Gespräche mit Troika Zyprer lassen sich Zeit

Zypern läuft die Zeit davon, doch die Regierung in Nikosia geht die Dinge trotz des drohenden Staatsbankrotts mit scheinbar stoischer Ruhe an. Währungskommissar Olli Rehn spricht derweil nur noch von Schadensbegrenzung.
Update: 23.03.2013 - 21:33 Uhr 72 Kommentare
Zyperns Finanzminister Michael Sarris: „Es gibt Fortschritte.“ Quelle: dpa

Zyperns Finanzminister Michael Sarris: „Es gibt Fortschritte.“

(Foto: dpa)

NikosiaDie EU-Kommission hat mit ungewohnt drastischen Worten eine Lösung der Zypern-Krise noch an diesem Wochenende angemahnt. „Es ist ganz entscheidend, dass sich die Eurogruppe am Sonntagabend in Brüssel auf ein Hilfsprogramm für Zypern einigt“, sagte Währungskommissar Olli Rehn am Samstag laut Mitteilung. Diese Einigung müsse dann von Zypern und den Euro-Partnern sehr rasch umgesetzt werden.

Es sei klar, dass die nahe Zukunft „sehr schwierig“ werde, sagte Rehn weiter. „Die Ereignisse der vergangenen Tage haben leider zu einer Situation geführt, in der es keine optimale Lösung mehr gibt.“ Inzwischen seien nur noch harte Entscheidungen möglich. Europa könne aber helfen, den wirtschaftlichen Schaden gering zu halten und die Schwächsten vor den Auswirkungen der Finanzkrise zu schützen.

Derweil steht noch immer kein Termin für die erwartete Abstimmung des zyprischen Parlaments über die umstrittene Zwangsabgabe auf Sparkonten fest, mit der das Land seinen Beitrag zur Sanierung der Finanzen des Landes abrunden wollte. Zunächst führte die Regierung in Nikosia weiter Gespräche mit der Geldgeber-Troika aus EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF). Dadurch geriet der gesamte Zeitplan in Verzug.

Probleme der zyprischen Banken
A worker climbs up a ladder in front of a branch of the Bank of Cyprus in Bucharest
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Bank of Cyprus

Die Wurzeln der größten Bank der Mittelmeer-Insel reichen zurück bis 1899. Im Dezember 2007 war das Kreditinstitut an der Börse noch 7,5 Milliarden Euro wert, jetzt sind es nur noch 400 Millionen. Der Schwerpunkt der Bank mit ihren 11.000 Mitarbeitern liegt auf Privatkunden in Zypern und Griechenland. Im Gegensatz zu anderen Geldhäusern kommen hier nur zehn Prozent der Einlagen von insgesamt 27,8 Milliarden Euro von Kunden außerhalb der Euro-Zone. Im Schnitt kommt die Branche in Zypern auf 30 Prozent.

People make transactions at an ATM outside a branch of Bank of Cyprus in Nicosia
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Vor allem Russen und Briten haben ihr Geld bei der Bank of Cyprus angelegt, oft sehr reiche Personen. Für sie könnte es jetzt teuer werden. Denn im Gespräch ist eine Zwangsabgabe von rund 25 Prozent für Kunden der Bank, die ein Guthaben von mehr als 100.000 Euro haben.

People queue up to make a transaction at an ATM outside a branch of Bank of Cyprus in Nicosia
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Der Löwenanteil des Kreditbuchs entfällt auf den Heimatmarkt sowie das andere Euro-Sorgenkind Griechenland. Dem Geschäftsbericht für 2011 zufolge liegen vier von fünf Aktien in privaten Händen, überwiegend gehalten von Anlegern aus Zypern und Griechenland. 2011 hat die Bank wegen des Schuldenschnitts für Griechenland mit Hellas-Anleihen 1,6 Milliarden Euro verloren. In den ersten neun Monaten 2012 haben sich zudem die Rückstellungen für faule Kredite mehr als verdoppelt - auf 800 Millionen Euro. Auch hier wirkte sich die Krise in Griechenland negativ aus.

