Gewalt in Nahost nimmt wider zu
Neue Eskalationen zwischen Fatah und Hamas

Gegenseitige Massenfestnahmen nach einer Anschlagserie haben am Wochenende die Furcht vor einem Aufflammen der Gewalt zwischen den beiden rivalisierenden Palästinenser-Gruppen Hamas und Fatah geschürt.

HB DSCHENIN. Die radikal-islamische Hamas machte die Fatah-Bewegung von Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas für eine Explosion verantwortlich, die am Freitagabend ein Mädchen und fünf Hamas-Kämpfer getötet hatte. Die Hamas nahm daraufhin mehr als 160 Anhänger der Fatah fest. Die Fatah wies jedoch jede Beteiligung zurück und nahm ihrerseits im Westjordanland 35 Anhänger der Hamas fest.

Angesichts der angespannten Lage kündigte Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas für die kommende Woche ein Treffen der Konfliktparteien in Ägypten an. Die Gruppe "Al-Auda-Brigaden", die nach eigenen Angaben der Fatah nahesteht, hat sich zu dem Anschlag an einer Kreuzung außerhalb Gazas bekannt. Die Fatah selbst, die das Westjordanland kontrolliert, bestritt dagegen jede Verwicklung.

Zur Beisetzung der Anschlagsopfer gingen Tausende Hamas-Anhänger auf die Straße. Einige schossen in die Luft und riefen "Rache, Rache". Hamas-Funktionär Chalil al-Hajja, dessen Neffe bei dem Anschlag ums Leben kam, sagte vor der Beerdigung: "Wer das getan hat, muss auf einem öffentlichen Platz aufgehängt und erschossen werden."

Der Anschlag vom Freitagabend war nur einer von dreien. Die Serie war einer der schlimmsten Gewaltausbrüche seit der Machtübernahme der Hamas in dem Palästinenser-Gebiet im Juni 2007.

Die Massenfestnahmen von Fatah-Anhängern waren nach Hamas-Angaben Teil eines großangelegten Einsatzes zur Erhöhung der Sicherheit im Gaza-Streifen. Unter den mehr als 160 Festgenommen befand sich auch der politische Führer der Fatah im Gaza-Streifen, Ahmed Naser. Zwischen der Hamas und der Fatah kommt es regelmäßig zu Streitigkeiten, die auch durch ein Versöhnungsabkommen im März nicht beigelegt werden konnten. Für Konflikte sorgen unter anderem Versuche der Hamas, militante Gruppen vom Abfeuern von Raketen auf Israel abzuhalten.

Unterdessen töteten israelische Soldaten am Sonntag im Westjordanland einen ranghohen Hamas-Vertreter. Augenzeugen zufolge verschanzte sich der 25-jährige mit weiteren Extremisten in einem Haus in Hebron. Ein Bulldozer der israelischen Armee machte das Haus dem Erdboden gleich. Dabei kam es zu einer Schießerei. Der Mann soll hinter einem Selbstmordattentat in der Stadt Dimona vom vergangenen Februar gesteckt haben, bei dem eine israelische Frau mit in den Tod gerissen wurde. Die Armee bestätigte eine Schießerei und sprach von einem Todesopfer. Palästinensischen Angaben zufolge wurden alle Zufahrtsstraßen nach Hebron abgeriegelt.

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