Gesundheitspolitik
Frankreichs Patienten drohen Mehrkosten

Aus dem Ruder laufende Gesundheitsausgaben, ein chronisches Kassendefizit, höhere Belastungen für die Patienten – das Gesundheitswesen kämpft diesseits und jenseits des Rheins mit den gleichen Problemen. Während das deutsche Reparaturkonzept seit gestern den Bundestag beschäftigt, stehen Frankreichs Reformer noch in den Startlöchern.

PARIS. Im Frühjahr 2007 wird ein neuer Staatspräsident gewählt – doch die beiden wahrscheinlichen Kontrahenten Ségolène Royal und Nicolas Sarkozy halten sich mit Aussagen zur Gesundheitspolitik eher zurück.

Beide wollen neue Finanzquellen für das unterfinanzierte Gesundheitswesen erschließen. Die staatliche Krankenkasse Assurance-Maladie erwirtschaftet Jahr für Jahr gewaltige Defizite. In diesem Jahr beträgt das Minus voraussichtlich rund sechs Mrd. Euro, für 2007 peilt die Regierung einen Fehlbetrag von 3,9 Mrd. Euro an. Das Defizit geht zurück, weil die 2004 beschlossene letzte Gesundheitsreform jetzt ihre Kostendämpfungseffekte voll entfaltet. Dieser Fortschritt „reicht aber nicht aus“, meint Sarkozy, der voraussichtlich als konservativer Spitzenkandidat in den Präsidentschaftswahlkampf zieht. „Das Defizit bleibt beträchtlich, obwohl wir eigentlich zu einem ausgeglichenen Budget zurückkehren wollten“, sagt der Chef der Regierungspartei UMP.

Der Innenminister hat bereits recht konkrete Vorstellungen, wie das Gesundheitswesen saniert werden könnte. Diese Ideen stellt er allerdings keineswegs in den Mittelpunkt seines Wahlkampfs. Die Gesundheitsreform ist auch in Frankreich kein populäres Thema. Denn ebenso wie hier zu Lande wird die medizinische Versorgung auch jenseits des Rheins immer teurer für die Patienten.

So will Sarkozy den in Frankreich ohnehin bereits sehr kleinen Leistungskatalog der gesetzlichen Versicherung überprüfen. Anders als die deutsche deckt die gesetzliche Krankenkasse in Frankreich nur eine Grundversorgung ab, weshalb fast alle Franzosen eine ergänzende private Krankenversicherung abschließen. Sarkozy deutete an, dass die gesetzliche Versicherung künftig womöglich noch weniger Leistungen finanzieren werde als bisher. Die private Zusatzversicherung müsste also ihren Leistungskatalog ausweiten und würde damit teurer.

Seite 1:

Frankreichs Patienten drohen Mehrkosten

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%