Gewalttätige Proteste

Deutscher Konsul in Thessaloniki bedrängt

Aufgeladene Atmosphäre in Thessaloniki: Demonstranten schleudern dem deutschen Generalkonsul Kaffee entgegen. Athen und Kanzlerin Merkel verurteilten den Vorfall. Derweil holt sich das pleitebedrohte Land Geld am Markt.
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Ein Demonstrant wirft Kaffee nach dem deutschen Generalkonsul in Thessaloniki, Wolfgang Hoelscher-Obermaier (rechts). Quelle: dapd

Ein Demonstrant wirft Kaffee nach dem deutschen Generalkonsul in Thessaloniki, Wolfgang Hoelscher-Obermaier (rechts).

(Foto: dapd)

ThessalonikiAm Rande eines Treffens deutscher und griechischer Bürgermeister ist es im nordgriechischen Thessaloniki zu Zusammenstößen von Gemeindeangestellten mit der Polizei gekommen. Dabei wurden am Donnerstag Mitglieder der deutschen Delegation scharf angegangen. Dem deutschen Generalkonsul in Thessaloniki, Wolfgang Hoelscher-Obermaier, schleuderten Demonstranten Kaffee entgegen. Schließlich flüchtete er unter Polizeischutz, wie Videoaufnahmen zeigten. Die Lage entspannte sich am Nachmittag, verletzt wurde nach Krankenhausangaben niemand.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verurteilte die gewalttätigen Proteste. „Gewalt ist kein Mittel der Auseinandersetzung“, sagte Merkel in Berlin. Selbstverständlich müsse es aber möglich sein, friedlich zu protestieren. Nach einem Treffen mit dem französischen Ministerpräsidenten Jean-Marc Ayrault sagte sie, Deutschland und Frankreich seien sich einig, dass jetzt schnell der komplette Troikabericht für Griechenland vorgelegt werden müsse. Die Finanzminister der Eurozone sollten am Dienstag zu Entscheidungen kommen, wie die Milliardenlöcher im griechischen Haushalt geschlossen werden können.

„Jeder hat das Recht zu demonstrieren“, erklärte auch Hans-Joachim Fuchtel (CDU), der Griechenland-Beauftragte Merkels, dem griechischen Staatsradio zufolge nach dem Zwischenfall. Der griechische Innenminister Evripidis Stylianidis sagte im fernsehen: „Gewalttaten [...] gefährden jede Bemühung, das Land wieder auf die Beine zu stellen.“ Hoelscher-Obermaier führte die Ausschreitungen auf Missverständnisse am Vortag zurück.

Steuerparadies Griechenland

Fuchtel hatte am Mittwoch in Thessaloniki die Produktivität griechischer und deutscher Arbeitnehmer verglichen und erklärt, 1000 deutsche Arbeitnehmer leisteten die Arbeit von 3000 Griechen. Fuchtel ruderte danach zurück. Er habe es nicht so gemeint, wie es einige hätten verstehen wollen. Er habe viele tüchtige Arbeitnehmer in griechischen Kommunen kennengelernt. Hoelscher-Obermaier sagte, die deutsch-griechische Kooperation von Kommunalpolitikern schaffe täglich „3000 neue Freundschaften“.
Kurz vor ultimo konnte sich Griechenland am Donnerstag bei Privatanlegern ausreichend kurzfristige Finanzmittel besorgen, um eine schnelle Staatspleite abzuwenden. Athen nahm mit vier- und 13-wöchigen Schuldtiteln rund 940 Millionen Euro auf. Am Dienstag hatte das Land bereits kurzlaufende Papiere für 4,06 Milliarden Euro am Markt unterbringen können. Damit galt die zum Wochenende fällige Tilgung von fünf Milliarden Euro Schulden als gesichert.

Griechenland benötigt das Geld dringend, da sich die Auszahlung der seit Juni ausstehenden Hilfstranche aus dem zweiten Rettungspaket weiter verzögert. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte zum Treffen der Eurogruppe am Dienstag: „Wir brauchen eine Lösung, die für Griechenland ein Stück weit hält.“ Beim Führungstreffen Wirtschaft der „Süddeutschen Zeitung“ warnte er jedoch zugleich vor übertriebenen Erwartungen.

 


  • dpa
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16 Kommentare zu "Gewalttätige Proteste: Deutscher Konsul in Thessaloniki bedrängt"

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  • @Olympus graecus

    Ich wuer als Grieche jetzt den Mund so voll nicht nehmen. Die orthodoxen Slawen stehen schon mit beiden Beinen und dicken Geldscheinen im Land und treiben euch noch aus der Taverne in die Felder.
    Und mit den Weibern nehen sie es auch nicht immer so genau.

  • Das Kapitel mit Griechenland habe ich abgeschrieben. Die sind pleite.

    Die sind alles andere als pleite!

