Gewalt in Kiew Polizei stürmt den Unabhängigkeitsplatz

In Kiew eskaliert die Lage: Bei gewaltsamen Protesten kamen nach Behördenangaben neun Menschen um. Medienberichten zufolge haben schwer bewaffnete Sicherheitskräfte mit der Erstürmung des Maidan begonnen.
Update: 18.02.2014 - 19:26 Uhr 11 Kommentare

Tausende Demonstranten prügeln auf Polizisten ein

Moskau/KiewSchwer bewaffnete Sicherheitskräfte haben in Kiew begonnen, den von Tausenden Regierungsgegnern besetzten Unabhängigkeitsplatz zu stürmen. Das berichteten örtliche Medien am Dienstagabend. Es gab mehrere Explosionen, wie ein AFP-Reporter berichtete. Die Polizei bewegte sich langsam mit Wasserwerfern zum Maidan vor. Vereinzelt marschierten zudem Spezialpolizisten der Berkut-Einheiten auf die brennenden Barrikaden zu. Demonstranten schossen mit Feuerwerkskörpern und versuchten, die Sicherheitskräfte mit starken Laserpointern zu blenden.

Das Innenministerium hatte kurz vor Beginn des Einsatzes die etwa 20.000 versammelten Regierungsgegner zum Verlassen des Platzes aufgefordert. Es folge eine „Anti-Terror-Operation“, hieß es.

Der ukrainische Oppositionsführer Vitali Klitschko rief Kindern und Frauen auf, den Unabhängigkeitsplatz in Kiew zu verlassen. Damit sollten weitere Opfer vermieden werden, sagte Klitschko am Dienstagnachmittag nach einem Fernseh-Bericht. Er appellierte an den Präsidenten Viktor Janukowitsch und an die Sicherheitskräfte, keine Gewalt gegen die Demonstranten auf dem Unabhängigkeitsplatz einzusetzen. „Wir können den Einsatz von Gewalt bei einer Räumung des Maidan nicht ausschließen“, erklärte Klitschko.

Auch das seit Sonntag geräumte Rathaus wurde wieder von proeuropäischen Demonstranten besetzt. Etwa 30 Menschen befanden sich am Dienstagabend im Innern des Gebäudes und richteten dort eine notdürftige Krankenstation ein, während andere Protestierende den Eingang bewachten, wie ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP berichtete.

Bei den Straßenschlachten in Kiew waren zuvor nach offiziellen Angaben mindestens neun Menschen ums Leben gekommen. Sieben Zivilisten und zwei Sicherheitskräfte seien getötet worden, sagte ein Polizeisprecher am Dienstag der Agentur Interfax. Den Angaben zufolge sollen mindestens zwei Demonstranten und zwei Polizisten jeweils durch Schüsse getötet worden sein.

Über den Kurznachrichtendienst Twitter schickten die Aktivisten des sogenannten Euromaidan ein Foto mutmaßlich Getöteter. Darauf sind zwei Menschen zu sehen, die mit Papier bedeckt sind. Sie sollen mit Schüssen in Herz und Kopf niedergestreckt worden sein. Die Opposition machte Mitglieder der berüchtigten Polizei-Spezialeinheit Berkut (Steinadler) verantwortlich.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Steinmeier droht mit Sanktionen
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Gewalt in Kiew - Polizei stürmt den Unabhängigkeitsplatz

11 Kommentare zu "Gewalt in Kiew: Polizei stürmt den Unabhängigkeitsplatz"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ich glaube nicht, dass sie den Durchblick haben!

  • Die Mehrheit der Ukrainer will kein gespaltenes Land.
    Am sinnvollsten wäre eine große Koalition mit den beiden größten Parteien "der Partei der Regionen" und der Oppositionspartei "Vaterland" mit Jazenjuk. Allerdings ist Jazenjuk wohl des geblendeten Glaubens, dass er die Mehrheit der Ukraine repräsentiert. Östlich des Dnjper sieht die Situation aber anders aus als in Kiev oder in
    Lviv. Dass müsste Jazenjuk eigentlich wissen, da seine Partei doch in vielen Landesteilen gut organisiert ist. Timoschenko ist zwar auch nicht die "blütenweiße Demokratin", aber sie hätte wohl keine Eskalation wie in Kiev befürwortet, an denen die Demonstranten einen erheblichen Anteil haben.
    Aber auch die Regierungspartei "Partei der Regionen" muss sich reformieren. Ob dies in Zukunft mit Janukowitsch möglich ist, dürfte zweifelhaft sein.

