Gespräch mit israelischem Notenbankchef Stanley Fischer
Abzug aus dem Gazastreifen lockt Investoren nach Israel

Der israelische Notenbankchef Stanley Fischer über den Nahostkonflikt, die Beziehung zwischen Armut und Terror und den Nutzen der Ökonomie für die Politik.

Handelsblatt: Herr Fischer, wird es nach dem Rückzug aus dem Gaza-Streifen eine Friedensdividende für die israelische Wirtschaft geben, auch wenn die Gewalt in der vergangenen Woche zurückgekehrt ist?

Fischer: Die israelische Wirtschaft hat sich in der letzten Zeit gut entwickelt. Und sie wird weitere Fortschritte machen, da habe ich keinen Zweifel. Die Aussichten auf Frieden helfen zusätzlich.

Frieden? Davon war in den vergangenen Tagen wenig zu spüren.



Fischer: Ich hoffe, dass es sich bei den Auseinandersetzungen bloß um ein Auf und Ab handelt, mit dem man rechnen muss. Zudem hoffe ich, dass die jüngsten Kampfhandlungen die Hoffnung auf Frieden nicht zerstören. Denn die Hoffnung ist sehr wichtig für das Bild, das sich Investoren von Israel machen. Premier Ariel Scharon hat ja bereits zu verstehen gegeben, dass der Rückzug aus dem Gaza-Streifen nicht das Ende des Prozesses sei.



Wie groß würden Sie denn das wirtschaftliche Potenzial definieren?

Fischer: Allein schon die Aussicht auf den Rückzug aus Gaza hat enorm viele Auslandsinvestitionen nach Israel gelockt. Dieses Jahr ist bisher das beste, das wir je gehabt haben – sogar wenn es heute zu Ende ginge. Ein großer Teil dieses Erfolgs hat mit der Verbesserung der Sicherheitssituation zu tun. Unser Wachstum könnte dasjenige Europas oder der USA erreichen. Ein Friedensprozess würde auch unsere ökonomische Integration in der Region stark verbessern.

Falls der Rückzug aus Gaza einen so großen ökonomischen Bonus generiert – sollte sich Israel nicht dann auch aus der Westbank zurückziehen?

Fischer: Genau! Wobei ich davon ausgehe, dass es sich dann nicht um einen einseitigen Rückzug handeln wird, sondern dass die Rückgabe von besetzten Gebieten im Rahmen von bi- oder multilateralen Gesprächen erfolgen sollte.

Die Palästinenser haben in den vergangenen Jahren sehr viel Hilfe aus dem Ausland erhalten, die zum Teil verpufft ist. Sollten die Europäer ihre Hilfe stärker an Bedingungen knüpfen?

Fischer: Sicher. Man muss überwachen, wohin das Geld geht und dass es für die vorgesehenen Zwecke eingesetzt wird. Das kann man zwar nie perfekt machen. Beim Umverteilen von Geldern geht immer ein Teil verloren, weil die Taschen Löcher haben. Doch der Westen hat aus den Fehlern gelernt.

Was können die Geberländer tun, um die Gewalt einzudämmen?

Fischer: Sie müssen unmissverständlich sagen: Wir helfen den Palästinensern, wenn sie alle Anstrengungen unternehmen, den Terror zu stoppen. Wir werden ihnen nicht helfen, wenn sie das nicht tun. Da muss man klar und konsequent sein.

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