Gewalt in Jemen
Jemens Präsident überlebt Granatenangriff auf Palast

Der Bürgerkrieg im Jemen erreicht den Präsidentenpalast: Granaten der Gegner von Präsident Salih schlagen neben dem Domizil des Hausherren ein und verletzen ihn leicht. Der Jemen droht im Chaos zu versinken.
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Sanaa/IstanbulJemens Machthaber Ali Abdullah Salih ist nach offiziellen Angaben bei einem Angriff auf seinen Palast leicht verletzt worden. Der Präsident werde sich aber erholen, sagte der stellvertretende Informationsminister Abdu al-Dschanadi am Freitag vor Journalisten. Der arabische Fernsehsender Al-Arabija berichtete unter Berufung auf einen Vertreter der Regierungspartei, Salih werde in einem Militärkrankenhaus behandelt. Auch nach der Attacke waren in dem Viertel noch Schüsse und Detonationen zu hören.

Ein jemenitischer Oppositionssender hatte zunächst gemeldet, auch der Präsident sei getötet worden. Stundenlang sorgten teils widersprüchliche Angaben für Unklarheit, was das Schicksal Salihs anging. „Seine Exzellenz, der Präsident, ist gesund“, beteuerte Al-Dschanadi schließlich am Abend. Eine angekündigte Pressekonferenz habe Saleh „wegen Kratzern“ verschoben. „Seine Gesundheit ist durch nichts beeinträchtigt.“

Salih und Spitzenvertreter der Regierung hätten sich anlässlich des Freitagsgebets in der Palast-Moschee befunden, als eine Granate dort eingeschlagen sei, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Saba. Drei Wächter seien getötet worden. Angaben, wonach auch ein Imam ums Leben gekommen sei, korrigierte die Agentur wenig später. Aus dem Umfeld Salehs verlautet, mehrere Regierungsvertreter seien verletzt worden.

Nach Augenzeugenberichten hatte die Republikanische Garde, die loyal zu Präsident Salih steht, vor der Attacke die Häuser von General Mohsen al-Ahmar und Oppositionspolitiker Scheich Hamid al-Ahmar angegriffen. Die Anhänger der beiden Männer hätten daraufhin zum Gegenschlag ausgeholt und auf das Gelände des Präsidentenpalastes gefeuert, hieß es. Doch wer genau den Angriff auf den Präsidentenpalast verübte, blieb zunächst unklar. Die Regierung bezichtigte die Mitstreiter von Stammensanführer Sadek al-Ahmar, was dieser aber zurückwies. Saleh selbst habe den Angriff inszeniert, um zu rechtfertigen, dass die Regierung die Straßenkämpfe in Sanaa eskaliert habe, sagte Ahmar.

Im Jemen fordern Demonstranten seit vier Monaten den Rücktritt des Präsidenten, der seit 1978 in Sanaa an der Macht ist. In den vergangenen Tagen hatten sich die Regierungstruppen in der Hauptstadt Gefechte mit Kämpfern des Al-Ahmar-Clans geliefert, der sich mit den Demonstranten solidarisiert hatte. Sanaa ist de facto geteilt zwischen Stammeskämpfern und abtrünnigen Militärs im Norden sowie Salih-Anhängern im Süden, der am Freitag erstmals von den Kämpfen erfasst wurde. Bewohner trauten sich nicht aus ihren Häusern. Auch aus anderen Landesteilen wurden Auseinandersetzungen gemeldet.

In der Stadt Tais feuern Soldaten von Einheiten, die loyal zu Salih stehen, seit Tagen auf Demonstranten. Der Armeekommandeur Ali Mohsen al-Ahmar, der zur Familie des Präsidenten gehört, hatte bislang versucht, die von ihm befehligte Brigade aus den seit rund zwei Wochen anhaltenden Gefechten zwischen den Regierungstruppen und den Kämpfern von Scheich Sadik al-Ahmar herauszuhalten.

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