Cypriot banks' branches in Greece to be acquired by Greek banking
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Cyprus Popular Bank (Laiki)

Die Bank wurde vor mehr als 110 Jahren gegründet. Im November 2007 erreichte ihr Börsenwert mit 8,1 Milliarden Euro einen Höchststand, aktuell sind es noch magere 170 Millionen. Neben Privatkunden gibt es noch Töchter für Firmenkunden und Investmentbanking-Dienstleistungen.

huGO-BildID: 30363304 People queue to use the ATM of the Greek branch of Cyprus Popular Bank as it remains closed for the fourth day in central Athen
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Nach der staatlichen Rettung im Juni 2012, die ein Volumen von 1,8 Milliarden Euro hatte, kontrolliert Zypern 84 Prozent der Anteile. Der Rest liegt bei privaten und institutionellen Investoren.

People withdraw money from the ATM of Laiki Bank in Nicosia
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Laiki hat durch den Schuldenschnitt für Griechenland 2,3 Milliarden Euro verloren. In den ersten neun Monaten 2012 hat sich die Risikovorsorge für faule Kredite auf 400 Millionen Euro vervielfacht.

Finanzminister Michalis Sarris äußerte sich jedoch positiv über den Verlauf der Gespräche mit der Troika. „Es gibt wahrhaftig Fortschritte. Wir haben ein umfassendes Programm vorgelegt“, sagte er. Es gebe einige Themen, die noch nicht geklärt sind. „Ich hoffe, dass wir keine Überraschungen erleben“, schränkte er jedoch ein. Details wollte Sarris nicht nennen.

Im Mittelpunkt der Gespräche stand die Zwangsabgabe auf Geldeinlagen des größten zyprischen Geldinstituts, der Cyprus Bank. Dort sollen russische Oligarchen Milliarden geparkt haben. Nikosia schlägt eine Zwangsabgabe von 25 Prozent auf Spareinlagen über 100 000 Euro vor. Es blieb unklar, wann dieses letzte Gesetz dem Parlament präsentiert und wann darüber abgestimmt werden sollte. Mit einer Abstimmung am Samstagabend werde nicht mehr gerechnet, sagte der stellvertretende Parlamentsdirektor Sokratis Sokratous.

Das Parlament in Nikosia hatte am Vorabend mehrheitlich Einschränkungen im Kapitalverkehr gebilligt, um ein Abfließen der Gelder ins Ausland zu verhindern. Außerdem wurde die Bildung eines Solidarfonds zur Rekapitalisierung der Geldhäuser beschlossen.

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72 Kommentare zu "Gespräche mit Troika: Zyprer lassen sich Zeit"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • 'Rotkaeppchen' sagt
    ---------------------
    @ Rechner

    [..]

    - Und genau so wird es auch kommen ! Oder glauben Sie an den Weihnachtsmann ?

    [..]

    -Das ist wohl ein Neues Märchen aus der Reihe der EUROstat ?

    ---------------------

    Das sind ja sehr überzeugende Argumente!

    In Faktenresistenz waren die Anti-Eurio-Spinner schon immer für Rekorde gut.

    +++

    'Rotkaeppchen' sagt
    ---------------------
    - das erfolgreiche an den Kreditmärkten für diese Länder ist, dass sie ihren Schuldenstand vergrößern dürfen .....den Schuldenstand, den der Europäischer Steuerzahler tilgen soll !
    ---------------------

    Leider begreifen Sie nicht, daß der europäische Steuerzahler NICHT für die Schulden haftet, die z.B. Portugal an den Finanzmärkten macht.

    Er haftet NUR für die Schulden, die der ESM an den Finanzmärkten macht.

    Und der Haftungfall tritt auch erst dann ein, wenn Portugal seine Verpflichtungen gegenüber dem ESM nicht erfüllen sollte.

    +++

    'Rotkaeppchen' sagt
    ---------------------
    Womit die Pleite des Systems ( Geschäftsmodells ) auch dem letzten Kind vor Augen geführt worden ist !
    ---------------------

    Das letzte Kind sind Sie offensichtlich selber.

    +++

    'Rotkaeppchen' sagt
    ---------------------
    So ein Europa können Sie sich wohin stecken.....Sie Systemling und CDU-Propagandist .....wir wollen ein anderes Europa....wie früher, vor dem PERVERSLING € !!!
    ---------------------

    Paß auf, 'Rotkäppchen', gleich kommt der Wolf und frißt Dich.

