zahlungen an Manager begrenzen. Die EU arbeite bereits an einer entsprechenden Initiative, sagte er dem "Hamburger Abendblatt". Quelle: dpa
EU-Kommissionspräsidenten José Manuel Barroso will Bonus-Zahlungen an Manager begrenzen. Die EU arbeite bereits an einer entsprechenden Initiative, sagte er dem "Hamburger Abendblatt". Quelle: dpa

HB HAMBURG/BERLIN. „Exzessive Bonuszahlungen verleiten Finanzmanager dazu, unvertretbare Risiken einzugehen. Die Folgen sehen wir jetzt in der Finanzkrise“, sagte Kommissionspräsident José Manuel Barroso dem „Hamburger Abendblatt“ (Samstagsausgabe). Daher solle ein System geschaffen werden, das „die Gier nach schnellen Gewinnen zügelt und in dem Scheitern nicht belohnt wird“, kündigte er an. Details werde die Kommission „im April oder Mai“ vorstellen.

Anzeige

Vor dem Vorbereitungstreffen zum Weltfinanzgipfel der G20, das am Sonntag im Bundeskanzleramt stattfindet, forderte Barroso zudem „eine bessere globale Finanzmarktaufsicht“ und entschlossenes Vorgehen gegen Protektionismus. Darüber hinaus appellierte er an die Mitgliedstaaten, den Anstieg der Arbeitslosigkeit mit finanziellen Hilfen für Unternehmen zu begrenzen. „Gesunde Firmen, die allein wegen der Wirtschaftskrise in Turbulenzen geraten, sollten Geld vom Staat bekommen, damit sie auf Jobabbau verzichten“, sagte Barroso der Zeitung. „Das Geld könnte in die Weiterbildung jener Mitarbeiter fließen, für die es gegenwärtig weniger oder keine Arbeit gibt.“

Der Präsident hießt das zweite Konjunkturpaket der Bundesregierung gut, mahnte Deutschland allerdings zur Einhaltung des Stabilitäts- und Wachstumspakts. „Deutschland hat einen sehr wertvollen Beitrag zur Bekämpfung der Krise geleistet“, sagte er. „Aber es ist ebenso wichtig, einen Weg aus der Verschuldung zu finden.“ Barroso mahnte: „Wir dürfen keine kurzfristigen Maßnahmen ergreifen, die unvereinbar sind mit nachhaltigem Wirtschaften.“ Mittel- und langfristig müsse Haushaltskonsolidierung entsprechend den Vorgaben des Stabilitätspakts angestrebt werden.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) drängte auf eine lückenlose Regeln für die internationalen Finanzmärkte. Künftig dürfe es weltweit keine „weißen Flecken“ mehr geben, sagte die Kanzlerin einen Tag vor dem Treffen der europäischen G20-Mitglieder in Berlin. Bei der Abstimmungskonferenz für den G20-Gipfel am 2. April in London will Merkel versuchen, die wichtigsten europäischen Länder auf einen gemeinsamen Kurs bei der Schaffung einer globalen Finanzarchitektur einzuschwören.

  • Video

Politik Bundestag stärkt Organspende

Krankenversichterte ab 16 Jahren werden in Zukunft häufiger gefragt, ob sie Organspender werden wollen. Dieses Gesetz hat der Bundestag mit großer Mehrheit verabschiedet - und noch einige weitere Entscheidungen gefällt.

  • Die aktuellen Top-Themen
Die Linke: Ulrich Maurer greift Parteispitze an

Ulrich Maurer greift Parteispitze an

In der Linken mehrt sich der Protest gegen die Parteispitze und den Zustand der Partei. Fraktionsvize Ulrich Mauer fordert eine radikale Verjüngungskur - und mehr Frauen. Denn in diesem Punkt hapert es gewaltig.

Gastkommentar: Die CDU muss weiter nach links rücken

Die CDU muss weiter nach links rücken

Nach der NRW-Wahl muss die Union neue Prioritäten setzen: Sie muss auf die Sorgen der Menschen reagieren. Sonst verliert sie noch mehr Vertrauen - und ihren Status als Volkspartei.

Studie: Bei Übernahmeschlachten gewinnt der Verlierer

Bei Übernahmeschlachten gewinnt der Verlierer

Wenn zwei Unternehmen um ein anderes streiten, bedeutet das oft nicht Gutes für den Gewinner. Denn bei Übernahmen können die Sieger die Erwartungen oft nicht erfüllen. Profiteur ist - der Verlierer.

Handelsblog Feuert die Dicke Bertha in die falsche Richtung?

Ein Kernproblem im Euro-Raum ist, dass es in den Krisenstaaten einen gefährlichen Link gibt zwischen dem Bankensystem und den Staatsfinanzen dieser Länder. Geldinstitute in Griechenland, Spanien, Irland und anderen Ländern stehen mit dem... Von Olaf Storbeck. Mehr…

Handelsblog Das Versagen von Bayern München, ökonomisch erklärt

Der Ausgang des Champions-League-Finales ist nicht nur peinlich für die Bayern, sondern auch für mich persönlich. Ausgehend vom Marktwert der Spieler hatte ich prognostiziert, dass Bayern gewinnen wird - weil die Mannschaft rund 30% mehr... Von Olaf Storbeck. Mehr…

  • Konjunkturtermine
Konjunkturtermine: Wochenvorschau

Wochenvorschau

Die wichtigsten Ereignisse und Indikatoren in Europa und International