Gewalt gegen Kinder
UN setzt Syrien auf die „Liste der Schande“

Die Vereinten Nationen haben schwerste Vorwürfe gegen die syrische Armee erhoben. Sie soll Kinder gefoltert und als „menschliche Schutzschilde“ eingesetzt haben. Allein in Hula starben bei einem Massaker 49 Kinder.
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New York/WashingtonEin UN-Bericht hat ein erschreckendes Bild der Lage der Kinder in Syrien gezeichnet. Erstmals haben die Vereinten Nationen das Land auf eine Liste mit Staaten gesetzt, in denen Kinder in bewaffneten Konflikten getötet, sexuell angegriffen und rekrutiert werden. Ebenfalls neu auf der „Liste der Schande“ sind Jemen und der Sudan, teilte die UN-Sondergesandte für Kinder und bewaffnete Konflikte, Radhika Coomaraswamy, am Montag in New York mit. Schwere Vorwürfe erhob am Montag auch das US-Außenministerium, das der Regierung in Damaskus vorwarf sich „neuer schrecklicher Taktiken“ zu bedienen.

Sowohl reguläre syrische Truppen als auch die mit ihnen verbündete Schabiha-Miliz hätten sich Übergriffe auf Kinder zuschulden kommen lassen, hieß es in einem am Montag in New York vorgelegten Bericht. Selbst neunjährige Jungen und Mädchen seien unter den Opfern, seien getötet, verstümmelt, willkürlich verhaftet, gefoltert, sexuell misshandelt und als menschliche Schutzschilde missbraucht worden.

„In fast allen aufgezeichneten Fällen waren Kinder unter den Opfern von Militäroperationen der Regierungstruppen - einschließlich der Streitkräfte, der Geheimdienste und der Schabiha-Miliz - im Konflikt mit der Opposition“, schreiben die Autoren des UN-Berichts über 2011, der von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon vorgelegt wurde.

In dem Report schildert ein Zeuge den Angriff auf das Dorf Ayn l'Arus in Provinz Idlib am 9. März dieses Jahres. Dabei seien mehrere Dutzend Jungen und Mädchen im Alter von 8 bis 13 Jahren gewaltsam aus ihren Häusern geholt und „von Soldaten und Milizangehörigen als menschliche Schutzschilde benutzt worden, indem man sie an den Fenstern von Bussen platzierte, die Streitkräfte zum Angriff auf das Dorf transportierten“.

USA befürchten weiteres Massaker

In dem Bericht werden 32 Staaten genannt, in denen seit mindestens fünf Jahren staatliche Gewalt gegen Kinder ausgeübt wird. Ban zeigte sich tief besorgt über die „inakzeptable hohe und wachsende Zahl“ langjähriger staatlicher Gewalt gegen Kinder.

Coomaraswamy sagte, die Konflikte im vergangenen Jahr in Syrien und Libyen hätten dort Leid über viele Kinder gebracht. In anderen Teilen der Welt sei die Gewalt gegen Jungen und Mädchen beendet worden. Aber die sogenannte Liste der Schande sei immer noch viel zu lang.

Derweil äußerte sich das US-Außenministerium am Montag besorgt über Berichte, wonach das syrische Regime in der Provinz Latakia „möglicherweise ein weiteres Massaker organisiert“. UN-Beobachtern war zuvor der Zutritt verwehrt worden. Aktivisten berichteten am Montag von mehr als 50 Toten bei Kämpfen in den Provinzen Homs, Idlib und Latakia.

Russland liefert neue Angriffshubschrauber an Syrien

Auch am Dienstag kam es in der ostsyrischen Stadt Deir el Sur kamen nach Angaben von Aktivisten bei einem Mörserangriff auf eine Gruppe von Demonstranten mindestens zehn Menschen ums Leben. Die Kundgebung habe sich gerade aufgelöst, als sich der Angriff ereignete, teilten die Syrische Beobachterstelle für Menschenrechte und die Örtlichen Koordinationskomitees mit. Erst am Montagabend waren in Deir el Sur nach Angaben der Aktivisten mehr als zehn Menschen bei der Explosion einer Autobombe getötet worden.

Russland liefert nach US-Angaben bewaffnete Hubschrauber an das syrische Regime von Präsident Baschar al-Assad. US-Außenministerin Hillary Clinton sagte am Dienstag in Washington, die USA seien besorgt über jüngste Informationen, „dass Angriffshubschrauber auf dem Weg von Russland nach Syrien sind“. Clinton fügte hinzu: „Das wird den Konflikt ziemlich dramatisch eskalieren.“

Moskau verkauft seit Jahren militärische Ausrüstung an Damaskus. Außenamtssprecherin Victoria Nuland stellte indessen vor Journalisten klar, dass sich die Ministerin mit ihrer Äußerung auf neue Lieferungen bezogen habe. Helikopter sowjetischer oder russischer Herkunft würden vom syrischen Regime bereits gegen das eigene Volk eingesetzt, sagte Nuland. Clinton habe aber nicht diese Hubschrauber gemeint. „Sie ist besorgt über Helikopter, die auf dem Weg sind.“

Neue Lieferungen stünden im Widerspruch zu Beteuerungen Moskaus, dass dessen Militärexporte an Syrien „nicht gegen Zivilisten eingesetzt werden können“, erklärte die Sprecherin.


Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur
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dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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