Gesetz gegen Genderpay-Gap Island verbietet ungleiche Löhne von Frauen und Männern

Mit einem neuen Gesetz zwingt Island als weltweit erste Staat Arbeitgeber, Männer und Frauen für die gleiche Tätigkeit gleich zu bezahlen. Bei Verstößen wird ab sofort eine Strafe fällig. Doch es gibt Ausnahmen.
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Islands Premierministerin führt eine Koalition aus Konservativen, Liberalen und ihren Grünen an. Quelle: Reuters
Katrin Jakobsdottir

Islands Premierministerin führt eine Koalition aus Konservativen, Liberalen und ihren Grünen an.

(Foto: Reuters)

StockholmGleicher Lohn für gleiche Arbeit. Was wie eine Selbstverständlichkeit klingt, gilt in den meisten Ländern nicht. Frauen verdienen in aller Regel deutlich weniger als Männer. In Deutschland beträgt diese sogenannte „Lohnlücke“ rund 21 Prozent. Das heißt, Frauen verdienen etwa ein Fünftel weniger als ihre männlichen Kollegen.

In einem Land auf der Welt ist diese Ungleichheit seit dem 1. Januar verboten: In Island trat zu Jahresbeginn ein neues Gesetz in Kraft, das Unternehmen und staatliche Einrichtungen mit mehr als 25 Mitarbeitern dazu zwingt, Frauen und Männern in gleicher Position dasselbe Gehalt zu zahlen. Die Arbeitgeber müssen einen Nachweis erbringen, dass sie die Lohnlücke geschlossen haben. Wer den Nachweis erbringt, erhält ein Zertifikat. Gesetzesverstöße werden dagegen mit einer Geldstrafe geahndet.

Der Inselstaat im Nordatlantik ist damit das erste Land der Welt, das unterschiedliche Bezahlung von Frauen und Männern unter Strafe stellt. Das Verbot der Lohndiskriminierung wurde bereits im vergangenen Jahr am 8. März, dem internationalen Frauentag, im Parlament in Reykjavik verabschiedet. Ziel sei es, bis spätestens 2020 eine völlige Lohngleichheit herzustellen.

Denn auch wenn Island seit Langem ein Vorreiter in Sachen Gleichberechtigung ist, gibt es auf der Vulkaninsel dennoch Lohnunterschiede: So verdienen Frauen in Island laut einer Studie des Weltwirtschaftsforums zwischen 14 und 17,5 Prozent weniger als Männer. Trotzdem belegte Island in den vergangenen Jahren stets den ersten Platz im „Gender Gap Report“ des Weltwirtschaftsforums. Deutschland kam im jüngsten Bericht nur auf einen zwölften Platz.

Dass Gleichberechtigung eine große Rolle in Island spielt, zeigt die Zusammensetzung der neuen Regierung. Nahezu 50 Prozent der Abgeordneten sind Frauen. Außerdem wird der Inselstaat von einer Frau regiert: Katrin Jakobsdottir führt eine Koalition aus Konservativen, Liberalen und ihren Grünen an. Und Jakobsdottir ist keine Ausnahme: In den vergangenen 50 Jahren wurde Island 20 Jahre lang von einer Frau regiert.

In dem mit nur rund 320.000 Einwohnern kleinen Inselstaat ist die Berufstätigkeit von Frauen hoch. Man könne bei so wenigen Einwohnern nicht auf die Fähigkeiten der Frauen verzichten, erklärte vor einem Jahr der damalige Gleichstellungsminister Thorsteinn Viglundsson bei der Vorlage des jetzt in Kraft getreten Gesetzes.

Völlig kritiklos ist das neue Gesetz aber auch in Island nicht eingeführt worden. So bemängelten einige weibliche Abgeordnete, dass nur Betriebe mit mehr als 25 Mitarbeitern zur Lohngleichheit gezwungen werden. Außerdem würde das Problem der Teilzeitbeschäftigung durch das gesetzliche Verbot der Lohndiskriminierung nicht gelöst. Wie in vielen anderen Ländern auch arbeiten in Island viele Frauen nur halbtags, weil sie sich um die Kinderbetreuung kümmern müssen.

Trotz der Kritik an dem neuen Gesetz zeigte sich die Vorsitzende des isländischen Frauenverbandes, Aradottir Pind, zufrieden. „Die Menschen werden jetzt verstehen, dass dies ein systematisches Problem ist, dem wir nur mit neuen Methoden begegnen können“.

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  • Wer bestimmt, ob die Arbeit bei Frau X und Herrn Y die gleiche ist ?

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