Getöteter Oppositionsführer

Russische Justiz legt sich bei Auftraggeber von Nemzow-Mord fest

Im Februar wurde der russische Oppositionsführer Boris Nemzow erschossen – in Sichtweite des Kreml. Nun präsentieren die russischen Ermittler einen Auftraggeber. Die Opposition zweifelt an der offiziellen Version.
In Moskau gedenken Anhänger dem getöteten Oppositionsführer. Quelle: dpa
Mordfall Boris Nemzow

In Moskau gedenken Anhänger dem getöteten Oppositionsführer.

(Foto: dpa)

MoskauZehn Monate nach dem Mord an dem Oppositionsführer Boris Nemzow haben sich russische Ermittler auf ihre Version der Ereignisse festgelegt. Als mutmaßlichen Auftraggeber und Organisator nannte das Ermittlungskomitee am Dienstag den tschetschenischen Polizeioffizier Ruslan Muchudinow, der sich aus Russland abgesetzt hat.

Fünf weiteren Verdächtigen in Untersuchungshaft wurde nach Moskauer Agenturberichten die endgültige Anklageschrift vorgelegt. Nemzow war am 27. Februar in Sichtweite des Kremls erschossen worden. Die Tat ausgeführt haben soll Saur Dadajew, ebenfalls Tschetschene.

Vertreter der Opposition und auch der Anwalt von Nemzows Tochter Schanna zogen die These von Muchudinow als Auftraggeber in Zweifel. „Organisator für die niederen Ränge – ja. Aber die Auftraggeber waren hochgestellte Leute“, sagte Anwalt Wadim Prochorow. Die Justiz wolle die Aufmerksamkeit von der Umgebung des tschetschenischen Anführers Ramsan Kadyrow ablenken, vermutete er.

Der Fall Muchudinow werde abgetrennt und einzeln weiter verfolgt, sagte Wladimir Markin von der Ermittlungsbehörde. Seine Verhaftung im Ausland sei „nur noch eine Frage der Zeit“. Die Ermittlungen gegen die anderen Verdächtigen sollten im kommenden Januar abgeschlossen werden. Der Prozess könnte im Februar beginnen.

Beeindruckende Bilder vom Trauermarsch
Protestmarsch in Moskau
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Nach dem Mord an dem russischen Oppositionspolitiker Boris Nemzow haben sich am Sonntag in Moskau zehntausende Menschen zu einem Trauermarsch formiert.

Großaufgebot an Sicherheitskräften
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Menschen allen Alters, viele von ihnen mit Rosen und Nelken in den Händen, kamen im Gedenken an den Ex-Vizeregierungschef in das Stadtzentrum – bewacht von einem Großaufgebot an Sicherheitskräften.

Russland zwischen Zorn und Furcht
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Auf Plakaten waren Aufschriften zu sehen wie „Ich fürchte mich nicht“, aber auch „Ich fürchte mich – wer ist der Nächste?“.

Oppositionsführer an der Spitze
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Die Stadtverwaltung hatte eine Kundgebung mit bis zu 50.000 Menschen genehmigt. Der von dem Oppositionsführer und Ex-Regierungschef Michail Kasjanow (r.) organisierte Marsch sollte am Sonntag auch über die Große Moskwa-Brücke am Kreml führen, wo Nemzow am späten Freitagabend mit vier Schüssen in den Rücken ermordet worden war.

Proteste auch in St. Petersburg
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Auch in der zweitgrößten Stadt St. Petersburg versammelten sich nach Schätzungen der Nachrichtenagentur AFP mindestens 6000 Demonstranten im Gedenken an Nemzow.

Demonstranten mit ukrainischen Fahnen
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Einige Demonstranten hielten ukrainische Fahnen in den Händen. „Ich trage die ukrainische Flagge, weil Nemzow für ein Ende des Kriegs in der Ukraine gekämpft hat. Sie haben ihn dafür getötet“, sagte ein Demonstrant.

Stille Trauer
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Ursprünglich hatte die Opposition für Sonntag eine Großkundgebung gegen die Ukraine-Politik von Präsident Wladimir Putin geplant. Diese wurde nach der Ermordung Nemzows abgesagt, stattdessen versammelten sich die Menschen, um zu trauern.

  • dpa
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