Giannis Stournaras
Tsipras‘ Ärger mit dem eigenen Notenbankchef

Griechenlands Notenbankchef fällt häufig mit Fauxpas auf. Premier Tsipras will den unbequemen Banker aus dem Amt hebeln – dabei ist er mehr denn je auf das Wohlwollen der EZB angewiesen. Deren Chef Draghi ist besorgt.
  • 9

AthenEigentlich sollte Giannis Stournaras an diesem Freitag vor einem Ausschuss des griechischen Parlaments Rede und Antwort stehen. Aber Griechenlands Notenbankchef hat abgesagt. Er ist wegen wichtiger Termine verhindert. Ihn beschäftigt die akute Krise des Landes, dessen Bankensystem nur noch existiert, weil es am Tropf von Notkrediten der Europäischen Zentralbank (EZB) hängt. Doch Griechenlands Parlamentspräsidentin Zoi Konstantopoulou lässt die Entschuldigung nicht gelten.

Sie will den Gouverneur der griechischen Notenbank notfalls von der Polizei in Handschellen zu seiner Anhörung im Parlament vorführen lassen – ein nach den Regeln des griechischen Parlaments möglicher, in der EU aber nie dagewesener Vorgang. Dass die Polizei Stournaras in seinem Büro im dritten Stock der Bank of Greece an der Athener Panepistimiou-Straße am Freitag tatsächlich antreffen wird, ist allerdings unwahrscheinlich – der Notenbankgouverneur ist auf Auslandsreise.

Damit eskaliert ein Streit, der im Mai begann. Anlass war eine an die Öffentlichkeit gelangte E-Mail aus Kreisen der Zentralbank. Unter dem Titel „Bilanz der 100 Tage“ (der Regierung Tsipras) listet das Non-paper eine Reihe von Fakten auf, die für den griechischen Premier wenig schmeichelhaft sind – wie den massiven Schwund der Einlagen im Bankensystem, den Absturz der Aktienkurse und Immobilienpreise, die wachsenden Zahlungsrückstände des Staates.

Regierungschef Tsipras sah in der Mail eine Art Sabotage und warnte den Notenbanker im Parlament, er werde danach beurteilt, ob er „der nationalen Linie“ folge – also den Vorgaben der Regierung. Mit der gesetzlich verankerten Unabhängigkeit der Zentralbank ist diese Forderung allerdings schwer vereinbar. Schon vor der Mail-Affäre hatte Staatsminister Nikos Pappas, der engste Tsipras-Mitarbeiter, gegenüber dem „Wall Street Journal“ beklagt, Stournaras zeige keine Kooperationsbereitschaft.

Stournaras ließ in einer knapp gehaltenen Mitteilung dementieren, dass die Mail, die an einen bekannten Finanzjournalisten adressiert war, von der Zentralbank stamme. Formal stimmt das, jedoch ist es nur eine Ausrede, weil die Nachricht von der privaten Mail-Adresse eines seiner engsten Mitarbeiter verschickt worden war.

Seite 1:

Tsipras‘ Ärger mit dem eigenen Notenbankchef

Seite 2:

Siemens im Fadenkreuz

Seite 3:

Was EZB-Chef Draghi von dem Streit hält

Kommentare zu " Giannis Stournaras: Tsipras‘ Ärger mit dem eigenen Notenbankchef"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Eine derartige Vorgehensweise gegenüber integren Persönlichkeiten ist auch in Deutschland üblich.

    In Deutschland ging/geht man beispielsweise mit Kernfachleuten teilweise ähnlich um. Man konnte dieses Verhalten gegenüber Fachleuten bei der Übernahme von Bundesbehörden durch Ökoaktivisten, oder Landesbehörden nach der Übernahme durch Grüne Minister beobachten.

    Im Gegensatz zu dem griechischen Notenbankchef erhielten die Kernfachleute keine Unterstützung. Die linksökologischen Journalisten waren froh endlich ökologische "Wahrheiten" zu Sachverhalten wie Asse, "Verstrahlungen" und Ähnlichem zu erhalten.

  • Immer mehr hängen Politische Diktate von immer mehr Politischen Ideologien über der Freiheit der europäischen Bürger wie das Demoklesschwert über der EU und den EURO.
    Die Politische Diktatur / Diktaturen hatten in Europa noch nie erfolg. Dazu ist Europa schon immer zu Vielfältig in seiner Kultur gewesen. Jeder spicht mit eine anderen Sprache und jedes Volk hat seine eigene emotionale Lebensfreude=Freiheitsdrang in seinen Genen. Diese Freiheitsdrang konnte noch kein Diktatur oder diktatorische Instanz = EU/EURO für lange Zeit unterdrücken. Und genau diese Erfahrung macht die EU und EURO am Beispiel von Griechenland durch. Bei Griechenland wird es jedoch nicht bleiben. Spanien, Frankreich, Italien, Portugal werden folgen. Auch die Osteuropäer begehren gegen ein Einheitsdiktat auf....siehe Flüchtlingsfrage. Und die Briten waren schon eh immer vernünftiger als diese EU-Euro Diktatur. Die Engländer haben erkannt, dass man die Vielfalt der Kulturen und Emotionen in Europa nicht auf dauer unterdrücken kann und man hat die Selbständigkeit der Nationen immer in den Vordergrund gestellt, weil es zwecklos ist, gegen das Bedürfnis einer Kulturelen Indifikation in Form von einen EU-EURO Diktaturstaat in den Krieg zu ziehen.

  • Die Erinnyen bzw. Furien bei den Römern sind nach 2.000 Jahren wieder aufgewacht. An Schäbigkeit ist das Handeln der verantwortlichen Protagonisten in der griechischen Regieung oder der Syriza nicht mehr zu überbieten. Mit solchen Menschen verhandelt man nicht oder legt sich vertraglich mit ihnen ins Bett. Ich begreife auch sehr gut, daß die sich mit Putin bestens verstehen. Macht diesem inszenierten, unwürdigen Schmierentheater endlich ein Ende.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%