Gesundheitsreform
Trump demontiert Obamacare

Das US-Gesundheitsministerium will Zahlungen an Versicherer zur Unterstützung der Gesundheitsreform „Obamacare“ einstellen. Grundlage der Zahlungseinstellung seien Richtlinien des Justizministeriums.
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WashingtonUS-Präsident Donald Trump treibt mit einem Doppelschlag gegen Obamacare die Demontage der Gesundheitsreform seines Vorgängers voran. Nach einem weitreichenden Erlass am Donnerstagmorgen (Ortszeit) kündigte das Präsidialamt in Washington am späten Abend an, auch die umstrittenen Milliardenzahlungen des Bundes an Versicherer einzustellen. Der Schritt könnte unabhängigen Experten zufolge zu einem massiven Anstieg der Prämien führen. Kritiker sprachen von einem Angriff des Präsidenten auf die Mittelschicht und auf Arbeiterfamilien. Die Republikaner im Kongress waren trotz ihrer Mehrheit mehrfach mit dem Versuch gescheitert, Obamacare per Gesetz aufzuheben, eines von Trumps zentralen Wahlversprechen. Nun versucht es Trump offenbar mit einem schrittweisen Rückbau von Obamacare.

Bislang zahlt der Bund Gelder direkt an die Versicherer mit dem Ziel, besonders Amerikaner mit niedrigen Einkommen zu unterstützen. In diesem Jahr dürften diese Zahlungen sieben Milliarden Dollar betragen. Republikanische Abgeordnete hatten gegen die Subvention geklagt mit der Begründung, dass der Demokrat Barack Obama damit seine Befugnisse überschritten habe: Nur der Kongress könne derartige Ausgaben genehmigen. Das Verfahren läuft noch. In der Erklärung des Präsidialamtes vom Donnerstagabend hieß es nun, das Gesundheitsministerium sei zu dem Schluss gekommen, dass die juristische Grundlage für eine Beteiligung an den Kosten fehle. „In Anbetracht dieser Analyse kann die Regierung die Hilfszahlungen rechtmäßig nicht leisten.“

„Boshafter Akt sinnloser Sabotage“

Das Haushaltsbüro des Kongresses (CBO) hatte geschätzt, dass ohne die Bundeshilfen die Prämien für einige US-Bürger 2018 um ein Fünftel steigen könnten. Demokraten kritisierten den Schritt scharf. Es handle sich um einen „boshaften Akt sinnloser Sabotage gegen Arbeiterfamilien und die Mittelschicht in jedem Winkel Amerikas“, erklärten die Minderheitsführer in Senat und Repräsentantenhaus, Chuck Schumer und Nancy Pelosi. Trump werde versuchen, die Auswirkungen seiner Politik als Folge von Obamacare selbst darzustellen. „Aber das wird auf ihn zurückfallen und er wird den Preis dafür zahlen.“

Trump hatte seit seiner Amtsübernahme im Januar zwar die Zahlungen weiterlaufen lassen, sie jedoch wiederholt kritisiert. In den vergangenen Monaten drängten Versicherer den Präsidenten dazu, sich langfristig zu den Hilfen zu bekennen, da sich bereits die Unsicherheit auf den US-Versicherungsmarkt auswirke. Im Bundesstaat North Carolina hoben etwa die Gesellschaften Blue Cross und Blue Shield ihre Prämien um 20 Prozent an mit dem Hinweis, dass es bei einer gesicherten Finanzierung nur neun Prozent gewesen wären. Zuletzt haben an den US-Börsen die Aktien von Versicherern wie Anthem, Molina, Cigna und Centene gelitten.

Kleinunternehmer kritisieren Obamacare-Kosten

Durch die Gesundheitsreform haben etwa 20 Millionen Amerikaner erstmals Zugang zu einer Krankenversicherung erhalten. Viele von Trumps Republikanern lehnen das Regelwerk jedoch als unzulässigen Eingriff des Staates in den Gesundheitsmarkt ab. Zu den lautesten Kritikern gehören Kleinunternehmer, die auf gestiegene Kosten verweisen. Trumps Erlass vom Donnerstagmorgen zielte unter anderem darauf ab, sie zu entlasten: Sie sollen leichter über die Grenzen der Bundesstaaten hinweg Verbände bilden können, die von einigen Regeln befreit sein würden. Zudem soll der Abschluss von Minimalversicherungen erleichtert werden.

Viele dieser Maßnahmen dürften frühestens 2019 greifen. Zudem dürften sie vor Gericht angefochten werden. Am Donnerstag kündigte der Justizminister von Kalifornien, Xavier Becerra, umgehend seine Bereitschaft zu einer Klage an. Sein Kollege Eric Schneiderman im Bundesstaat New York schloss sich an. Er warf Trump vor, er wolle Obamacare „ausweiden, egal, was es kostet“.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Dass der Aufstieg Trumps zum „Sonnenkönig“* nicht aufzuhalten war – ganz gleich, woran das jetzt im Einzelnen und im Großen und Ganzen lag -, und das Zusammenbrechen der Gesellschaft in vielerlei Hinsicht jetzt nur noch mit der Unterstützung durch die Rechtsinstitutionen auf langwierigen, mühsamen - und nicht zuletzt für alle Bürger mit unter großen Unsicherheiten behafteten - Prozesswegen (hoffentlich) verhindert werden kann, ist nicht nur ein Skandal erster Güte, sondern der Offenbarungseid der amerikanischen Demokratie schlechthin.

    *auch wenn der Spruch „L’État, c’est moi!“ (deutsch: „Der Staat bin ich!“) dem (Louis XIV) nur fälschlicherweise zugeschrieben wird, auf Trump passt er. Bleibt im Interesse aller nur zu hoffen, dass Trump sich nicht annähernd so lange an der Macht halten kann.

  • Ich nehme an, Herr Trump hat den Schritt gemacht um den Kongress unter Druck zu setzen einem neuem Krankenversicherungsgesetz zuzustimmen.

    Die Behandlungskosten und Medikamentenkosten sind in den USA wesentlich höher als in Deutschland, die Medianlöhne liegen eher niedriger. Damit wird jedes Krankenversicherungssystem zur Herausforderung.

    Abseits der Ideologie wäre es sinnvoll bei den Kosten anzusetzen.

    Es stellt sich die Frage warum der US Patient wesentlich höhere Medikamentenpreise als der Deutsche/Französiche Patient bezahlen. Damit tragend die US Patienten einen wesentlich höheren Overheadkostenanteil als die Europäer.
    Im gleichen Sinne böte es sich an die Behandlungskosten zu thematisieren. Hier sind die Schadensersatzklagen und damit die Versicherungskosten vielfach ein wesentlicher Kostentreiber.

    Es wäre sehr wünschenswert wenn Trump den Mut aufbringt sich mit der Anwälte- und Pharmalobby anzulegen.

  • Es geht voran, Trump stampft die Gelddruckmaschine "Obama Care" für Krankenhäuser u.s.w. ein. Eine preiswerte Kranken-Versicherung für Sixpack wird das Ergebnis sein.

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