Gestürzter Präsident
Mursi soll wegen Anstiftung zum Mord vor Gericht

Ägyptens gestürzter Präsident Mohammed Mursi wird sich wegen Anstiftung zur Gewalt und zum Mord vor Gericht verantworten müssen. Ihm und 14 weiteren Funktionären der Muslimbruderschaft soll der Prozess gemacht werden.
  • 2

KairoDer vor zwei Monaten gestürzte ägyptische Präsident Mohammed Mursi wird vor einem Strafgericht wegen Aufstachelung zur Gewalt angeklagt. Das entschied die Staatsanwaltschaft in Kairo am Sonntagabend. Zusammen mit ihm soll 14 weiteren führenden Funktionären der Muslimbruderschaft der Prozess gemacht werden. Ihnen allen wird vorgeworden, sie seien an der Gewalt gegen Demonstranten bei Protesten vor dem Präsidentenpalast im Dezember beteiligt gewesen.

Der Termin für den Prozessbeginn steht noch nicht fest. Zu den Angeklagten gehört auch Essam al-Arian, der die Politik der Bewegung in den vergangenen zwei Jahren stark geprägt hatte. Seit dem Umsturz tobt zwischen Anhängern und Gegnern ein blutiger Machtkampf. Die Muslimbruderschaft fordert, dass der von ihnen nominierte Präsident Mursi wieder eingesetzt wird. In der Provinz Al-Minia nahm die Polizei am Sonntag nach Angaben des staatlichen Fernsehens weitere sechs Mitglieder der Bruderschaft fest.

Mursi war nach Massenprotesten gegen ihn und seine Regierung am 3. Juli von der Armee abgesetzt worden. Die Armee verkündete damals einen Fahrplan für die Übergangszeit. Dazu gehört auch eine Reform der unter den Islamisten verabschiedeten Verfassung. Übergangspräsident Adli Mansur ernannte am Sonntag die 50 Mitglieder des neuen Verfassungsrates.

Dem Verfassungsrat gehören unter anderem Künstler, Schriftsteller, einige Jugendaktivisten, der ehemalige Präsidentschaftskandidat Amre Mussa, Vertreter des Al-Azhar Islam-Instituts und der koptischen Kirche an.

In Ägypten läuft weiterhin der Strafprozess gegen Ex-Präsident Husni Mubarak und dessen Söhne Alaa und Gamal. Mubarak steht wegen der Tötung von mehr als 800 Demonstranten während der Massenproteste Anfang 2011 vor Gericht. Er war im August aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Seither lebt er in einem Militärkrankenhaus, wo ihn die Regierung unter Arrest gestellt hat.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Gestürzter Präsident: Mursi soll wegen Anstiftung zum Mord vor Gericht"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Mursi ist als Kandidat angetreten und hat sich deutlich von den Muslimbrüdern distanziert und ist aus deren Organisation ausgetreten. Kaum war er gewählt, griff er in die Verfassung ein, setzte sie dann außer Kraft und versuchte die Muslimbrüder an die Macht zu bringen. Nebenbei ruinierte er die Wirtschaft des Landes, den Ruf Ägyptens und provozierte die Geldgeber ohne die sein Volk schlicht verhungern würde. Es ist das Recht jedes Volkes Diktatoren zu stürzen. Es ist gleichgültig welche Mittel man als Volk dazu wählt. Ob Armee, Terror oder Mord - Hauptsache der Diktator wird beseitigt.

  • Sehr schön, erst wird geputscht und nun wird dem gewählten Oberhaupt des Staates der Prozess gemacht.

    Und der Putsch ist auch nicht vom Himmel gefallen, der ist eingefädelt worden. So etwas ist eine klare Verletzung des Selbstbestimmungsrechtes der Völker.

    Die Tatsache Allein das Merkel und Obama dazu schweigen macht sie im Grunde genommen zu Despoten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%