Gewalt im ganzen Land
Afghanistan: Taliban stürmen Stadt im Norden

Unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen hat am Donnerstag in Afghanistan die Präsidentenwahl begonnen. Die Wahl wurde von zunehmender Gewalt im ganzen Land und Drohungen der radikalislamischen Taliban überschattet. Im Norden des Landes sollen Aufständische sogar eine ganze Stadt gestürmt haben.

HB KABUL. Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur afp haben Rebellen die Stadt Baghlan in Nordafghanistan gestürmt und damit verhindert, dass die Wahllokale geöffnet werden konnten. Die Agentur zitiert einen Provinzpolizeichef, der berichtete, dass die Angreifer später zurückgeschlagen werden konnten. Dabei sollen 22 Aufständische getötet worden sein.

Nach Beginn der Präsidentschaftswahl in Afghanistan hat das Verteidigungsministerium die Lage im Land als „normal“ beschrieben. Ministeriumssprecher Sahir Asimi sagte am Donnerstagmittag, er habe Rückmeldungen aus den Provinzen bekommen, wonach sich Befürchtungen vom Morgen des Wahltages nicht bewahrheitet hätten. Vor den verschiedenen Wahllokalen stünden hunderte Menschen, um ihre Stimme abzugeben. Zum Auftakt der Wahl war es zu mehreren gewaltsamen Zwischenfällen im Land gekommen. Über Anschläge mit hohen Opferzahlen wurde aber zunächst nichts bekannt.

Die Taliban hatten mitgeteilt, ihre Kämpfer hätten 16 Wahllokale im Land angegriffen. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es nicht. Angaben der Taliban sind häufig übertrieben.

Nach massiven Drohungen der Taliban beteiligten sich offenbar weit weniger Afghanen an der zweiten Präsidentenwahl als vor fünf Jahren. Vor allem im Süden des Landes zeichnete sich am Donnerstag eine geringe Beteiligung ab, was als Nachteil für Amtsinhaber Hamid Karsai gewertet wurde.

Karsai erschien am Morgen in seiner traditionellen purpur-grünen Kleidung, um in einer Schule seine Stimme abzugeben. Wie alle anderen Wähler ließ er seinen Zeigefinger mit einer wasserunlöslichen Tinte färben. Mit dieser Maßnahme soll eine doppelte Stimmabgabe verhindert werden. Der Präsident rief die Bevölkerung erneut zur Beteiligung an der Wahl auf, „damit Afghanistan durch ihre Stimme sicherer und friedlicher wird“.

Allerdings verlief die Wahl in Kabul zunächst eher verhalten. In einer Schule im Osten der Hauptstadt war um 7.00 Uhr morgens alles bereit, aber niemand erschien, um seine Stimme abzugeben. Vor einem anderen Wahllokal näherten sich einige Wähler vorsichtig, blieben 50 Meter vor dem Gebäude aber erst einmal stehen, um die Lage zu prüfen. „Wenn etwas passiert, wollen wir nicht zu nah dran sein“, sagte ein 35-jähriger Mann.

In Kandahar, der größten Stadt im Süden, sagte ein Regierungsbeamter, die Beteiligung sei etwa 40 Prozent geringer als bei der ersten direkten Präsidentenwahl in der Geschichte des Landes vor fünf Jahren. Kandahar gilt als Wiege der islamisch-fundamentalistischen Taliban-Miliz. Diese hat zum Boykott der Wahl aufgerufen und in den Tagen vor der Abstimmung mehrere blutige Anschläge verübt.

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