Gewalttätige Ausschreitungen befürchtet
Sejdiu kündigt Unabhängigkeitserklärung an

Der Kosovo-Präsident Fatmir Sejdiu hat die Unabhängigkeitserklärung der abtrünnigen südserbischen Provinz erstmals offiziell angekündigt.

PRISTINA/DARESSALAM/MOSKAU. „Wir werden heute den Willen des albanischen Volkes erfüllen und die Unabhängigkeit ausrufen“, sagte Sejdiu am Sonntagmorgen beim Besuch des Grabes von Ibrahim Rugova in der Provinzhauptstadt Pristina. Rugova, der bis vor zwei Jahren Sejdius Vorgänger und wichtigster albanischer Politiker war, gilt als entscheidender Wegbereiter der Unabhängigkeit.

Tausende Menschen feierten die Nacht über mit albanischen Flaggen im Zentrum der Hauptstadt Pristina. Auf Bannern stand geschrieben: „Alles Gute zur Unabhängigkeit!“. In der Zeitung „Koha Ditore“ hieß es: „Heute beginnt ein neues Leben. Die Vergangenheit sollte nicht in Vergessenheit geraten, aber sie gehört der Vergangenheit an und sollte vergeben werden.“

Im von Serben und Albanern bewohnten Mitrovica hatten französische Nato-Soldaten in der Nacht vorsorglich damit begonnen, Stacheldrahtzäune und Betonbarrieren zu errichten. So sollten Ausschreitungen zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen in der de facto geteilten Stadt verhindert werden. Berichte über Zusammenstöße lagen aber nicht vor.

Das Parlament der südserbischen Provinz will die Unabhängigkeit in einer Sondersitzung erklären, die um 15.00 Uhr MEZ in Pristina beginnen soll. Serbiens Ministerpräsident Vojislav Kostunica will sich gegen 16.00 Uhr in einer Rede an das Volk wenden.

Serbien hat bereits angekündigt, eine Loslösung des Kosovo auf keinen Fall zu akzeptieren und wird dabei von Russland unterstützt. Die meisten westlichen Staaten, darunter Deutschland, dürften ein unabhängiges Kosovo aber in Kürze anerkennen.

Die USA wollen in Zusammenarbeit mit ihren Verbündeten gewalttätige Ausschreitungen nach einer Unabhängigkeitserklärung der serbischen Provinz Kosovo verhindern. Das erklärte US-Präsident George W. Bush am Sonntag bei einer Pressekonferenz in der tansanischen Hauptstadt Daressalam. „Die Vereinigten Staaten werden weiter mit ihren Verbündeten zusammenarbeiten, um sicher zu stellen, dass es keine Gewalt gibt“, sagte der US-Präsident.

Washington sei von der Absichtserklärung der albanisch-kosovarischen Regierung ermutigt, dass sie die Rechte der serbischen Minderheit im Kosovo respektieren werde. Die USA setzten zudem darauf, dass es im serbischen Interesse sei, mit dem Rest Europas verbunden zu sein.

„Und das serbische Volk kann wissen, dass es in Amerika einen Freund hat“, fügte Bush hinzu. Die von der Regierung Kosovos für Sonntag geplante Unabhängigkeitserklärung wird von Serbien und seinem wichtigsten Verbündeten Russland abgelehnt.

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