Gewappnet für die Euro-Katastrophe

Retter in Rufbereitschaft

Die eskalierende Schuldenkrise lässt den Euro-Rettern keine freie Minute. Trotz Sommerpause müssen sie gewappnet sein für das Schlimmste – mit Notdiensten für die drohende Euro-Katastrophe.
Update: 30.07.2012 - 08:32 Uhr 50 Kommentare
SOS-Zeichen an einer Notrufsäule vor der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main. Quelle: dpa

SOS-Zeichen an einer Notrufsäule vor der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main.

(Foto: dpa)

Berlin/ Frankfurt/BrüsselDie Euro-Krise kennt keine Pause. Und so kommt es, dass die Gefahr, dass Griechenland aus dem Euro-Raum austritt und dass auch Spanien und Italien Hilfen für die Refinanzierung brauchen, in diesen Tagen eher gewachsen ist. Für die Euro-Retter kommen die täglichen Horrornachrichten zur Unzeit. Denn viele sind im Urlaub, gar nicht im Epizentrum der Krise, sondern dort, wo die Welt noch in Ordnung ist.

Bundeskanzlerin Angela Merkel beispielsweise hat sich eine Drei-Wochen-Auszeit genommen. Ihren Urlaub beginnt sie traditionell bei den Bayreuther Festspielen. Danach fährt sie mit ihrem Mann Joachim Sauer nach Südtirol zum Wandern in die Berge. Auch Finanzminister Wolfgang Schäuble hat Berlin den Rücken gekehrt und erholt sich auf der Nordseeinsel Sylt.

Wie Merkel und Schäuble atmen auch Vertreter anderer Euro-Staaten durch. Und selbst in den wichtigen europäischen Institutionen, der Europäischen Kommission oder der Europäischen Zentralbank (EZB), gönnt man sich zwischen alle den Euro-Rettungsaktionen eine Verschnaufpause. Doch für den Fall der Fälle will man gerüstet sein. Vor allem die Kanzlerin, die in den vergangenen Wochen als Euro-Krisenmanagerin die Richtung vielfach vorgab, auch, weil sie als Garantin einer „Stabilitätsunion“ gilt, hat sichergestellt, dass das deutsche Krisenmanagement nicht zum Stillstand kommt. Bundesfinanzminister trifft heute auf Sylt den amerikanischen Finanzminister Timothy Geithner. Danach reist dieser nach Frankfurt um dort EZB-Chef Draghi zu treffen.

Dass die Euro-Retter auch mit dem Schlimmsten rechnen, ist wenig überraschend angesichts der Entwicklung der Schuldenkrise in den vergangenen Wochen. Selbst namhafte europäische Ökonomen sehen die Lage inzwischen mehr als kritisch. In einem dramatischen Appell rief eine Gruppe von 17 renommierten Wirtschaftswissenschaftlern die Euro-Länder zum Handeln auf. „Wir glauben, dass Europa schlafwandelnd auf eine Katastrophe mit unkalkulierbaren Ausmaßen zutaumelt“, warnten die Volkswirte in einer Studie.

Den Weckruf dürften die Euro-Retter vernommen haben. Und sie werden sich also auch für den Ernstfall wappnen. Wie sie das tun – ein Überblick.

Deutschland: Kanzleramt und Regierungsfraktionen
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50 Kommentare zu "Gewappnet für die Euro-Katastrophe: Retter in Rufbereitschaft"

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  • denke das geht nur durch eine große Gegenbewegung.
    Die besteht aber noch nicht, muß sich erst noch formieren, und dann kann es zu spät sein .
    Denn noch ist der deutsche Michel zu bequem und konsumabhängig.
    www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de
    www.deutsche-wirtschafts-nachrichten.de

  • Bravo!
    So gehört es sich- keine der etablierten ersten 5 Parteien auf der Liste, die haben alle dasselbe Ziel, dieselben Machenschaften, dieselben Verbindungen und Abhängigkeiten zur Finanzmafia.
    Wenn das Volk sie wiederwählt, dann gehört es ihnen nicht anders, dann bekommen sie, was sie verdienen.
    Soll aber keiner dann jammern, wenn ihnen das Fell abgezogen wird kommt, oder "Sonstiges" in Gang kommt.

