Gewalt in Straßburg: Streiks legen EU-Häfen lahm

Gewalt in Straßburg
Streiks legen EU-Häfen lahm

Während einer grenzübergreifenden Streikaktion europäischer Hafenarbeiter ist es am Montag vor dem Europäischen Parlament in Straßburg zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der französischen Polizei gekommen.

HB STRASSBURG/ROTTERDAM. Dabei wurden drei Polizisten verletzt, einer von ihnen schwer. Die Demonstranten protestierten gegen die von der EU-Kommission geplante Liberalisierung von Hafendienstleistungen. Mit dem selben Ansinnen brachten hunderte Streikende den Betrieb in den größten europäischen Häfen zeitweise zum Erliegen.

Die Sicherheitskräfte in Straßburg gingen mit Wasserwerfern und Tränengas gegen die rund 6000 Demonstranten vor. An der Glasfassade des Parlamentsgebäudes habe es Schäden durch Eisstücke und Steine gegeben, die die Demonstranten geworfen hätten, sagte Parlamentssprecher Jose Liberato. Im Zentrum der Stadt abseits des Parlaments wurden Autos in Brand gesetzt. „Es hat bereits vorher am Tag einige Vorfälle in Straßburg gegeben, bei denen einige Fahrzeuge ausgebrannt sind. Wir befürchten jetzt, dass sich das heute Abend wiederholen könnte, wenn die offizielle Demonstration vorbei ist“, sagte ein Polizist.

Die Hafenarbeiter protestieren seit Tagen gegen eine neue EU-Richtlinie, der zufolge die Reeder eigene Firmen mit den Ladearbeiten betrauen können. Bislang dürfen das nur die in den Häfen ansässigen Unternehmen. Der neue Entwurf sieht vor, dass Lotsendienste, Schleppdienste oder das Löschen von Ladung an zeitlich befristete Konzessionen gebunden werden. Der jeweilige Konzessionsinhaber soll nicht verpflichtet werden, die Hafenarbeiter zu bisherigen Konditionen zu übernehmen. Eine Koalition aus Sozialisten, Kommunisten und Liberalen im Europäischen Parlament wird am Mittwoch voraussichtlich gegen die von den Reedereien unterstützte Richtlinie stimmen.

Allein in Rotterdam, dem nach Umschlag größten Hafen Europas, schlossen sich nach Angaben der niederländischen Gewerkschaft FNV rund 600 Hafenarbeiter einem vierstündigen Ausstand an. Dadurch seien die Ver- und Entladearbeiten an mehreren Container-, Fähr- und Schüttgut-Terminals beeinträchtigt gewesen. Die Ölterminals seien bis zum Streikende am Nachmittag aber nicht betroffen gewesen, erklärte ein Hafenvertreter. In Antwerpen im benachbarten Belgien legte der Streik den nach Umschlag zweitgrößten Hafen Europas lahm. Dort sollte der am frühen Montagmorgen begonnene Streik mindestens 24 Stunden dauern. „Alle Hafenarbeiter sind heute im Streik.

Schiffe können einlaufen, aber sie können nicht abgefertigt werden“, sagte eine Sprecherin der Hafenbehörde von Antwerpen.

„Das ist ein ungezügeltes Sozialdumping“, kritisierte der Generalsekretär der Hafenarbeiter im französischen Dünkirchen, Franck Gonsse, die Richtlinie. „Eine durch und durch freie Marktwirtschaft“, klagte er, „sie nehmen sich, wen sie wollen, machen mit ihnen, was sie wollen, ohne irgendwelche Regeln.“

Dagegen gingen auch ihre Kollegen in La Pallice/La Rochelle am Atlantik auf die Straße. Dort wurde eine Unterbrechung der Arbeiten für bis zu 48 Stunden angekündigt. Im spanischen Barcelona, das einen wichtigen Hafen für das Abfertigen von Kreuzfahrtschiffen sowie den Transport von Gütern und Flüssiggas unterhält, kamen die Verladearbeiten ebenso zum Erliegen wie in Tarragona, dem größten Getreidehafen des Landes. In Griechenland legten nach Angaben des Ministeriums für Handelsschifffahrt alle Arbeiter der großen Häfen Piräus, Thessaloniki und Heraklion auf Kreta für 24 Stunden die Arbeit nieder. Auch Hafenarbeiter in Schweden, Dänemark und Portugal schlossen sich dem Protest an.

Bereits am vergangenen Mittwoch hatten die Hafenarbeiter in mehreren Häfen gestreikt. Vor allem der Hamburger Hafen war davon betroffen.

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