    Griechisches Gas und die Lizenz zum Sterben

    Veröffentlicht 2012 http://denkbonus.wordpress.com/2012/07/06/griechisches-gas-und-die-lizenz-zum-sterben/

    Griechenland wird systematisch vom IWF in den Ruin getrieben. Ein möglicher Grund dafür: Griechenland sitzt auf riesigen Öl- und Gasvorkommen, genügend für eine geopolitische Umwälzung

  • Was für Privatanleger? Man nenne Roß und Reiter. Ist die EZB schon ein Privatanleger?

  • El Mediterráneo y los bárbaros del Norte - Demnächst gibts dann auch in Italien, Spanien, Portugal ....was auf die Öhrchen.

  • Die fliegenden Kaffeetassen waren nur der Anfang der Unmutsbekundungen durch das griechische Volk das durch die eigenen Politiker seit Jahr und Tag betrogen werden. Das ist Fakt. In Deutschland stehen solche Unmutsbekundigungen noch aus; sie kommen wenn der dümmste Malocher gemerkt hat, dass er mit seinem Gesparten (eigene Alterversorgung)von Merkel und Consorten betrogen wurde. Es sind die Beamtenarmeen -gleich in welchem Land- die in den Abgrund führen ohne zur Rechenschaft gezogen zu werden. Bis jetzt noch.

  • 100% Zustimmung! Leider herrscht zur Zeit in der "Eurozone" eine Art Religion und Fanatismus, die dem 3.Reich oder der UdSSR in ihrer Radikalität und Irrationalität in nichts nachsteht.

    Wenn ich schon Aussagen wie "alternativlos" und/oder "egal was es kostet" höre...vernunftbegabt hören sich solch radikalen Aussagen nicht an (eher das Gegenteil davon).

    "Egal was es kostet"...heißt das unsere Politiker sind bereit für ein Währungssystem zu sterben, wie ein Kamikaze-Flieger im 2. Weltkrieg? "Egal was es kostet" würde ja das eigene Leben mit einschließen. Wer ist bei uns eigentlich an der Macht? Geisteskranke? Verrückte? Kamikaze?

    Währungssysteme gab es schon viele in Europa. Vernünftige Menschen überleben deren Ende.

  • Das ist ein Failed-State. Die Leute die demonstrieren sollten einsehen, dass sie sich nur auf sich selbst verlassen können.

  • Die griechische Elite ist sehr geschickt darin die Wut umzuleiten. Man stellt Deutschland als Schuldigen für die jetzige Situation in der Presse dar.

    Deshalb sollte Deutschland NICHT helfen und sich aber auch NICHT einmischen! Raushalten wie England oder die Schweiz! Dann geht der Druck in die richtige Richtung (gegen die eigene korrupte Elite) und Reformen werden erst dann möglich sein! Das sit das einzige was funktionieren würde. Alles andere sind Spinnereien geistesgestörter Eurofanatiker und Euro-Ideologen!

  • Meiner Ansicht nach hat Griechenland mit ihren damaligen Haircut ihre Mitgliedschaft in der Eurozone bereits verwirkt. Die EZB hätte konsequent mit dem Haircut die National Bank of Greece rausschmeißen müssen. Klar wären damit Buchverluste bei der EZB einhergegangen (Stichwort TARGET). Aber Hey "Buchverluste", was kratzt es der Zentralbank. Und Nein, die Griechen hätte noch nicht mal eine eigene Währung einführen müssen (Monaco hat auch den Euro und keinen Sitz im EZB-Rat). Natürlich wäre es schlau gewesen von Griechenland in einer Nacht-und-Nebel Aktion damals eine eigene Währung einzuführen, aber der Zug ist dafür abgefahren, weil die Kapitalflucht abgeschlossen ist.

    Ich bin dieses Herumgejammer der Griechen total satt. Die Iren haben ihre Probleme ja auch in den Griff bekommen. Aber nee diese griechischen Jammerlappen sind schlimmer als unsere deutschen linken Möchtegern-Weihnachtsmänner. Verstehe die Merkel auch nicht: Ich hätte den Südstaaten schon längst den Vogel gezeigt und demonstrativ den Cameron auf einen Tee eingeladen.

  • Die sind deshalb so wütend,weil sie genau wissen,dass wenn sie rausfliegen, sie so schnell keine neue Arbeit-zumal mit der Bezahlung finden.Nur was ist dann deren Lösung? Alles bleibt wie es ist ?Fakt ist seit 2010 will kein ausländischer Geldverleiher mehr ,das Leben auf Pump finanzieren.Deshalb musste die EU/EZB,IWF (Troika) einspringen.Es ist nur recht und billig jetzt Reformen zu verlangen.
    Es wäre besser diese Demonstranden sorgen dafür,dass es dann bei den notwendigen Entlassungen gerecht zugeht und nicht nur nach "Nase",Parteibuch oder persönlicher Beziehung entlassen oder eingestellt wird.

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