  • Grüne sagen: „Diese Regierung ist kein Stabilitätsfaktor für Europa.“

    Dafür seid IHR als Opposition verlässlicher als die Abgeordneten der Regierungskoalition. Schämt Euch, den Bürgerwillen konsequent zu ignorieren und Regierung zu spielen anstatt alternative Vorschläge zu entwickeln. Deutschland ist voll mit excellenten Wirtschaftswissenschaftlern – aber IHR müsst Euch ja unbedingt für den gewerkschaftsnahen und nebenher wohl noch bei Soros & Co in Lohn und Brot stehenden Bofinger entscheiden. Dabei hätte es eine bessere Politik geben können.
    Ihr macht einfach alle Andersdenkenden zu Rechtsradikalen oder Nationalisten und aus die Maus.
    Das wird Euch das deutsche Volk hoffentlich nicht vergessen.
    EUCH darf man nicht mehr wählen.

  • hiermit bewerbe ich(parteiloser Technokrat) mich um die Stelle als Bundeskanzler für die Bundestagswahl am 28.08.2013; meine Wahlversprechen: 1. Aufklärung über alle von den vorherigen Regierungen abgeschlossene Verträge, auch wenn es sich um irgendwelche Geheimverträge (die es ja in einer Demokratienicht geben sollte) handels sollte; 2. Stopp des EURO-Wahnsinns (Ende mit Schrecken, denn de eingegangenen Verpflichtunngen werden wir erfüllen müssen; 3. Einführung einer neuen Währung (NORD-EURO) zusammen mit den NIederlanden, Finnland und Österreich, dann können die Südeuropäer unter der Führung Frankreichssoviel Schulden machwen wie sie wollen und z.B. die Rente mit 50 einführen

  • ... das ist eine vernünftige, demokratische Einstellung. Man stellt seine Vorstellungen zur Wahl und wenn man gewählt wird, akzeptiert man den Wählerauftrag.
    Und wenn man nicht gewählt wird, akzeptiert man ebenfalls die Entscheidung des Souveräns.

  • Super Fahrenheit451 - gut "berichtet" - was ist Ihr Vorschlag dass solch ein "Saustall" (wie man landläufig sagt) endlich ausgemistet wird? Dies ist ja wohl ein saystemisches Problem...... Kurzfristig erfolgverspechende Vorschläge explizit erwünscht....

  • Die Bundesregierung vergemeinschaftet die Schulden der Staaten, um Banken und Hedgefonds vor Verlusten zu schützen! Tarnung als "Eurorettung"!!
    In Zukunft sollten sogar Bankschulden direkt dem europäischen Steuerzahler aufgehalst werden, während die Länder mit „Kürzungsdiktaten“ immer tiefer in die Krise getrieben werden.

    Mit der Europäisch-Sozialistischen-Machtergreifung, dem ESM, wollen diese Politiker die Bevölkerung missbrauchen, an ihr Vermögen kommen und es großflächig in die Armut treiben, um dann ihren illegalen Macht-Gelüsten mit der ESM-Diktatur zu frönen und weiter die Banken-Spielkasinos zu bedienen.

  • @ESM
    ich glaube sie haben völlig missverstanden was da vor sich geht. Erst mal sind das keine fehlgeleiteten Milliarden sondern mittlerweile schon Billionen, was bestimmt kein Klacks mehr ist, da das mehrfache komplette Jahres-BIP Deutschlands. Da für diese Verschuldung Zinsen anfallen (an wen eigentlich?), kann man sich bis an das Lebensende krumarbeiten, ohne die Schulden überhaupt tilgen zu können. Danach dürfen die Kinder schuften und dann die Kindeskinder usw. Das ist wohl keine akzeptable Zukunftsaussicht. Und last not least: Abbau von Schulden ist Vernichtung von Vermögen und Kapital, da Schulden=Geld. Das das Gros der Geldschöpfung von den Geschäftsbanken durch Kreditaufnahme von Schuldnern geschieht, ist ja mittlerweile kein Geheimnis mehr sondern müsste sich mittlerweile weitgehendst herumgesprochen haben. Das ist schon rein technisch nicht möglich, weil die Rückabwicklung dieser ganzen Schulden ( Da lasten ja auch noch jede Menge andere Papiere drauf ) zu einer monströsen Deflation und in der Folge zum Kollaps des Finanz- und Wirtschaftssystems führt. Man sollte lieber mal drüber nachdenken wohin diese ganzen Zinszahlungen fließen. Bei griechischen kurzläufigen Staatsanleihen waren das am Schluss über 400%. Mittlerweile werden diese Papiere nicht mehr gehandelt. Aber bis dahin haben wir mit unseren 'Rettungsschirmen' diese monströsen Zinszahlungen ermöglicht. Nun geschieht dasselbe mit ES, IT, PT und IR. Auch dafür sollen wir dann bürgen. Durch den Euro werden wir komplett leergezuzzelt. Also bitte aufwachen.