    Spätestens wenn er Dich in angemessener Form ausgeschieden hat braucht sich niemand mehr Deine Pöbeleien anhören.

  • [Fortsetzung]

    Man hätte aber normalerweise so etwa im Herbst eine Lösung gefunden haben sollen.

    Bloß hat die z. Regierung gemauert.

    Also beschloß man sich seitens der EZB, bis zur Wahl im Februar zu warten, um dann mit einer neuen Regierung zu Potte zu kommen.

    Viel mehr gutes Geld hat man seit letztem Herbst dem schlechten sowieso nicht mehr hinterhergeworfen - der Umfang der ELA-Kredite ist jedenfalls soweit bisher berichtet nie über 10 Milliarden gestiegen.

    Insofern war es vertretbar, den Zyprioten diese letzte Chance noch zu geben.

    Die sie ja jetzt grandios versaut haben - mit der dumm-gierigen Weigerung der Kleinsparer lächerliche 6,75% ihrer Ersparnisse beizusteuern um die Kosten für die Großanleger gering zu halten.

    Jetzt sind sie ihre offshore-banking Industrie, die 15% zum Bruttoszialprodukt beigesteuert hat, nämlich los.

    20% Abgabe läßt sich ein Großanleger nur einmal bieten.

    Wir gratulieren.

  • 'Vernunft_oder_Rechner' sagt
    ------------------------------
    2Rechner: wenn man Ihre Aussage zusammenfasst, dann bedeutet dies, dass die EZB der Ihrer Aussagen nach kriminellen REgierung in Zypern über Jahre hinweg verdeckt die Finanzierung über ELA Kredite gewährt hat.
    ------------------------------

    Das ist eine sehr schlechte Zusammenfassung.

    Ich sprach - in einem vorherigen Beitrag - von monatelang.

    Und ich habe als bekannt vorausgesetzt, daß die Schieflage der zypriotischen Banken durch den zweiten Schuldenschnitt Griechenlands im März letzten Jahres entstanden ist.

    +++

    'Vernunft_oder_Rechner' sagt
    ------------------------------
    Wie konnte denn die EZB voriges Jahr wissen, dass Zypern nun eine neue Regierung haben wird - und die alte nicht wiedergewählt wird?
    Oder hat die EZB ohne dieses Wissen eine "maffia-artige" Regierung (um Ihre Argumentation aufzugreifen) mit ELA Krediten unterstützt?
    ------------------------------

    Das konnte sie natürlich nicht wissen.

    Bloß kann man es ihr kaum zum Vorwuf machen, daß sie darauf gehofft hat.

    Denn auch im April letzten Jahres, als das Ausmaß der Probleme der zypriotischen Banken langsam sichtbar wurde, hatte die EZB ja schon für etliche Milliarden zypriotische und griechische Staatsanleiehn in ihrem Bestand an Pfändern, die von zypriotischen Banken für Kredite hinterlegt worden waren.

    Diese Kredite waren nun nicht mehr besichert, da die Anleihen von Zypern und Griechenland nicht mehr beleihungsfähig bzw wertgemindert waren.

    Die EZB stand also vor der Alternative, die zypriotischen Banken pleite gehen zu lassen uns sofort etliche Milliarden abzuschreiben, oder mit ELA Krediten Zeit zu gewinnen bis eine Lösung gefunden werden könnte mit Hilfe der zypriotischen Regierung und des ESM.

    Das so etwas mehrere Monate dauert ist angesichts der Komplexität der Angelegenheit und der notwendigen Zustimmung von 17 Partnern nicht verwunderlich.

    [Fortsetzung folgt]

  • 2Rechner: wenn man Ihre Aussage zusammenfasst, dann bedeutet dies, dass die EZB der Ihrer Aussagen nach kriminellen REgierung in Zypern über Jahre hinweg verdeckt die Finanzierung über ELA Kredite gewährt hat.

    Man sollte jedoch mit der EZB deswegen nicht zu hart in's Gericht gehen, weil sie nun seit drei Wochen eine neue Regierung haben.

