Gewerkschafts-Forderungen
Gewerkschaften geißeln Browns Politik

Die Schwäche der Labour-Regierung stärkt den Einfluss der Gewerkschaften in Großbritannien. Die britischen Arbeitnehmervertreter wollen Superreiche künftig stärker zur Kasse bitten und fordern höhere Löhne im öffentlichen Dienst. Auch Schatzkanzler Alistair Darling könnte unter Beschuss geraten.

LONDON. Auf ihrem Jahreskongress in Brighton attackierten die Arbeitnehmervertreter die "Supergehälter" in der Londoner City. Darüber hinaus stimmten sie für landesweite Aktionen gegen die Entscheidung der Regierung, Lohnerhöhungen im öffentlichen Dienst auf zwei Prozent zu begrenzen. Mehrere Einzelgewerkschaften beschlossen bereits Streiks.

Die britische Gesellschaft brauche mehr Fairness, forderte der Chef des Dachverbandes Trade Union Congress (TUC), Brendan Barber. Die Gewerkschaften fordern, Gutverdiener stärker zu besteuern und die "schlimmsten Ungerechtigkeiten" am Arbeitsmarkt zu beseitigen. "Lasst uns vor allem eine Steuer auf die exzessiven Profite der Energiewirtschaft erheben und diese den Ärmsten und Benachteiligtesten unserer Gesellschaft geben", so Barber. Premier Gordon Brown hat eine solche Sondersteuer aber bereits ausgeschlossen.

Vor dem Treffen veröffentlichte der Dachverband ein Pamphlet über die wachsende Ungerechtigkeit in der britischen Gesellschaft. Der Einfluss der Superreichen habe das Wirtschaftsgeschehen zu Gunsten einer "winzigen Minderheit" aus der Balance gebracht. "Die Gesellschaft hat den grundlegenden Begriff der Fairness verloren", heißt es in dem Papier mit dem Titel "Do the Super Rich matter?".

Heute dürfte Schatzkanzler Alistair Darling unter Beschuss geraten, wenn er vor den Gewerkschaftern die Lohnbremse im öffentlichen Dienst verteidigt. Angesichts einer Inflationsrate von mehr als vier Prozent sei diese Politik "unfair, ungerecht und moralisch bankrott", sagte der Chef der Dienstleistungsgewerkschaft PCS, Mark Sewotka. Der Chef der einflussreichsten Gewerkschaft Unite, Tony Woodley, warnte den unpopulären und in seiner Partei umstrittenen Premier Brown unverblümt: "Ob er überlebt, hängt von der Wirtschaft ab und davon, ob er die Situation der einfachen Menschen verbessert."

Vier große Gewerkschaften, die zusammen mehr als eine Million Beschäftigte vertreten, haben bereits Streiks beschlossen. Trotz der militanten Stimmung lehnte das Plenum gestern aber mit knapper Mehrheit einen weitergehenden Antrag für einen landesweiten Generalstreik ab. Ein solcher Ausstand wäre illegal, weil er "politischer Natur" wäre, und hätte eine scharfe Konfrontation mit der Labour-Regierung provoziert.

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