Gewaltwelle in Ägypten: Tödliche Krawalle nach Urteil wegen Fußballmassaker

Gewaltwelle in Ägypten
Tödliche Krawalle nach Urteil wegen Fußballmassaker

21 Angeklagte wurden wegen des Blutbads in einem Fußballstadion zum Tode verurteilt. Nach der Urteilsverkündung kam es zu Ausschreitungen, mindestens 30 Menschen starben, darunter auch Polizisten. Die Gewalt eskaliert.
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Kairo/Port SaidEin Todesurteil gegen 21 Fußballfans wegen eines Blutbads im Fußballstadion von Port Said hat in Ägypten neue Gewaltausbrüche provoziert. Die Zahl der Toten steigt. Mindestens 30 Menschen wurden getötet, als eine wütende Menge vor einem Gefängnis der Hafenstadt randalierte und die Freilassung der Häftlinge forderte und später zwei Polizeiwachen stürmte. Zudem wurden Hunderte weitere verletzt, wie der Direktor der örtlichen Krankenhäuser, Abdel-Raham Farah, am Samstag mitteilte. Unter den Todesopfern waren demnach auch zwei Polizisten und zwei Fußballer, die erschossen wurden.

Wenige Stunden zuvor war ein Teil der insgesamt 73 Angeklagten zum Tode verurteilt worden. Das Urteil für die 52 übrigen Beschuldigten soll am 9. März verkündet werden, wie Richter Sobhi Abdel Maguid in einer live im Fernsehen übertragenen Erklärung sagte.

Die Sicherheitskräfte setzten ihrerseits Tränengas und Gummigeschosse ein. Die ägyptische Nachrichtenagentur Mena berichtete, die Armee sei nach Port Said entsandt worden, um die Lage unter Kontrolle zu bringen.

Bereits am Freitag, dem zweiten Jahrestag der Revolution gegen den früheren Staatschef Husni Mubarak, war es in Ägypten zu schweren Ausschreitungen gekommen. Dabei wurden mindestens sieben Menschen getötet, rund 500 verletzt. In der Nacht zum Samstag ließ die Regierung dann Panzer auffahren. Besonders schwere Gewaltausbrüche ereigneten sich in der Stadt Suez.

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) reagierte besorgt auf die neue Gewaltwelle. Deutschland sei bereit, den langen und auch schwierigen Transformationsprozess in Ägypten tatkräftig zu unterstützen, sagte er. „Der Besuch von Präsident (Mohammed) Mursi in Berlin in wenigen Tagen ist eine sehr gute Gelegenheit, darüber intensiv zu beraten.“

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