Getötete Franzosen bei Luftangriff auf IS
„Wir achten dabei nicht auf die Nationalität“

In einem IS-Trainingslager sollen sechs Franzosen durch die französischen Luftwaffe getötet worden sein. Premierminister Valls betont, dass es sich nicht um gezielte Tötung gehandelt habe, sondern um Selbstverteidigung.

Frankreichs Premier Manuel Valls hat bestätigt, dass die Luftwaffe des Landes bei einem Angriff in Syrien auf ein Trainingslager des „Islamischen Staats“ (IS oder Daech) in der Nähe von Raqqa mehrere Franzosen getötet hat. In den Medien ist von sechs Personen die Rede. Unklar ist, ob die französischen IS-Rekruten gezielt getötet wurden, wie es einige Medien unter Bezug auf Regierungskreise am Sonntagabend behauptet hatten. Das Verteidigungsministerium bestritt das am Montag: „Wir führen nicht die Todesstrafe wieder ein.“

Vielmehr habe es sich um einen Angriff auf den IS gehandelt, der nach internationalem Recht als legitime Selbstverteidigung gelte. Diese Linie vertrat auch Valls, der in Jordanien im Rahmen einer Nahost-Reise Stellung nahm. „Die Sache ist völlig klar: Wir bekämpfen als Teil unserer Selbstverteidigung Stellungen und Einrichtungen von Daech, dabei achten wir nicht auf die Nationalität.“ Das französische Militär ziele auf „alle, die Anschläge gegen Frankreich vorbereiten.“ Die Zahl der im Irak und in Syrien getöteten französischen Djihadisten steige in den vergangenen Wochen. Von 500 bis 600 Franzosen, die sich in Syrien und Irak Daech angeschlossen hätten, sind Valls zufolge bereits 136 getötet worden.

Auch wenn es sich nicht um gezielte Tötungen handelt: Die genau Zahl der Opfer, die der Premier nennt, legt den Schluss nahe, dass Frankreich gut informiert ist darüber, wo die eigenen Bürger sich aufhalten, die sich den Terroristen angeschlossen haben. Für europäische Staaten wäre es eine neue Qualität, sollten sie es dezidiert auf die Liquidierung eigener Staatsbürger absehen.

Paris bleibt ein wenig in einer Grauzone, wie es sich damit verhält. „Wir haben es nicht auf eine Nationalität im Besonderen abgesehen“, sagt Valls. Die Luftangriffe, die der Präsident beschlossen habe, gälten allen, die mit dem IS kämpfen, „auch Franzosen, die ihr eigenes Land durch Attentate gefährden.“ Die Opposition unterstützt die Regierung in diesem Punkt: „Jeder muss wissen, welches Risiko er eingeht, auch Franzosen, die sich Daech anschließen“, sagte Nathalie Kosciusko-Morizet, die Nummer Zwei der konservativen Partei „Die Republikaner“.   

Präsident Hollande hatte Ende September beschlossen, die seit dem vergangenen Jahr geführten Bombenangriffe gegen den IS auch auf Syrien auszudehnen. Das Verteidigungsministerium sagte am Montag, es gebe keine Koordinierung der eigenen Angriffe mit denen der Luftwaffe Russland.

Thomas Hanke
Thomas Hanke
Handelsblatt / Korrespondent in Paris
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