Gewalt geht zurück
Strategiewechsel der USA im Irak zeigt Erfolge

Rund neun Monate nach dem Wechsel der US–Kriegsstrategie werden im Irak die Erfolge immer sichtbarer. Die Gewalt geht deutlich zurück, auch in Bagdad, dem Brennpunkt des Konflikts. Ein Grund für die positive Entwicklung: Viele sunnitische Rebellen, die vor kurzem noch die Amerikaner bekämpften, stehen nun auf deren Seite – auch dank eines Geldregens aus Washington.

WASHINGTON. In Bagdad hat die Gewalt so weit abgenommen, dass eine gewisse Normalität Einzug hält. Restaurants haben geöffnet, Kinder gehen schon mal ohne Erwachsenen-Eskorte zur Schule, und in manchen Abschnitten pendeln Iraker inzwischen sogar wieder zwischen sunnitischen und schiitischen Wohnvierteln.

Diesen Eindruck zumindest vermitteln die jüngsten Korrespondentenberichte von Reportern, die sich in Bagdad aufhalten. Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt auch Stephen Biddle vom Thinktank Council on Foreign Relations in Washington, der kürzlich Bagdad besuchte. Er berichtet, dass ausgehend von dem Experiment in der Anbar-Provinz das Kooperationsmodell zwischen Amerikanern und Sunniten auch in anderen Provinzen Fuß gefasst habe. Zudem nähere sich die von Schiiten geführte Regierung den Sunniten an. Ein Beispiel dafür sei die verbesserte Versorgung sunnitischer Gebiet mit Öl und die Aufnahme ehemaliger Mitglieder der weitgehend sunnitischen Baath-Partei in die Sicherheitskräfte.

Der Kern der positiven Entwicklung im Irak aber besteht nach Meinung Biddles darin, dass viele von jenen, die vor wenigen Monaten noch die Amerikaner bekämpft hätten, nun auf deren Seite stehen. Bezeichnet als „Concerned Local Citizens“ (CLC), als „besorgte lokale Bürger“, sind sie nun an der Herstellung von Ordnung interessiert. „Von ihnen gibt es derzeit etwa 72 000 und die USA zahlen ihr Gehalt – rund 300 Dollar pro Monat“, sagte Biddle dem Handelsblatt.

Diejenigen, die noch unbewaffnet seien, würden von der US-Armee mit Waffen ausgestattet und auch trainiert. Es existieren Verträge, in denen sich die CLC verpflichten, nicht auf US-Soldaten oder Regierungstruppen zu schießen sondern ihre Nachbarn zu verteidigen. Gemeint ist damit vor allem der Kampf gegen El Kaida und die Mahdi-Milizen von Moktada el Sadr. Allerdings hat die Mahdi-Armee ohnehin eine Art Waffenstillstand erklärt.

Biddle räumt ein, dass er vom Tempo dieser Entwicklung überrascht sei. Dem US-Militär habe hier neben taktischem Erfolg auch „eine Menge Glück und günstige Fügung“ zur Seite gestanden, sagt der Sicherheitsexperte, der mehrfach im Irak war. In die Hände gespielt habe den USA das äußerst brutale Vorgehen von El Kaida gegen lokale Stammesführer. Dies habe die Stimmung gedreht: Am Ende wurde El Kaida als größere Gefahr betrachtet als die USA oder die Schiiten. Beide Entwicklungen – die Offensive der Amerikaner und die Abwendung von El Kaida – seien zusammen gefallen.

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