Gewalt im Gazastreifen
Palästinenser stehen vor Bürgerkrieg

Der im Gazastreifen neu aufgeflammte blutige Machtkampf zwischen der islamistischen Hamas und der gemäßigteren Fatah ist weiter eskaliert. Ein Aufruf des palästinensischen Präsidenten und Fatah-Vorsitzenden Mahmud Abbas zur sofortigen Waffenruhe verhallte ungehört. Die EU warnt bereits vor einem Bürgerkrieg.

HB TEL AVIV. Am Dienstagabend eroberten Kämpfer der radikal-islamischen Hamas ein Hauptquartier der Sicherheitskräfte der rivalisierenden Palästinenserorganisation Fatah. Hamas-Milizen hätten das Areal nahe dem Flüchtlingslager Dschabalia im Norden des Gazastreifens völlig unter Kontrolle, teilten Hamas und Sicherheitskräfte mit. Bei mehrstündigen schweren Gefechten wurden nach Angaben von Ärzten mindestens 21 Menschen getötet. Seit Montag kosteten die Gefechte mindestens 37 Menschen das Leben.

Zuvor hatten Hamas-Milizionäre gewaltsam bereits die Kontrolle über die Stadt Chan Junis im Süden des Gazastreifens übernommen und dort Polizeistationen besetzt. Mehr als 90 Mitglieder der Präsidialgarde von Abbas und der von der Fatah kontrollierten Polizei hätten sich ergeben, verlautete aus Polizeikreisen. Auch im Norden des Gazastreifens forderten Hamas-Milizionäre die Fatah-Polizeitruppe zur Aufgabe auf. In zwei Erklärungen verlangte die Hamas, die Polizisten sollten ihre Stationen und Posten verlassen und in ihren Wohnungen bleiben. Die Hamas erklärte den Norden des Gazastreifens zu einem „militärischen Sperrgebiet“ unter Kontrolle ihrer Kassam-Miliz.

Angesichts der ausufernden Gewalt im Gazastreifen beenden die Minister der Fatah bis auf weiteres ihre Beteiligung an der palästinensischen Regierungskoalition, wie das Zentralkomitee der Organisation am Dienstag mitteilte. Die Minister legen ihre Arbeit demnach nieder, bis die Kämpfe mit der Hamas beendet sind.

Unter den am Dienstag Getöteten war ein Neffe des Hamas-Führers Abdel Asis Rantisi, der im April 2004 von der israelischen Armee gezielt getötet worden war. In Deir al-Balach im zentralen Gazastreifen wurde zudem ein Mitglied der Fatah-Polizei erschossen, ein militantes Mitglied der Fatah kam bei Kämpfen um das Haus des Fatah-Sprechers Maher Magdad in Gaza ums Leben.

Am Morgen hatten bewaffnete Männer eine Mörsergranate auf das Haus des palästinensischen Ministerpräsidenten Ismail Hanija (Hamas) in Gaza abgefeuert. Das Geschoss habe erheblichen Sachschaden angerichtet, jedoch niemanden verletzt, hieß es. Neben dem Präsidentengebäude von Abbas schlugen vier von Hamas-Aktivisten abgefeuerte Mörsergranaten ein. An einem der Brennpunkte der Gewalt im Nordosten der Stadt standen am Morgen acht Gebäude in Flammen.

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