  • Wo ist die Kanzlerin?

    Hatten wir nicht aus den TV-Nachrichten entnommen, dass sie keine Zusagen an Herrn Klitschko machen wollte, um mit beiden Seiten im Gespräch bleiben zu können.

    Wo ist Herr Steinmeier?

    War er nicht unlängst in Moskau. Das Thema Ukraine wurde doch gewiss auch angesprochen.

    Wie ist die Haltung der Bundesregierung, wie die Haltung der EU? Oder waren die Bilder für den Wahlkampf gedacht?

  • Klitschko ist nach Hitler der größte Volksverführer!

  • Vor einem Monat wusste noch jeder, wie weit es von Sotschi nach Wolgograd ist. An Straßenkilometern sind es 980, mit dem Flugzeug entsprechend weniger. Straßenkilometer von Sotschi nach Kiew 1400, genauso weit wie von Sotschi nach Aleppo. Von Sotschi nach Berlin sind es aber 2650 Kilometer, wie ja Berlin sowieso von allem recht weit weg ist.

    Wenn schon Mord und Totschlag nicht enden, nur weil die Olympioniken in edlem Wettstreit ihre Kräfte messen, wie wäre es denn, wenn dann die Olympioniken solange ihre "Waffen" ruhen lassen, bis eine dem großen Ereignis entsprechende Raumtemperatur wiederhergestellt ist? Oder zählen Kiew und Syrien nicht, weil die Gewalt sich gegen Heteros richtet?

  • nach den olympischen Spielen werden die Russen aktiv!
    Das ist garantiert.

  • Die ersten drei Kommentare sind nur aus der gemütlichen und gewohnt freien deutschen Perspektive möglich. Ich empfehle jedem, der hier so etwas zum besten gibt, einmal direkt mit klugen Ukrainern zu sprechen, die dort leben oder Angehörige dort haben und in der Lage sind, das politische System zu durchschauen. Wenn ich überlege, dass hierzulande bereits eine Debatte entsteht, wenn die (objektiv betrachtet sicherlich nicht maßlosen) Diäten der deutschen Bundestagsabgeordneten leicht angehoben werden.

  • Wer Sturm sät wird Sturm ernten! Es ist eine Frage der Zeit bis diese nicht legitimierte kriminelle Regierung weggefegt sein wird. Falls jetzt am Madain zugeschlagen wird, wird das Land aufstehen und zeigen wer die Macht im Lande hat, das Volke und nicht die Donetzker krimnelle Bande!

  • Keine Regierung der Welt darf es sich gefallen lassen, dass bewaffnete "Demonstranten" die Polizei mit Molotowcocktails angreifen und mit Steinen bewerfen. Keine Regierung darf es sich auf Dauer gefallen lassen, dass "Demonstranten" öffentliche Gebäude besetzen.

    Auch der deutsche Staat würde sich das gefallen lassen dürfen und können.

    Was die sogenannte von Merkels KAS im Auftrag der USA geföderte Opposition in der Ukraine veranstaltet, geht weit über das Recht auf friedliche Demonstration hinaus.

    Es ist an der Zeit, dass der Staat der Ukraine endlich das wegen der Kompromisslosigkeit der "Opposition" gescheiterte Abwarten und Verhandeln beendet und die öffentliche Ordnung wiederherstellt. Der Staat allein hat das legitime Gewaltmonopol. Und wenn es nicht anders geht, ist er verpflichtet, es auch einzusetzen.

  • Zitat : Die Annäherung und wirtschaftliche Abhängigkeit von Russland sehen viele Ukrainer skeptisch.

    - wie kann man tausende von Jahren alte Beziehungen zu einem anderen Land skeptisch sehen ?

    Die Protestierenden sollten wieder mal ans Arbeiten gehen nachdenken ! Chaos und Revolte von Kriminellen haben noch keinem Land genutzt !

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%