Gezielter Angriff in Gaza-Stadt
Israelis töten „Vater der Kassam-Rakete“

Das israelische Militär hat mit einem gezielten Raketenangriff in Gaza-Stadt am Donnerstagabend ein ranghohes Mitglied der radikalen Palästinenser-Gruppe Hamas getötet.

HB GAZA-STADT. Ein Begleiter des Hamas-Funktionärs Adnan al-Ghul sei getötet worden, berichteten Ärzte und Augenzeugen.

Als Vergeltung feuerte die Hamas Raketen und Granaten auf israelische Ziele ab und kündigte Selbstmordanschläge an. Im Norden des Gaza-Streifens beschoss das israelische Militär am Freitag das Haus eines Anführers des Volkswiderstand-Komitees, einer Dachorganisation militanter Palästinenser-Gruppen. Augenzeugen zufolge gab es bei dem Raketenangriff keine Opfer.

Die israelische Armee erklärte, sie habe in Gaza-Stadt auf das Auto Al-Ghuls gezielt. Der 45-Jährige steht seit rund 15 Jahren als mutmaßlicher Bombenbauer auf der israelischen Fahndungsliste. Er gilt als der „Vater der Kassam-Rakete“, mit denen radikale Palästinenser wiederholt Ziele in Israel und jüdische Siedlungen angegriffen haben. Al-Ghul hatte mehrere Anschläge überlebt.

In der Leichenhalle, wo die bis zur Unkenntlichkeit verbrannten Leichen der beiden Palästinenser aufgebahrt waren, kam es nach Berichten von Augenzeugen zu Tumulten. Wütende Palästinenser feuerten Schüsse in die Luft ab und skandierten dazu „Allahu Akbar“ (Gott ist groß).

Der palästinensische Minister Saeb Erekat verurteilte die Tötung Al-Ghuls. Sie zeige die Entschlossenheit der israelischen Regierung, an einer militärischen Lösung festzuhalten, anstatt den Verhandlungsweg einzuschlagen.

In jüngster Vergangenheit hatte Israel wiederholt gezielte Schläge gegen Funktionäre extremistischer Palästinenser-Gruppen geführt, die im Verdacht standen, an Terrorakten gegen Israel beteiligt gewesen zu sein. Die Palästinenser hatten diese Angriffe als politisch motivierte Morde verurteilt.

Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon plant den Abzug aus dem Gaza-Steifen, will aber zuvor die militanten Gruppen zerschlagen. Damit könnte er das Argument seiner politischen Gegner entkräften, ein Abzug Israels aus dem Gaza-Streifen mache Angriffe radikaler Palästinenser wahrscheinlicher. Am Dienstag steht eine Abstimmung im Parlament über Scharons Abzugplan an. Scharon dürfte sie - auch gegen den Widerstand von Teilen seiner konservativen Likud-Partei - mit Unterstützung der oppositionellen Arbeitspartei gewinnen.

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