  • Die Südländer werden NIE ihre Schulden zurückzahlen wollen. Alle Welt ist zur Erkenntiniss gelangt, dass es für alle - ausser den Deutschen - am einfachsten ist, dass Deutschland "Haftung" übernimmt. Das Bundesverfassungsgericht wird weltweit verteufelt, weil es die Grundfeste der Demokratie schützt.
    In welcher Welt leben wir hier eigentlich????

    Frau Merkel muss aggressiver mit Lösungsvorschlägen gegen id immer neuen Angriffe auf unsere Sozialkassen abzuwehren.
    Eine LÖsung ist:

    1. Spanien muss zunächst alle Banken verstaatlichen und ein großes Reinemachen vollziehen!!!
    2. Jedes Land legt einen EIGENEN Schuldentilgungsfonds an, in den alles über 80% Verschuldung ausgelagert wird.
    - jedes Land bedient JÄHRLICHE Tilgungsragten (selbst natürliche;
    - das Geld kommt aus einem Abgaben/Steuermix (5Pkte. auf Mwst, EK-Steuer, Vermögensstu. Immost. Luxusst., Transaktionsst, und einen extra Schulduntilgungszuschlag ähnlich dem Soli),
    - wenn z.B. seine JÄHRLICHE Tilgung irreversible geleistet hat, bekommt es von den durch Niedrigzinsen verwöhnten Nordeuropäern einen Zinsausglauch, um die Zinslast zu drücken.

    Vorteile: Aktive Tilgen wird belohnt, keine Haftungsübernahmen, Tilgen schafft Vertrauen, das Argument DE bekommt zu Lasten Italiens gäünstige Zinsen, zieht dann nicht mehr.
    Hauptvorteil: Italien und alle anderen PIIGS müssten SICHTBAR (Tilgungsbetrag) in Vorleistung gehen!!! Besser kann man den Erfolg nicht messen/kontrollieren.

    Italien ist REICHER; REICHER; AM REICHSTEN. Es ist nicht einzusehen, warum Detusche Sparer nun die italienischen Vermögen und Besitztümer subventionieren sollen!!! Der italienische Staat muss sich das Geld von seinen Bürgern (den Reichen) holen.

    Diese Lösung wäre gerecht, extrem gerecht.

    Ich vermisse derartige pragmatische Vorschläge; da kann man echt sagen, Merkel zaudert!!!

  • @JennyFriedheim

    weitere hübsche Erkenntnisse finden sich in den Verfassgungsbeschwerden diverser Beschwerdeführer.

    Beispiele:
    Prof. Murswiek (für Beschwerdeführer Dr. Peter Gauweiler):

    "Bezeichnend ist, dass die Bundesregierung für die Vorbereitung des ESM, für die ihr eigener juristischer Sachverstand offenbar nicht ausreichte, externe rechtliche Beratung eingekauft hat, und zwar nicht bei neutralen Experten, sondern bei zwei Anwaltskanzleien, die ständig Investmentbanken betreuen.

    Zum einen handelt es sich um die Kanzlei Freshfields-Bruckhaus-Deringer, die als einer der Vorreiter beim Einstieg von Anwaltskanzleien in das Lobbygeschäft in Deutschland gilt, bereits die Entwürfe des Finanzmarktstabilisierungsgesetzes und des Finanzmarktstabilisierungsergänzungsgesetzes formuliert hat, ständig Banken berät und insbesondere Banken auch bei Anträgen für Mittel aus den Banken-Rettungspaketen beraten hat.

    Zum anderen handelt es sich um die Kanzlei Hengeler-Mueller, die ständig die Deutsche Bank vertritt und auch andere deutsche und ausländische Banken berät. Sie bezeichnet sich selbst als "Vorreiter bei der Entwicklung neuer Produkte für die europäischen Kapitalmärkte".

    http://www.fortunanetz.de/kbeobacht/2012/Juli/Juli03.php

    ... Dr. Wolfgang Philipp hat in seiner Verfassungsbeschwerde die Untiefen der ESM-Verträge noch deutlicher herausgearbeitet. Die Erkenntnisse hieraus sind allerdings nichts für schwache Gemüter oder Leser mit Bluthochdruck-Erkrankungen:

    http://www.fortunanetz.de/kbeobacht/2012/Juli/Juli06.php

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