Gespräche mit Troika: Zyprer lassen sich Zeit

Gespräche mit Troika
Zyprer lassen sich Zeit

Zypern läuft die Zeit davon, doch die Regierung in Nikosia geht die Dinge trotz des drohenden Staatsbankrotts mit scheinbar stoischer Ruhe an. Währungskommissar Olli Rehn spricht derweil nur noch von Schadensbegrenzung.
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NikosiaDie EU-Kommission hat mit ungewohnt drastischen Worten eine Lösung der Zypern-Krise noch an diesem Wochenende angemahnt. „Es ist ganz entscheidend, dass sich die Eurogruppe am Sonntagabend in Brüssel auf ein Hilfsprogramm für Zypern einigt“, sagte Währungskommissar Olli Rehn am Samstag laut Mitteilung. Diese Einigung müsse dann von Zypern und den Euro-Partnern sehr rasch umgesetzt werden.

Es sei klar, dass die nahe Zukunft „sehr schwierig“ werde, sagte Rehn weiter. „Die Ereignisse der vergangenen Tage haben leider zu einer Situation geführt, in der es keine optimale Lösung mehr gibt.“ Inzwischen seien nur noch harte Entscheidungen möglich. Europa könne aber helfen, den wirtschaftlichen Schaden gering zu halten und die Schwächsten vor den Auswirkungen der Finanzkrise zu schützen.

Derweil steht noch immer kein Termin für die erwartete Abstimmung des zyprischen Parlaments über die umstrittene Zwangsabgabe auf Sparkonten fest, mit der das Land seinen Beitrag zur Sanierung der Finanzen des Landes abrunden wollte. Zunächst führte die Regierung in Nikosia weiter Gespräche mit der Geldgeber-Troika aus EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF). Dadurch geriet der gesamte Zeitplan in Verzug.

Finanzminister Michalis Sarris äußerte sich jedoch positiv über den Verlauf der Gespräche mit der Troika. „Es gibt wahrhaftig Fortschritte. Wir haben ein umfassendes Programm vorgelegt“, sagte er. Es gebe einige Themen, die noch nicht geklärt sind. „Ich hoffe, dass wir keine Überraschungen erleben“, schränkte er jedoch ein. Details wollte Sarris nicht nennen.

Im Mittelpunkt der Gespräche stand die Zwangsabgabe auf Geldeinlagen des größten zyprischen Geldinstituts, der Cyprus Bank. Dort sollen russische Oligarchen Milliarden geparkt haben. Nikosia schlägt eine Zwangsabgabe von 25 Prozent auf Spareinlagen über 100 000 Euro vor. Es blieb unklar, wann dieses letzte Gesetz dem Parlament präsentiert und wann darüber abgestimmt werden sollte. Mit einer Abstimmung am Samstagabend werde nicht mehr gerechnet, sagte der stellvertretende Parlamentsdirektor Sokratis Sokratous.

Das Parlament in Nikosia hatte am Vorabend mehrheitlich Einschränkungen im Kapitalverkehr gebilligt, um ein Abfließen der Gelder ins Ausland zu verhindern. Außerdem wurde die Bildung eines Solidarfonds zur Rekapitalisierung der Geldhäuser beschlossen.

Kommentare zu " Gespräche mit Troika: Zyprer lassen sich Zeit"

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  • 'Rotkaeppchen' sagt
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    @ Rechner

    [..]

    - Und genau so wird es auch kommen ! Oder glauben Sie an den Weihnachtsmann ?

    [..]

    -Das ist wohl ein Neues Märchen aus der Reihe der EUROstat ?

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    Das sind ja sehr überzeugende Argumente!

    In Faktenresistenz waren die Anti-Eurio-Spinner schon immer für Rekorde gut.

    +++

    'Rotkaeppchen' sagt
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    - das erfolgreiche an den Kreditmärkten für diese Länder ist, dass sie ihren Schuldenstand vergrößern dürfen .....den Schuldenstand, den der Europäischer Steuerzahler tilgen soll !
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    Leider begreifen Sie nicht, daß der europäische Steuerzahler NICHT für die Schulden haftet, die z.B. Portugal an den Finanzmärkten macht.

    Er haftet NUR für die Schulden, die der ESM an den Finanzmärkten macht.

