Gewaltspirale setzt sich wieder in Bewegung
Terror in Türkei greift auf Touristengebiete über

Als die Kurdische Arbeiterpartei PKK im vergangenen Sommer ihre fünfjährige Waffenruhe für beendet erklärte und Touristen und Geschäftsleute vor Reisen in die Türkei warnte, blieb es in den Urlaubsgebieten an der Ägäis- und Mittelmeerküste zunächst ruhig. Doch die Ruhe trog.

Konnte die Explosion einer Splitterbombe im ägäischen Badeort Cesme vor einer Woche noch als Einzelfall angesehen werden, so lässt der zweite Anschlag in kurzer Folge, bei dem wiederum auch ausländische Touristen getroffen wurden, kaum noch Platz für Zweifel. Der Bombenterror, der sich seine Ziele in den vergangenen Wochen hauptsächlich in abgelegenen Gebiete im Osten des Landes suchte, macht nicht länger vor den Urlaubsgebieten Halt. Die Spirale der Gewalt, der sich die Türkei seit dem Ende des Guerillakrieges kurdischer Extremisten 1984 bis 99 entronnen glaubte, setzt sich nach und nach wieder in Bewegung. Erstmals seit sechs Jahren wieder verschleppten Kämpfer der terroristischen PKK einen türkischen Soldaten, der auf Heimaturlaub seine Eltern am Schwarzen Meer besuchen wollte.

Als der Kleinbus im Urlaubsort Kusadasi durch eine Bombe zerfetzt wurde, kam aus der osttürkischen Provinz Tunceli die Nachricht, dass sich die Armee auf der Suche nach dem entführten Soldaten erstmals Gefechte mit PKK-Mitgliedern lieferte. In Giresun am Schwarzen Meer, weitab der Kurdengebiete im Südosten, hatten PKK-Terroristen in der Nacht zuvor einen Polizeiposten unter Feuer genommen und drei Beamte verletzt.

Mit jedem Tag, an dem Züge durch ferngezündete Sprengsätze zum Entgleisen gebracht, Militärfahrzeuge durch explodierende Minen zerfetzt, Militär- und Polizeiposten beschossen werden, scheinen die Hoffnungen auf eine Lösung des Kurdenkonflikts in der Türkei wieder in weite Ferne zu rücken. Der angebliche Wandel der PKK zu einer gewaltfreien politischen Kraft fand nur auf dem Papier statt. Geändert hat sich allein die Strategie des Terrors, wie die Sprengstoffanschläge der vergangenen Wochen und Monate zeigen. Während die PKK zu Zeiten ihres Guerillakrieges eine Politik des militärischen Sieges verfolgte, weichen die kurdischen Extremisten nunmehr Gefechten weitgehend aus.

Nach Einschätzung türkischer Sicherheitskreise sind Hunderte von PKK-Mitgliedern aus ihren Rückzugsgebieten im Nordirak in die Türkei zurückgekehrt. Im „Gepäck“ sollen sie alles in allem eine Tonne Sprengstoff über die Grenze geschmuggelt haben. Polizeibehörden im ganzen Land werden seither vor möglichen Selbstmordattentätern gewarnt. In Kusadasi könnte dieser Fall jetzt eingetreten sein. Unter den Toten wurde eine junge Frau ausgemacht, die möglicherweise einen Sprengsatz bei sich trug.

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