Gewalt bei Protesten
Dutzende Verletzte bei Explosionen in Bangkok

Am Rande der Demonstrationen gegen die thailändische Regierung sind in der Hauptstadt Bangkok zwei Granaten explodiert. Mindestens 28 Menschen seien verletzt worden. Wer dahinter steckt, ist aber völlig unklar.
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Bangkok
Zwei Wochen vor den geplanten Wahlen eskaliert bei den Protesten gegen die thailändische Regierung in Bangkok die Gewalt. Am Samstagabend wurde ein Wachmann an einem Demonstrantencamp angeschossen, ein Sprengsatz verletzte am Sonntag mindestens 28 Menschen. Die Täter flüchteten. Demonstranten und Regierung beschuldigen sich gegenseitig, hinter den Attacken zu stecken. Der prominente Kolumnist Pravit Rojanaphruk sah drei mögliche Urheber: „1. die Regierung und ihre Anhänger, die Rothemden, um Angst zu erzeugen und Verhandlungen zu erzwingen, 2. PDRC, um Angst und einen Putsch herbeizuführen, 3. Armeeangehörige, die einen Putsch wollen“, schrieb er im Kurznachrichtendienst Twitter.

„In allen Fällen kann die Polizei die Täter nicht finden“, monierte Akanat Promphan, Sprecher des „Demokratischen Reformkomitees des Volkes„ (PDRC), das die Demonstrationen anführt. „Entweder sind sie unfähig oder sie haben selbst mit den Zwischenfällen zu tun.“ Viele Demonstranten argwöhnen, dass die Polizei nicht neutral ist, unter anderem, weil der 2006 gestürzte Regierungschef Thaksin Shinawatra, Bruder von Regierungschefin Yingluck, einst Polizist war.

„Die Demonstranten wollen einen Militärputsch“, meinte dagegen der Sprecher der Sondereinsatzzentrale der Regierung (Capo), Kissana Pattanacharoen. „Wir haben die Nase voll von diesem Protest, diese Eskalation der Gewalt bringt nichts.“ Der Thailandberichterstatter der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, Sunai Phasuk, verlangte zügige und rigorose Ermittlungen. „Die Täter müssen zur Rechenschaft gezogen werden, unabhängig von ihrer Loyalität und ihrem Status“, twitterte er.

Der Oberbefehlshaber der Streitkräfte, General Thanasak Patimaprakorn, rief beide Seiten dringend zum Dialog auf. „Die Regierung und die Demonstranten müssen nachgeben, aber die Nation profitiert davon“, sagte er nach Angaben der Zeitung „Nation“. „Meine Tür ist immer offen“, sagt Regierungschefin Yingluck, aber Protestanführer Suthep Thaugsuban lehnt jede Verhandlung ab.

Der Sprengsatz explodierte am Sonntag an einem der sieben Camps, die die Demonstranten seit vergangenen Montag besetzt halten. Die Proteste verliefen weitgehend friedlich. Erstmals kam es am Freitag zu einem ernsten Zwischenfall. Eine Granate flog auf einen Protestzug. Dabei wurden 40 Menschen verletzt. Eine Person starb später im Krankenhaus. Auf YouTube wurde ein Video hochgeladen, dass die Explosion zeigt und löste in Internetforen eine Debatte aus, ob der Sprengsatz womöglich aus den eigenen Reihen geworfen wurde.

Seit November verlangen bei Protestmärschen in Bangkok teils zehntausende Demonstranten den Rücktritt der Regierung. Unter diesem Druck setzte die Regierungschefin Neuwahlen. Allerdings wollen die Demonstranten auch die Wahlen verhindern, weil die Regierung wahrscheinlich erneut gewinnen würde. Die Anhänger der Protestbewegung werfen Yingluck und ihrer Familie vor, Politiker und Institutionen im ganzen Land geschmiert und sich so die Macht auf Jahre gesichert zu haben. Ein ungewählter Rat soll den Shinawatra-Einfluss durch Reformen und neue Gesetze brechen, ehe Neuwahlen stattfinden, verlangen sie.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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