    Wie konnte denn die EZB voriges Jahr wissen, dass Zypern nun eine neue Regierung haben wird - und die alte nicht wiedergewählt wird?
    Oder hat die EZB ohne dieses Wissen eine "maffia-artige" Regierung (um Ihre Argumentation aufzugreifen) mit ELA Krediten unterstützt?

    Ihr Plädoyer der Vernunft wirkt schwach, wenn man sich ihre Arguemntationsketten anschaut, da diese sehr wirr sein können.

  • Kannst in deinem Bericht an deinen Arbeitgeber erwähnen
    das du nicht in der Lage bist die bessere Stimmung zu für
    den EURO zu erzeugen.
    Offensichtlich nimmt dich hier keiner Ernst.
    Ich wurde jedenfalls bei der Einführung nicht gefragt
    ob ich den EURO möchte.
    Ich hätte schon damals abgelehnt.

  • @ Rechner


    Zitat : Diese Argumentation geht davon aus, daß die per ESM/EFSF vergebenen Kredite nicht zurückgezahlt werden und die target2-Forderungen nicht realisiert werden könnten.

    - Und genau so wird es auch kommen ! Oder glauben Sie an den Weihnachtsmann ?


    Zitat : Dem stehen aber die Fakten entgegen:

    Portugal, Spanien und Irland sind zunehmend erfolgreich bei Finanzierungen an den Kreditmärkten

    - das erfolgreiche an den Kreditmärkten für diese Länder ist, dass sie ihren Schuldenstand vergrößern dürfen .....den Schuldenstand, den der Europäischer Steuerzahler tilgen soll !


    Zitat : die Leistungsbilanzen Portugal, Spanien, Irland und selbst Griechenland sind seit dem 3.Quartal 2012 positiv, und die target2-Salden gehen seit August 2012 zurück.

    -Das ist wohl ein Neues Märchen aus der Reihe der EUROstat ?


    Zitat : Womit sich die Tragfähigkeit des Geschäftsmodells erwiesen hat.

    Jedenfalls bis auf weiteres - die Konkurrenz schläft nicht, wer rastet der rostet und Stillstand ist Rückschritt.

    Womit die Pleite des Systems ( Geschäftsmodells ) auch dem letzten Kind vor Augen geführt worden ist !

    Zitat :

    Avanti Alemania!

    Avanti Europa!

    Vielmehr Avanti Dilettanti ! In Deutschland und ganz Europa !

    So ein Europa können Sie sich wohin stecken.....Sie Systemling und CDU-Propagandist .....wir wollen ein anderes Europa....wie früher, vor dem PERVERSLING € !!!

  • 'Lilly' fragt
    -----------------
    Ab Montag Kapitalverkehrskontrolle für die ganze Zone?
    -----------------

    Möglicherweise.

    Aber nur betreffend Kapital- UND Zahlungsverkehr mit zypriotischen Banken.

    Denn man muß natürlich verhindern, daß diese Schlingel die von Ihrer Nationalbank ausgesprochenen Transaktionsverbote umgehen.

    Und deutsche Banken könnten Zahlungsverkehr mit zypriotischen Banken nur aufgrund einer Anweisung der Bundesbank verweigern.

    Überweisungen beträfe das nicht - die laufen über die Zentralbanken und könnten auch von diesen verhindert werden.

    Aber z.B. die Annahme von Schecks, könnte Probleme machen - wenn der Betrag gutgeschrieben wird BEVOR er gecleared wurde.

    Oder Orderschecks die normalerweise auf Konten von Korrespondenzbanken gezogen und bar ausbezahlt werden können.

    Ebenso kann es zu Problemen mit Zahlungen im Warenverkehr mit Akkreditiven kommen, die von zypriotschen Banken ausgestellt wurden.

  • Der Spot gehört subito vom Kinderschutzbund verboten.

    Sollen die Kleinen unter Angst und Bedrohungsschrecken, mit nächtlichen Albträumen groß werden?

    Eine geschmack- und schamlose Indoktrination, Psychoterror abartiger Euro-Philosophie.

    Und das im Namen unserer Regierung, abscheulich.


  • ... Schaden gering halten...?

    Bei dem Zahlenwerk offiziell ? Lasst uns den Rosenkranz beten, die Druckmachina besschleunigen und beruhigend auf Zeit spielen.

  • http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/2013/02/2013-02-14-kinospot.html

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