Gewaltsame Proteste
Friedenskräfte werden zur Zielscheibe

Zur Sicherung des Friedens wurden sie in islamische Länder entsandt – doch jetzt werden Vertreter der Europäischen Union und der Nato selbst zur Zielscheibe des Protestes gegen die umstrittenen Mohammed-Karikaturen.

HB BERLIN/KABUL. In Afghanistan und im Westjordanland kam es am Mittwoch erneut zu Angriffen auf Europäer, mindestens vier Afghanen wurden dabei von den eigenen Sicherheitskräften getötet. Weltweite Appelle, die Gewalt zu beenden, zeigten keinen Effekt.

Auch moslemische Organisationen und Geistliche riefen zur Mäßigung auf. Die indonesische Regierung und führende religiöse Vertreter des größten moslemischen Landes appellierten gestern an die Demonstranten, ihre Wut über die Karikaturen nicht mehr in Gewalt ausarten zu lassen. Die Islamische Konferenz, ein Zusammenschluss von 57 moslemischen Staaten, schloss sich einer Erklärung der Uno und der EU an und verurteilte die Gewalt.

Westliche Politiker forderten ihre eigenen Gesellschaften zur Zurückhaltung auf. Der französische Präsident Jacques Chirac verurteilte die Provokation der „Leidenschaften“ gläubiger Muslime. Zuvor hatte das Pariser Satireblatt „Charlie Hebdo“ die Karikaturen nachgedruckt. Papst Benedikt XVI. mahnte einen verstärkten Dialog zwischen Christen und Moslems an. Der Vatikan hatte den Abdruck der zuerst in einer dänischen Zeitung erschienenen Karikaturen verurteilt. US-Präsident George W. Bush rief die Regierungen weltweit dazu auf einzugreifen. Der EU-Außenbeauftragte Javier Solana kündigte an, mit einem Besuch mehrerer islamischer Staaten zur Entspannung beitragen zu wollen.

In Afghanistan wurden bei den seit Montag andauernden Protesten bereits neun Menschen getötet. Unter anderem hatten die Randalierer versucht, ein norwegisches Lager der Internationalen Schutztruppe Isaf im nordafghanischen Maymana zu stürmen. Die radikal-islamischen Taliban hatten wegen der Karikaturen zum Heiligen Krieg aufgerufen.

Unter dem Isaf-Kommando stehen in Afghanistan auch 2 500 deutsche Soldaten. Er könne nicht persönlich für ihre Sicherheit garantieren, sagte der afghanische Wirtschaftsminister Amin Farhang, „aber ich glaube nicht, dass die deutschen Soldaten in Gefahr sind.“ Er warnte, Extremisten könnten die Situation missbrauchen und versuchen, das Land zu destabilisieren.

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