Gewinne aus dem Bergbau fließen ins Ausland ab – Binnenwirtschaft bekommt kaum Impulse
Kupferboom treibt Wachstum in Chile voran

Chiles Wirtschaft boomt – dank des anhaltend hohen Weltmarktpreises für Kupfer. So ist das Bruttosozialprodukt des Landes im zweiten Quartal um 1,3 Prozent gegenüber dem ersten Quartal gestiegen, im Jahresvergleich ist das ein Plus von 5,1 Prozent. Im Bergbau legte die Produktion sogar um 9,5 Prozent zu. Für das Gesamtjahr 2004 rechnet die Dresdner Bank Lateinamerika mit einem kräftigen Wirtschaftswachstum von 4,8 Prozent.

BUENOS AIRES. Die chilenische Wirtschaft ist extrem vom Bergbau abhängig: Der Export von Kupfer macht etwa 40 Prozent der Ausfuhren insgesamt aus. Der Anstieg des Kupferpreises ist allein für etwa die Hälfte des Wirtschaftswachstums im ersten Halbjahr verantwortlich. Zugleich ist der Bergbau der wichtigste Kapitalmagnet für ausländische Investoren. Internationale Bergbaukonzerne haben in den letzten zehn Jahren 12 Mrd. US-Dollar in Chile investiert. Das sind fast ein Drittel aller Auslandsinvestitionen in diesem Zeitraum.

Chiles Binnenwirtschaft profitiert bislang aber kaum vom Kupferboom. Denn im Bergbausektor sind nur wenig Arbeitnehmer beschäftigt und die Gewinne fließen großteils ins Ausland. Zudem zahlen die ausländischen Unternehmen wegen großzügiger Abschreibungsmöglichkeiten kaum Steuern. Zum öffentlichen Skandalthema wurde dieser Umstand vor drei Jahren, als der US-Konzern Exxon den Verkauf der Kupfermine „La Disputada“ für 1,2 Mrd. Dollar an Anglo-American bekannt gab. Exxon hatte „La Disputada“ in den 70er-Jahren für etwa 100 Mill. Dollar erworben. Obwohl sich der Wert der Mine in den Jahren bis zum Verkauf also offensichtlich vervielfacht hatte, hatte Exxon in all diesen Jahren durchgehend Verluste gemeldet und niemals Steuern gezahlt.

„Derzeit subventioniert Chile praktisch die großen Bergbauunternehmen, denn sie zahlen nur 500 Mill. Dollar Steuern bei Jahresgewinnen von über 4,5 Mrd. Dollar“, erklärte unlängst Präsident Ricardo Lagos. Die Regierung will nun von den Bergbaukonzernen eine neue Abgabe erheben. Geplant ist, eine Abgabe von bis zu drei Prozent des Umsatzes für den Abbau nicht erneuerbarer Rohstoffe einzutreiben. Die erwarteten Einnahmen von etwa 100 Mill. Dollar pro Jahr sollen einem Sonderfonds für Forschung und Entwicklung zufließen. Bisher wird nur etwa 0,6 Prozent des chilenischen Sozialprodukts für Forschung verwandt.

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