    Und der Haftungfall tritt auch erst dann ein, wenn Portugal seine Verpflichtungen gegenüber dem ESM nicht erfüllen sollte.

    +++

    'Rotkaeppchen' sagt
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    Womit die Pleite des Systems ( Geschäftsmodells ) auch dem letzten Kind vor Augen geführt worden ist !
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    Das letzte Kind sind Sie offensichtlich selber.

    +++

    'Rotkaeppchen' sagt
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    So ein Europa können Sie sich wohin stecken.....Sie Systemling und CDU-Propagandist .....wir wollen ein anderes Europa....wie früher, vor dem PERVERSLING € !!!
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    Paß auf, 'Rotkäppchen', gleich kommt der Wolf und frißt Dich.

    Spätestens wenn er Dich in angemessener Form ausgeschieden hat braucht sich niemand mehr Deine Pöbeleien anhören.

  • [Fortsetzung]

    Man hätte aber normalerweise so etwa im Herbst eine Lösung gefunden haben sollen.

    Bloß hat die z. Regierung gemauert.

    Also beschloß man sich seitens der EZB, bis zur Wahl im Februar zu warten, um dann mit einer neuen Regierung zu Potte zu kommen.

    Viel mehr gutes Geld hat man seit letztem Herbst dem schlechten sowieso nicht mehr hinterhergeworfen - der Umfang der ELA-Kredite ist jedenfalls soweit bisher berichtet nie über 10 Milliarden gestiegen.

    Insofern war es vertretbar, den Zyprioten diese letzte Chance noch zu geben.

    Die sie ja jetzt grandios versaut haben - mit der dumm-gierigen Weigerung der Kleinsparer lächerliche 6,75% ihrer Ersparnisse beizusteuern um die Kosten für die Großanleger gering zu halten.

    Jetzt sind sie ihre offshore-banking Industrie, die 15% zum Bruttoszialprodukt beigesteuert hat, nämlich los.

    20% Abgabe läßt sich ein Großanleger nur einmal bieten.

    Wir gratulieren.

  • 'Vernunft_oder_Rechner' sagt
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    2Rechner: wenn man Ihre Aussage zusammenfasst, dann bedeutet dies, dass die EZB der Ihrer Aussagen nach kriminellen REgierung in Zypern über Jahre hinweg verdeckt die Finanzierung über ELA Kredite gewährt hat.
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    Das ist eine sehr schlechte Zusammenfassung.

    Ich sprach - in einem vorherigen Beitrag - von monatelang.

    Und ich habe als bekannt vorausgesetzt, daß die Schieflage der zypriotischen Banken durch den zweiten Schuldenschnitt Griechenlands im März letzten Jahres entstanden ist.

    +++

    'Vernunft_oder_Rechner' sagt
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    Wie konnte denn die EZB voriges Jahr wissen, dass Zypern nun eine neue Regierung haben wird - und die alte nicht wiedergewählt wird?
    Oder hat die EZB ohne dieses Wissen eine "maffia-artige" Regierung (um Ihre Argumentation aufzugreifen) mit ELA Krediten unterstützt?
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    Das konnte sie natürlich nicht wissen.

    Bloß kann man es ihr kaum zum Vorwuf machen, daß sie darauf gehofft hat.

    Denn auch im April letzten Jahres, als das Ausmaß der Probleme der zypriotischen Banken langsam sichtbar wurde, hatte die EZB ja schon für etliche Milliarden zypriotische und griechische Staatsanleiehn in ihrem Bestand an Pfändern, die von zypriotischen Banken für Kredite hinterlegt worden waren.

    Diese Kredite waren nun nicht mehr besichert, da die Anleihen von Zypern und Griechenland nicht mehr beleihungsfähig bzw wertgemindert waren.

    Die EZB stand also vor der Alternative, die zypriotischen Banken pleite gehen zu lassen uns sofort etliche Milliarden abzuschreiben, oder mit ELA Krediten Zeit zu gewinnen bis eine Lösung gefunden werden könnte mit Hilfe der zypriotischen Regierung und des ESM.

    Das so etwas mehrere Monate dauert ist angesichts der Komplexität der Angelegenheit und der notwendigen Zustimmung von 17 Partnern nicht verwunderlich.

    [Fortsetzung folgt]

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